Uno-Bericht zu Chemiewaffen in Syrien Die Täter bleiben ungenannt

Die Uno-Chemiewaffeninspektoren haben ihren Abschlussbericht zu Syrien vorgelegt. Demnach wurde dort mehrmals Giftgas eingesetzt. Viel mehr konnten die Experten nicht herausfinden. Zu gefährlich war die Arbeit - und die Kontrolleure waren oft zu spät dran.
Giftgas-Angriff auf Ghuta (im August): Uno-Abschlussbericht mit wenig Neuem

Giftgas-Angriff auf Ghuta (im August): Uno-Abschlussbericht mit wenig Neuem

Foto: AFP/ SNN

Berlin - Am Donnerstagabend haben die Uno-Chemiewaffeninspektoren ihren endgültigen Bericht zu Syrien vorgelegt. Darin dokumentieren sie ihre Erkenntnisse zu allen Giftgas-Vorwürfen in dem Land. Ihr erster, bereits im September vorgelegter Bericht hatte sich lediglich mit der Giftgas-Attacke von Damaskus im August beschäftigt.

Doch im Vergleich zum sehr detaillierten Papier vom September liefert der endgültige Uno-Bericht wenig Neues. Denn in nahezu allen Fällen fehlte es den Uno-Inspektoren schlicht an eigenen, unabhängigen Informationen.

Die gefährliche Sicherheitslage, aber auch die Verzögerungen durch das syrische Regime haben die Arbeit der Uno-Inspektoren fast unmöglich gemacht. In den meisten Fällen konnten die Ermittler nicht selbst an den Tatort reisen. Wo sie es konnten, lag der Vorfall meist zu lange zurück, um noch eigene Untersuchungen machen zu können.

Am 21. März 2013 hatte die syrische Regierung unter Präsident Baschar al-Assad der Uno zugesagt, in ihrem Land wegen der Chemiewaffen-Vorwürfe ermitteln zu dürfen - vorausgesetzt, die Uno-Inspektoren würden lediglich untersuchen, ob Giftgas eingesetzt wurde und nicht von wem. Am 2. April stand das Team bereit. Doch erst am 18. August ließ das syrische Regime die Kontrolleure tatsächlich einreisen.

Was hinter dem Vorfall von Chan al-Assal steckt, ist unklar

Den Uno-Leuten waren seit Dezember 2012 insgesamt 16 Vorwürfe eines Einsatzes von Chemiewaffen in Syrien zugetragen worden. Bereits im Vorfeld entschieden die Inspektoren, nur sieben davon zu untersuchen. Bei den übrigen gingen die Uno-Ermittler von vornherein davon aus, dass ausreichend hieb- und stichfeste Informationen fehlten, um Untersuchungen aufzunehmen. Nur bei fünf von den sieben untersuchten Vorfällen fand die Uno ausreichend Hinweise, um von einem Einsatz von Giftgas zu sprechen.

Vor allem die Überprüfung des Anschlags in Chan al-Assal im Norden Syriens war mit Spannung erwartet worden. Bei dieser Attacke am 19. März 2013 hatten erstmals sowohl Assad-Gegner als auch Assad-Anhänger behauptet, dass Giftgas eingesetzt worden war. Bei allen vorherigen Vorfällen hatten lediglich Assad-Gegner den Vorwurf erhoben, dass Chemiewaffen gegen sie eingesetzt worden seien, während das Regime schwieg.

Lediglich der Angriff von Damaskus mit Hunderten Toten war von einer Größenordnung, die klar auf einen organisierten staatlichen Militärapparat verweist. Bei allen anderen Vorfällen gab es höchstens rund ein Dutzend Tote, in den meisten Fällen lediglich kurzzeitig Vergiftete, die sich erholten. Bei solchen verhältnismäßig kleineren Attacken ist es möglich, dass auch nicht-staatliche Gruppen dahinterstecken.

Doch die Uno-Inspektoren suchten Chan al-Assal nicht auf, zu gefährlich wäre die Reise gewesen. Aufgrund der Dokumente, die ihnen die staatlichen Gesundheitsstellen des syrischen Regimes übergaben, konnten sie lediglich feststellen, dass die in die Krankenhäuser eingelieferten Zivilisten und Soldaten Vergiftungserscheinungen aufwiesen.

Inspektoren verzichteten auf Geheimdienst-Erkenntnisse

Interessant dabei ist, dass die Uno in den vier anderen Fällen klar von Sarin-Vergiftungen spricht und nur bei Chan al-Assal von "organophosphorischen". Solche Vergiftungen können von Chemiewaffen wie Sarin herrühren. Sie könnten aber auch von einem massiven Einsatz hochgiftiger Pestizide stammen. Nur das syrische Regime verfügt bisher über Sarin. Eine Pestizid-Bombe dagegen hätten auch Rebellengruppen bauen können. Ebenso ist denkbar, dass im Gefecht ein normales Geschoss einen Pestizid-Behälter traf und das Gift freisetzte. Was genau hinter dem Vorfall von Chan al-Assal steckt, bleibt also unklar.

Unabhängig von den Untersuchungen der Uno haben die Geheimdienste Frankreichs, Großbritanniens und der USA mehrmals direkt nach Giftgas-Vorwürfen in Syrien Proben entnommen und untersuchen lassen. Den USA gelang es so beispielsweise, rund ein Dutzend Chemiewaffen-Einsätze festzustellen. Die Uno-Inspektoren haben für ihren Bericht lediglich unabhängige Informationen herangezogen, also ihre eigenen Erkenntnisse. Auf Proben, die ihnen westliche Geheimdienste hätten geben können, verzichteten sie.

Der Anschlag von Damaskus im August 2013 bleibt eine Ausnahme aufgrund des Ausmaßes der Tragödie, aber auch aufgrund seiner ausführlichen Dokumentation. Die Uno-Chemieinspektoren waren gerade in Damaskus eingetroffen, um ihre Arbeit aufzunehmen, als sich die Nachricht von der neuen Attacke verbreitete.

Zwar ließ das syrische Regime die Uno-Vertreter mehrere Tage nicht zum Tatort reisen. Dennoch konnten die Ermittler so kurz nach dem Anschlag noch eine Menge Informationen vorfinden: Sarinrückstände in Boden-, Blut-, Urin- und Gewebeproben sowie Reste von Sprengköpfen, die das Giftgas transportierten. Damit konnte die Flugbahn zurück zum Hauptquartier der syrischen Elite-Truppen berechnet werden. In diesem Fall ließ sich die Attacke genau dokumentieren und aufgrund der Indizien die Täter klar benennen.

Bei allen anderen mutmaßlichen Giftgas-Attacken ist dies nicht der Fall. Das endgültige Fazit der Uno-Chemiewaffeninspektoren in dem neuen Bericht ist kaum mehr als ein Satz: "Chemiewaffen sind in dem weiter andauernden Konflikt in Syrien eingesetzt worden." Wie häufig dies bereits geschehen ist und noch geschehen wird und wer jeweils dahinter steckt, bleibt offen.

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