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Bürgerkrieg in Syrien: Weltkulturerbe in Gefahr

Foto: Anonyomous/ AP/dpa

Weltkulturerbe Unesco warnt vor Zerstörung von Syriens Kulturschätzen

In Syrien tobt ein blutiger Bürgerkrieg, Zehntausende sind gestorben, Millionen auf der Flucht. Auch die Kultur des Landes hat großen Schaden genommen, warnt die Unesco. Historische Stätten des Landes wie die Altstädte von Damaskus und Aleppo seien akut bedroht.

Damaskus - Vor einigen Jahren lockte Syrien Touristen mit seinen sagenhaften Kulturstätten: dem Basar von Aleppo mit seinen bunten Farben und exotischen Gerüchen, der Altstadt von Damaskus und der Oasenstadt Palmyra. "Die Stadt mit ihren auf Marmorsäulen ruhenden Bauten ist ein Wunder. Manche behaupten, sie sei von Dämonen für König Salomo erbaut", schrieb der Geograf Yakut im 13. Jahrhundert über Palmyra. Die Unesco hat sechs Orte in Syrien zum Weltkulturerbe erklärt.

Doch heute beherrschen Krieg und Gewalt das Land. Das bedroht auch die historischen Bauten: Die Unesco warnt, die Stätten seien wegen des Bürgerkriegs in akuter Gefahr.  Sie wurden demnach auf die Liste des bedrohten Welterbes gesetzt.

Zu den sechs Unesco-Weltkulturerbestätten  in Syrien gehören auch die Altstadt von Bosra, die Saladin-Festung sowie die alten Dörfer im Norden des Landes. In 6500 Jahren hinterließen 33 Zivilisationen ihre Spuren in Syrien: Sumerer, Babylonier, Ägypter, außerdem Griechen, Römer und Kreuzritter sowie die Osmanen.

Der Krieg droht, ihre Spuren zu tilgen. Vor allem die Altstadt von Aleppo habe unter "einer der schwersten Zerstörungen des Konflikts" gelitten, hieß es in Unesco-Dokumenten. Dort toben noch immer heftige Kämpfe. Ende April stürzte das Minarett der Omajjaden-Moschee aus dem 11. Jahrhundert ein. Rebellen und Militär machten sich gegenseitig dafür verantwortlich. Im vergangenen Jahr wurden Hunderte Läden zerstört, weite Bereiche des weltberühmten Basars verwüstet. Ein Feuer brannte in dem historischen Kleinod der Stadt. Anwohner versuchten verzweifelt, die Flammen zu löschen.

Die Unesco wies darauf hin, dass sie nur über unbestätigte Angaben über das Ausmaß der Zerstörungen verfüge. Diese stammten unter anderem aus sozialen Online-Netzwerken sowie aus einem Bericht der syrischen Regierung, welcher "die tatsächliche Lage nicht unbedingt widerspiegelt".

"Syrien löst sich auf"

In dem seit mehr als zwei Jahren andauernden syrischen Konflikt sind Uno-Schätzungen zufolge mindestens 93.000 Menschen getötet worden. Millionen sind auf der Flucht. "Syrien löst sich als Zivilisation auf, mit fast der Hälfte seiner Bürger in Abhängigkeit von Nothilfe", warnt António Guterres, Uno-Hochkommissar und Leiter des Flüchtlingshilfswerkes der Vereinten Nationen (UNHCR). Bis Ende des Jahres könnten mehr als 10 Millionen Syrer Flüchtlinge im eigenen Staat oder im Ausland sein.

Auch am Donnerstag gingen die Kämpfe weiter. Syrische Rebellen und Kämpfer der libanesischen Hisbollah-Miliz lieferten sich im Umland von Damaskus heftige Gefechte. Regierungstruppen und die Hisbollah versuchen seit Mittwoch, die Nachschubwege der Rebellen südlich der Hauptstadt abzuschneiden. Nach Angaben der Gegner des Regimes von Präsident Baschar al-Assad waren am Mittwoch landesweit 83 Rebellen und Zivilisten getötet worden, 30 von ihnen starben im Großraum Damaskus.

Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter appellierte an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz, den Insassen des von Rebellenbrigaden umzingelten Zentralgefängnisses von Aleppo zu helfen. Durch die Belagerung habe sich die Versorgung der Gefangenen dramatisch verschlechtert, da Lebensmittel und Medikamente nur per Hubschrauber geliefert werden könnten. Viele Häftlinge litten an Tuberkulose oder Krätze.

kgp/AFP/dpa
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