Berufungsverfahren 71 Tote in Kühllaster - Schlepper zu lebenslanger Haft verurteilt

In einem Lastwagen in Österreich erstickten vor vier Jahren 71 Flüchtlinge. Im Berufungsverfahren wurden die vier Hauptverantwortlichen nun zu langen Haftstrafen verurteilt. Die Urteile sind rechtskräftig.

Berufungsprozess im ungarischen Szeged: Urteile sind rechtskräftig
Tamas Kaszas/REUTERS

Berufungsprozess im ungarischen Szeged: Urteile sind rechtskräftig


Im Sommer 2015 starben 71 Flüchtlinge auf qualvolle Weise in einem Kühllaster, der auf dem Parkplatz einer österreichischen Autobahn nahe der ungarischen Grenze gefunden wurde. Nun wurde das Urteil im Berufungsverfahren gesprochen. Die vier Hauptverantwortlichen müssen lebenslang ins Gefängnis.

Der Richter am Gericht im ungarischen Szeged befand in letzter Instanz den Kopf der Schleuserbande, einen Afghanen, und seine drei bulgarischen Komplizen des Totschlags für schuldig. Für drei Verurteilte schloss das Gericht eine Haftentlassung aus, der vierte Mann kann frühestens nach 30 Jahren freigelassen werden. Die Urteile sind rechtskräftig.

Das aus Ungarn kommende Fahrzeug war im August 2015 auf einem Autobahnparkplatz in Österreich entdeckt worden. Die Migranten aus Syrien, dem Irak und Afghanistan, unter ihnen auch vier Kinder, waren in dem Lkw erstickt.

Hilfeschreie und Klopfen

Der Fahrer hatte nach Erkenntnissen der Justiz zwar die Hilfeschreie und das Klopfen der Flüchtlinge bemerkt. Er hatte aber auf Anweisung seines Chefs nicht angehalten, um die Tür des Lkw zu öffnen und Luft in den Laderaum zu lassen. Später stellte er den Lkw auf dem Parkplatz ab und floh. In dem Fahrzeug wurden die verwesten Leichen der 59 Männer, acht Frauen und vier Kinder entdeckt.

Die Grafik zeigt, wie dicht gedrängt die Flüchtlinge im Lkw standen
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Die Grafik zeigt, wie dicht gedrängt die Flüchtlinge im Lkw standen

Im Juni 2018 hatte ein Gericht im ungarischen Kecskemet die vier Schleuser wegen Totschlags und Menschenschmuggels zu jeweils 25 Jahren Haft verurteilt. Das Urteil blieb damals unter dem Antrag der Anklage, die lebenslange Haft für alle vier Angeklagten gefordert hatte.

Das Gericht in Kecskemet war zuständig, weil dort der Kühllaster gemietet worden war, der die Migranten von der serbisch-ungarischen Grenze über Österreich nach Deutschland bringen sollte. Die Staatsanwaltschaft war gegen das Urteil in Berufung gegangen. Auch die Verteidigung hatte Rechtsmittel eingelegt und eine mildere Strafe verlangt.

Es war der schwerste Vorfall dieser Art auf der sogenannten Balkan-Route, auf der Hunderttausende Migranten aus dem Nahen Osten, aus Afrika und Asien vor Krieg und Armut nach Nord- und Westeuropa geflohen sind.

asc/Reuters/dpa



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