Unkonventionelle Hilfe Italienische Politiker wollen afghanisches Opium kaufen

Mehrere Regierungsparteien in Italien sorgen mit einem unkonventionellen Vorschlag für Aufregung: Sie wollen mit dem Kauf von Opium die Wirtschaft in Afghanistan ankurbeln. Demnächst soll das Parlament darüber beraten.


Rom - Helle Aufruhr in Italien. Die Zeitung "La Repubblica" zitiert heute mehrere Politiker aus den Reihen der Radikalen, der Kommunisten und der Grünen, die sich für den Plan stark machen. Ziel sei es, aus dem Stoff Schmerzmittel wie Morphium und Codein herzustellen und so die weit verbreitete Produktion des Opium-Derivats Heroin zu unterbinden. "Auf mehr als 156.000 Hektar wird in Afghanistan Schlafmohn angebaut, was jährlich einen Umsatz von 400 bis 500 Millionen Dollar ausmacht", hieß es.

Arbeit auf dem Mohnfeld: Hunderte Millionen Dollar Umsatz pro Jahr
AFP

Arbeit auf dem Mohnfeld: Hunderte Millionen Dollar Umsatz pro Jahr

Außenminister Massimo D'Alema erklärte, er wolle das Thema auf die Tagesordnung einer Parlamentsdebatte zum Thema Afghanistan setzen. Schob aber sogleich seine Zweifel an der Umsetzbarkeit des Plans hinterher: "Aber Italien wird kein Opium kaufen können, weil die Produktion von der afghanischen Regierung als illegal betrachtet wird", sagte er. Oppositionspolitiker kritisierten den Vorschlag und meinten, jetzt wolle die Mitte-Links-Koalition "Drogen von Terroristen kaufen".

In der Abgeordnetenkammer wird seit Montag die Verlängerung der italienischen Mission in Afghanistan diskutiert. Die Abstimmung soll voraussichtlich heute Abend erfolgen. Es wird erwartet, dass Ministerpräsident Romano Prodi das Votum mit breiter Mehrheit gewinnt, weil auch die Opposition die Mission unterstützt.

ler/dpa



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