Tödliche Anschläge Uno-Chef Ban vermutet Qaida-Terror in Syrien

Mehr als 70 Menschen waren bei zwei gewaltigen Anschlägen in Damaskus gestorben - doch noch sind die Drahtzieher unbekannt. Nun hat Uno-Chef Ban Ki Moon eine Theorie präsentiert: Er vermutet al-Qaida als Täter. Damit spielt er dem syrischen Regime in die Karten.

Krater nach Explosion in Damaskus (am 10. Mai): Suche nach Schuldigen
DPA

Krater nach Explosion in Damaskus (am 10. Mai): Suche nach Schuldigen


Damaskus - Es waren erschütternde Szenen, die sich am vergangenen Donnerstag in Damaskus ereignet hatten. Bei zwei Bombenanschlägen waren mehr als 70 Menschen getötet worden. Auch gut eine Woche nach den blutigen Zwischenfällen sind die Verantwortlichen noch immer unbekannt. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon vermutet jedoch das Terrornetzwerk al-Qaida hinter den Anschlägen.

Mit Blick auf die Attentate mit mehr als 370 Verletzten sagte Ban am Donnerstag bei einer Diskussion mit Jugendlichen, er "glaube, dass al-Qaida dahinter steckt".

Die Uno-Beobachter in Syrien hätten zwar einen "befriedenden Effekt", doch gehe die Gewalt weiter, beklagte Ban. Nun schalteten sich Qaida-Kämpfer zunehmend in den Konflikt ein. "Das schafft erneut ein sehr ernsthaftes Problem", so Ban.

Mit der Einschätzung des Uno-Chefs zu al-Qaida dürfte sich die Regierung in Damaskus bestärkt fühlen. Das international weitgehend isolierte Syrien erklärt seit Monaten, aus dem Ausland finanzierte "Terroristen" würden hinter dem Aufstand stecken. Die Regierung verdächtigt besonders Saudi-Arabien und Katar der Unterstützung, die sich für eine Bewaffnung der Gegner von Präsident Baschar al-Assad starkmachen.Tatsächlich hatte Qaida-Chef Aiman al-Sawahiri den Rebellen nur zwei Tage nach den Anschlägen per Video-Botschaft Mut zugesprochen. An diesem Freitag forderte er auch die Menschen in Saudi-Arabien zum Aufstand gegen ihre Herrscher auf.

Die syrische Regierung hatte den Vereinten Nationen vor kurzem eine Liste mit 26 festgenommen Ausländern vorgelegt, die zum Kampf eingeschleust worden seien. 20 dieser Personen seien Mitglieder von al-Qaida und über die Türkei ins Land gelangt, erklärten die Behörden.

Nach den Anschlägen hatte es verschiedene Theorien über mögliche Drahtzieher gegeben. Kritiker des Regimes vermuteten den staatlichen Geheimdienst, die Regierung gab der Opposition die Schuld. Aber auch die Möglichkeit einer Qaida-Beteiligung wurde nicht ausgeschlossen.

Am vergangenen Samstag war ein Bekennervideo der sogenannten Al-Nusra-Front aufgetaucht. Doch die dschihadistische Terrorgruppe hat inzwischen bestritten, für das Video verantwortlich zu sein, das unter ihrem Namen veröffentlicht wurde. Darin hatte ein Sprecher mit verzerrter Stimme die Verantwortung für den Doppelanschlag übernommen.

Schwerste Anschläge seit Beginn des Aufstandes

Die Anschläge vom 10. Mai vor einem Gebäude der Sicherheitsdienste an einer Schnellstraße im Süden der syrischen Hauptstadt Damaskus waren die schwersten Attentate seit dem Beginn des Aufstands gegen Staatschef Assad. International wurden sie scharf verurteilt. Seit Monaten wächst die Sorge, dass die syrische Protestbewegung von al-Qaida unterwandert wird.

Seit dem Beginn der Protestbewegung gegen die Regierung Assads Mitte März 2011 wurden in Syrien nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten mehr als 12.000 Menschen getötet, die meisten von ihnen Zivilisten. Die Uno gibt die Zahl der Todesopfer mit 10.000 an. Seit dem 12. April ist offiziell ein Waffenstillstand in Kraft, doch wird dieser regelmäßig von den Sicherheitskräften und Rebellengruppen gebrochen.

