Uno-Bericht Mehr als 3500 Menschen starben bei Protesten in Syrien

Das syrische Regime von Präsident Assad schlägt Demonstrationen seit Monaten mit brutaler Gewalt nieder. Nach Uno-Angaben starben dabei bisher mehr als 3500 Menschen. Deutschland und Frankreich erhöhen nun den Druck auf den Despoten.
Beerdigung in Syrien: Zahl der Todesopfer steigt immer weiter

Beerdigung in Syrien: Zahl der Todesopfer steigt immer weiter

Foto: STR/ AFP

Genf - Die Proteste gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad haben nach Angaben des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR bisher mindestens 3500 Menschen das Leben gekostet. Sprecherin Ravina Shamdasani sagte am Dienstag in Genf, es handele sich um eine vorsichtige Schätzung, die auf glaubwürdigen Quellen vor Ort beruhe. In der Zahl enthalten seien auch 19 Todesopfer, die am Sonntag während des muslimischen Opferfestes Eid al-Adha getötet worden seien.

Die syrische Regierung hat das Land für ausländische Journalisten weitgehend abgeriegelt. Eine Bestätigung der Opferschätzungen von unabhängiger Seite ist nicht möglich. Immer wieder erscheinen jedoch Amateurvideos im Internet, die das Vorgehen der Regierungstruppen gegen Regimekritiker dokumentieren. Bisher waren internationale Hilfsorganisationen von rund 3000 Toten ausgegangen.

Syrische Truppen haben auch am Dienstag ihre Offensive gegen die Gegner des Regimes fortgesetzt. Nach der Oppositionshochburg Homs nahm das Militär am Dienstag die Stadt Hama unter heftigen Beschuss. Nach Angaben von Oppositionellen wurden drei Menschen getötet und mehrere Dutzend verletzt, als die Streitkräfte die Stadt stürmten.

Ein Oppositionsaktivist sagte der Nachrichtenagentur dpa im Libanon, Schlägertrupps von Präsident Assad gingen von Haus zu Haus und verhafteten Menschen. Der Strom sei ausgeschaltet, Telefon und Internet funktionierten nicht mehr. Der Nationalrat der syrischen Opposition rief inzwischen zu einem Generalstreik am Donnerstag auf, um gegen das brutale Vorgehen der Regierung zu protestieren.

Am Montag hatte es auch in der zweiten Protesthochburg nach Angaben von Bewohnern und Aktivisten Todesopfer unter der Zivilbevölkerung gegeben. Sechs Menschen sollen ums Leben gekommen sein, als Armee und Assad-loyale Milizen in die Stadt am Montag eingerückt seien. Lebensmittel- und Wasservorräte seien in Homs inzwischen knapp, berichteten Oppositionelle. Auch Strom gebe es nicht mehr. Im Internet erklärten Regimegegner die Stadt zum "Katastrophengebiet".

Deutschland und Frankreich drohen Assad

Deutschland und Frankreich erhöhen angesichts der jüngsten Gewalteskalation den Druck auf Syrien. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) drohte der Assad-Regierung mit weiteren Sanktionen. Sein französischer Amtskollege Alain Juppé erklärte die Friedensinitiative der Arabischen Liga für gescheitert und brachte eine Anerkennung des Nationalrats der syrischen Opposition durch Frankreich ins Gespräch.

Juppé sagte der arabischen Zeitung "Al-Sharq al-Awsat", er halte die Initiative zum Ende der Gewalt für fehlgeschlagen. Dennoch sollten die Bemühungen fortgesetzt werden. Außenminister Westerwelle sagte zugleich, dass die syrische Demokratiebewegung nach wie vor gespalten sei. Er schließe aber nicht aus, den 140-köpfigen Nationalrat anzuerkennen, der sich um eine vereinte Opposition bemühe.

Die am vergangenen Mittwoch beschlossene Initiative der Arabischen Liga sah vor, dass Syrien innerhalb einer Frist von zwei Wochen das Militär aus den Städten abzieht. Das Blutvergießen ging aber weiter, mehr als 50 Menschen wurden seit Freitag getötet. Die Organisation kommt deshalb am Samstag zu einer Krisensitzung in Kairo zusammen.

Bundesaußenminister Westerwelle kündigte an, dass der Druck auf das Assad-Regime im Zusammenwirken mit der Arabischen Liga weiter erhöht werde, wenn die syrische Führung die Gewalt gegen das eigene Volk nicht einstelle. Gleichzeitig sprach er sich im "Hamburger Abendblatt" erneut gegen eine militärische Intervention der Nato in Syrien aus.

jok/dapd/dpa
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