Uno-Bericht Afghanistan produziert so viel Opium wie nie

Noch nie wurde so viel Opium in Afghanistan angebaut wie in diesem Jahr. Laut einem Uno-Bericht ernteten die Bauern mehr als 5000 Tonnen - ein Plus von 49 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein Grund für den Drogenboom: der geplante Abzug der westlichen Truppen aus dem Land.
Opium-Pflanzen in Afghanistan: Rekordernte 2013

Opium-Pflanzen in Afghanistan: Rekordernte 2013

Foto: BAY ISMOYO/ AFP

Kabul/Istanbul - Die Experten hatten es vorausgesehen: Schon im Frühjahr hatte die Uno mit einer Rekordernte von Opium in Afghanistan gerechnet. Genaue Zahlen waren noch nicht bekannt, aber man wusste schon, dass die Fläche, auf der Schlafmohn angebaut wird, im Jahr 2013 deutlich höher liegen würde als im Jahr zuvor. Damals wuchs die Pflanze auf 154.000 Hektar.

Jetzt liegen die Zahlen vor, und sie sind ernüchternd, wie der Chef des Büros der Uno für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC), Juri Fedotow, sagt. In diesem Jahr wurde in Afghanistan auf insgesamt 209.000 Hektar Schlafmohn angebaut, eine Fläche fast so groß wie das Saarland. Damit übertrifft sie die Anbaufläche von 1997, als sie ein Rekordhoch von 193.000 Hektar erreichte. Die erzielte Menge liegt jetzt bei 5500 Tonnen und ist eine Zunahme um 49 Prozent im Vergleich zu 2012, heißt es in einem am Mittwoch in Kabul vorgestellten Uno-Bericht.

Selbst in Regionen, wo Anbaugebiete auf staatliche Anordnung zerstört wurden, stieg die Anbaufläche, weil einfach andernorts Felder für Schlafmohn genutzt wurden. Bei der Bekämpfung des Drogenanbaus wurden dieses Jahr 143 Menschen getötet, 41 mehr als 2012.

Damit ist Afghanistan für 80 Prozent der weltweiten Opiumproduktion verantwortlich. Die Uno-Experten werteten den immer noch hohen Weltmarktpreis für Opium als den Hauptgrund für die Zunahme. Ein Kilogramm brachte 145 Dollar ein. Aber auch der bevorstehende Abzug der internationalen Truppen sowie die Wahlen im kommenden Jahr könnten die Bauern dazu getrieben haben, aus Angst vor einer ungewissen Zukunft auf das gewinnträchtige Opium zu setzen. Auf diese Weise versuchten sie, jetzt noch so viel Geld wie möglich zu verdienen. Und keine andere Pflanze bringt so viel Geld ein. Das Gesamtvolumen des Opiummarkts in Afghanistan liegt dem Bericht zufolge bei etwa 950 Millionen Dollar, er macht damit vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus.

Nach dem Abzug der Bundeswehr wuchs die Anbaufläche

Die Hauptanbaugebiete liegen wie schon in den Jahren zuvor im Süden und Westen des Landes, vor allem in Helmand und Kandahar - und damit in den am stärksten von Kämpfen und Unruhen betroffenen Provinzen. In der Provinz Badachschan im Nordosten nahm die Anbaufläche im Jahr nach dem Abzug der Bundeswehr um 25 Prozent auf 2374 Hektar zu.

Die Provinzen Faryab und Balkh, die im Vorjahr noch als opiumfrei galten, zählten in diesem Jahr auch zu den Regionen, in denen Schlafmohn angebaut wurde. In Faryab wurden allerdings nur wenige Felder registriert, insgesamt 58 Hektar. "Mit wenig Aufwand könnte es den Status 'opiumfrei' wieder erlangen", heißt es in dem Bericht. Insgesamt fiel die Zahl der opiumfreien Provinzen von 17 auf 15; insgesamt zählt Afghanistan 34 Provinzen.

UNODC-Chef Fedotow appellierte an die Afghanen, Maßnahmen gegen den Drogenanbau zu ergreifen. Das Land müsse "einige sehr ernste Entscheidungen treffen über die Zukunft, die es will, und sich entsprechend verhalten", forderte er. Der Afghanistan-Chef von UNODC, Jean-Luc Lemahieu, sagte, auch die internationale Gemeinschaft stehe in der Verantwortung: Man dürfe nicht vergessen, dass von dem illegalen Geschäft weniger als zehn Prozent in Afghanistan blieben. "Mehr als 90 Prozent der Profite werden außerhalb von Afghanistan gemacht", sagte Lemahieu. "Kein Land sollte bei der Lösung solch enormer Probleme allein gelassen werden."

kaz