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11. August 2011, 07:46 Uhr

Uno-Botschafter

Syrien vergleicht Aufstand mit britischen Krawallen

Es ist eine absurde Kritik: Syriens Uno-Botschafter hat die Randale in England mit den Protesten der Opposition gegen Dikator Assad verglichen. Großbritanniens Premier Cameron sei scheinheilig, weil er Damaskus kritisiere, zugleich aber "Banden" im eigenen Land verdamme.

New York - Der Mann hat offenbar eine besondere Art von Humor: Syriens Uno-Botschafter Baschar Dschaafari hat Parallelen zwischen den regierungskritischen Protesten in seinem Land und den Krawallen in Großbritannien gezogen. Der britische Premierminister David Cameron könne die Randalierer unwidersprochen als Mitglieder von "Banden" bezeichnen, kritisierte der Diplomat nach einer Sitzung des Sicherheitsrats in New York zur Lage in Syrien. Der Westen erlaube es aber Damaskus nicht, den gleichen Begriff zu benutzen, wenn es um "bewaffnete und terroristische Gruppen" gehe, die in seinem Land hinter der Gewalt stünden. "Das ist Scheinheiligkeit, das ist Arroganz", wetterte Dschaafari.

Dschaafari warf dem Westen vor, bei Angaben zur Lage in Syrien "die Wahrheit zu manipulieren und wichtige Tatsachen zu verstecken". So seien seit Beginn der Proteste 500 Polizisten und andere Sicherheitskräfte getötet worden.

Der britische Vize-Uno-Botschafter Philip Parham wies den Vergleich umgehend als "absurd" zurück. In Großbritannien unternehme die Regierung "angemessene, rechtmäßige, transparente Schritte, um die Rechtsstaatlichkeit für die Bürger zu garantieren". In Syrien würden dagegen tausende unbewaffnete Zivilisten angegriffen und viele von ihnen getötet.

In Syrien wurden beim gewaltsamen Vorgehen der Sicherheitskräfte und der Armee von Diktator Assad gegen regierungskritische Demonstranten nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten seit Mitte März schon rund 2000 Zivilisten getötet.

Die Uno erwägt nach neuen tödlichen Angriffen auf Demonstranten in Syrien ein härteres Vorgehen gegen das Regime in Damaskus. Der Sicherheitsrat müsse "weitergehendere Schritte" erörtern, wenn die Führung weiter mit Gewalt gegen ihr eigenes Volk vorgeht und sich Reformen verweigert, sagte der britische Diplomat Parham nach einer geschlossenen Sitzung des Gremiums. Er sprach auch im Namen seiner Amtskollegen aus Frankreich, Portugal und auch Deutschland. Welcher Art diese "Schritte" sein sollten, sagte er nicht.

Dschaafari bezeichnete die Darstellung der vier europäischen Botschafter als "fehlerhaft": "Meine Kollegen, die verantwortungsbewusste Diplomaten sein sollten, haben die sogenannte Situation in Syrien falsch verstanden und falsch gedeutet", sagte der Vertreter der Regierung in Damaskus. "Sie versuchen, die Wahrheit zu manipulieren und halten wichtige Fakten und Bestandteile zurück."

als/AFP/dpa

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