Uno-Bericht Mehr Zivilisten als je zuvor sterben in Afghanistan

Noch nie seit Beginn des Kriegs in Afghanistan starben so viele am Konflikt unbeteiligte Menschen wie derzeit - in den ersten sechs Monaten dieses Jahres waren es fast 1500. Die allermeisten Opfer wurden von Aufständischen getötet.
Zerstörtes Haus in Afghanistan: Die Zahl der zivilen Opfer steigt

Zerstörtes Haus in Afghanistan: Die Zahl der zivilen Opfer steigt

Foto: STRINGER/PAKISTAN/ REUTERS

Kabul - Für die Zivilbevölkerung in Afghanistan ist die Lage in ihrem Land derzeit gefährlicher denn je - zehn Jahre nach dem Beginn des Kriegs gegen die Taliban und kurz bevor sich die Alliierten in ihre Heimatländer zurückziehen. Einem Bericht der Uno zufolge starben in den ersten sechs Monaten dieses Jahres so viele unbeteiligte Menschen wie nie zuvor seit Beginn des Kriegs. Laut der am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung kamen zwischen Januar und Juni 1462 Zivilisten kriegsbedingt ums Leben. Monat für Monat fast 250 Tote. Gegenüber dem Vorjahr gebe es 15 Prozent mehr Todesopfer unter der Zivilbevölkerung.

Vier Fünftel der Menschen wurden von den Aufständischen getötet. Vor allem bei den Selbstmordattentaten, deren Zahl nahezu unverändert geblieben sei, habe es einen Anstieg der Toten um 52 Prozent gegeben.

"Die Zunahme der Gewalt und des Blutvergießens im ersten Halbjahr 2011 bescherte den afghanischen Zivilisten Verletzungen und Tod in einem Ausmaß, das in diesem bewaffneten Konflikt ohne Beispiel ist", heißt es in dem Bericht.

Der Report wäre vermutlich noch negativer ausgefallen, wenn es Informationen aus allen Teilen des Landes gegeben hätte. Es fehlen jedoch Zahlen aus Nordafghanistan in der Zeit zwischen März und Juni. Die Uno-Einrichtung dort war nach einem Überfall empörter Bewohner geschlossen worden. Dabei waren sieben Mitarbeiter der Weltorganisation getötet worden.

Bei den umstrittenen nächtlichen Luftangriffen der Afghanistan-Schutztruppe Isaf kamen laut Bericht bislang fast 80 Zivilisten zu Tode, was einem Plus von 14 Prozent entspricht. Eine wesentliche Rolle hätten dabei die Angriffe mit "Apache"-Hubschraubern gespielt, bei denen erheblich mehr Menschen als im Vorjahr getötet worden seien.

Behörden melden weitere Tote

Und das Sterben geht weiter: Bei einer Isaf-Militäraktion sind nach Angaben örtlicher Behörden mindestens sechs Zivilisten getötet worden. Nato-Soldaten hätten drei Häuser in der Provinz Khost angegriffen und insgesamt sechs Bewohner getötet, darunter einen 13-jährigen Jungen und zwei Frauen, teilte die Provinzregierung am Donnerstag mit.

Die Isaf wies die Vorwürfe zurück. Sprecher Tim James sagte, bei dem Einsatz am Mittwochabend seien sechs Angehörige des radikalislamischen Hakkani-Netzwerks getötet worden, darunter auch eine bewaffnete Frau. Ziel der Aktion in der Grenzregion zu Pakistan sei ein Kommandeur der Aufständischen gewesen. Das Hakkani-Netzwerk ist vor allem in Ost- und Südostafghanistan aktiv und soll von Stützpunkten in Pakistan operieren. Wie die Taliban kämpft es gegen Nato-Truppen und die afghanische Regierung.

ler/Reuters/dpa