Unendlicher Rechtsstreit Gore gibt nicht auf

Rund 90 Minuten lang befasste sich der Oberste Gerichtshof der USA mit der Präsidentschaftswahl, ohne eine Entscheidung zu fällen. Der Streit zwischen Al Gore und George W. Bush vor Gericht geht weiter: Nächster spannender Termin ist eine Anhörung am Samstag in Florida.


Hofft weiter: Al Gore
DPA

Hofft weiter: Al Gore

Washington - Die Anwälte des demokratischen Vizepräsidenten Gore beantragten beim Obersten Gerichtshof von Florida eine sofortige Neuauszählung umstrittener Wahlzettel. Sie wollen auf diese Weise eine Entscheidung eines Bezirksgerichts umgehen, das für den Samstag eine Anhörung angesetzt hat. Bei diesem wiederum beantragten die Republikaner am Donnerstagabend, 1,2 Millionen Wahlzettel aus drei weiteren Bezirken zu einer möglichen Neuauszählung nach Tallahassee bringen zu lassen.

Die Entscheidung der Verfassungsrichter in Washington wird allerdings noch keine Klarheit über den Sieger der Wahl bringen, da Gore in Florida die Wahl angefochten hat und der Fall dort wieder durch die Instanzen geht. Sollte Bush gewinnen, würde sein Vorsprung aber wieder auf 930 Stimmen anwachsen. Nach der erneuten Zählung nach dem 14. November war er auf 537 Stimmen geschrumpft.

Siegessicher: George W. Bush und seine Frau Laura
AP

Siegessicher: George W. Bush und seine Frau Laura

Die Fragen der Verfassungsrichter in Washington an die Anwälte Bushs und Gores sowie des Staates Florida drehten sich hauptsächlich um zwei Punkte: Warum soll sich das Oberste Bundesgericht in die Entscheidung eines Einzelstaats einmischen, und was wären die Konsequenzen, falls die Nachzählung für ungültig erklärt würde? Vor dem Gerichtsgebäude hatten sich viele Schaulustige und Reporter eingefunden, um Zeuge der historischen Anhörung zu werden, die nach rund zwei Stunden endete.

Erstmals in der amerikanischen Rechtsgeschichte veröffentlichte der Supreme Court den Tonmitschnitt einer Anhörung. Einige Fernseh- und Radiostationen begannen sofort mit der Ausstrahlung des Tondokuments. Fernsehkameras und Fotoapparate sind in dem Gericht nicht erlaubt.

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