jok/AFP/Reuters

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Seite 1
ewspapst 18.05.2012
1.
Zitat von sysopDPAMehr als 70 Menschen waren bei zwei gewaltigen Anschlägen in Damaskus gestorben - doch noch sind die Drahtzieher unbekannt. Nun hat Uno-Chef Ban Ki Moon eine Theorie präsentiert: Er vermutet al-Qaida als Täter. Damit spielt er dem syrischen Regime in die Karten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,833745,00.html
Nun fällt auch Ban den so "friedlichen Freiheitskämpfern Syriens" in den Rücken. Wo doch die ganze Welt weiss, dass "das moerderische, tyrannische Regime von Assad" die Knute gegen das Volk schwingt, wie man hier doch immer lesen kann. Dass bei den Freiheitskämpfern Henkergruppen agieren, oder wie wir hier ebenfalls lesen konnten, dass sie Soldaten der regulären Armee ermordeten, dass sie gar Waffen von den Saudis, von der Türkei und den USA erhalten ist doch eine Unwahrheit, denn die ganz plötzlich zerstörten Panzer der Armee sind doch schon vorher Schrott gewesen. Ausserdem hat sich das ganze syrische Volk in der Wahl gegen Assad ausgesprochen, wie wir aus allen Medien durch ausführliche Informationen der Freunde Syriens erfahren konnten. Zusammengefasst: Das ist die "reine Wahrheit", wie sie uns ständig von BILD und WELT präsentiert wird, die aber mit der Wirklichkeit nicht das Geringste zu tun hat.
Lekcad 18.05.2012
2.
Zitat von sysopDPAMehr als 70 Menschen waren bei zwei gewaltigen Anschlägen in Damaskus gestorben - doch noch sind die Drahtzieher unbekannt. Nun hat Uno-Chef Ban Ki Moon eine Theorie präsentiert: Er vermutet al-Qaida als Täter. Damit spielt er dem syrischen Regime in die Karten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,833745,00.html
Allein die Einleitung: "Damit spielt er dem syrischen Regime in die Karten." Und? Darf deshalb jetzt nicht mehr erwähnt werden, das Teile der Opposition eben nicht die hier auf SPON so oft herbeigeschriebenen Musterdemokraten sind? Soll Ban Ki Moon lieber zurück auf die offizielle westliche Linie, dass gewaltbereite Salafisten in Syrien was ganz Tolles sind, hier in Deutschland aber schon die Bevölkerung in Terrorangst erzittern lassen, wenn sie Korane verteilen?
vitalik 18.05.2012
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"Damit spielt er dem syrischen Regime in die Karten." wie Krank ist denn sowas, da sind 70 Menschen bei einem Bombenanschlag gestorben und man nennt es in die Karten spielen?
pikeaway 18.05.2012
4.
Zitat von sysopDPAMehr als 70 Menschen waren bei zwei gewaltigen Anschlägen in Damaskus gestorben - doch noch sind die Drahtzieher unbekannt. Nun hat Uno-Chef Ban Ki Moon eine Theorie präsentiert: Er vermutet al-Qaida als Täter. Damit spielt er dem syrischen Regime in die Karten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,833745,00.html
Was bedeutet " Ban Ki Mon spielt dem Regime in die Karten"? Der Beitrag geht in mehrere Details, stets mit der Schlussfolgerung: es nützt dem Regime, also... "die Regierung in Damaskus dürfte sich bestärkt fühlen" "Die Regierung verdächtigt besonders Saudi-Arabien und Katar der Unterstützung, die sich für eine Bewaffnung der Gegner von Präsident Baschar al-Assad starkmachen" Hinweis: Dieses scheint mehr als eine Verdächtigung des regimes zu sein. Die Bestätigung gab die Washington Post: Syrian rebels get influx of arms with gulf neighbors’ money, U.S. coordination - The Washington Post (http://www.washingtonpost.com/world/national-security/syrian-rebels-get-influx-of-arms-with-gulf-neighbors-money-us-coordination/2012/05/15/gIQAds2TSU_story.html) Bereits in einem früheren Beitrag spekulierte SPON: Im Artikel werden die Attacken von Al Nusra als Unterstützung von der syrischen Regierung eingestuft: "In jedem Fall spielt die Nusra-Front dem Regime in Damaskus in die Hände. Die Gruppe befeuert mit ihrem Handeln die von der Regierung geschürte Angst vor einem Krieg der Konfessionsgemeinschaften in Syrien". Gilt dann nicht auch " Die Opposition spielt dem Regime in die Hände. Die Rebellen befeuert die von der Regierung geschürte Angst..." Wo liegt der Unterschied? Der Titel war "Die unsichtbare Front". Schlussbemerkung: wie steht es mit der Kommentierung der Wahlergebnisse, die bereits im Vorfeld eine Farce war? Auch hier gibt es eine unsichtbare Front.
Rodri 18.05.2012
5. ...
Zitat von sysopDPAMehr als 70 Menschen waren bei zwei gewaltigen Anschlägen in Damaskus gestorben - doch noch sind die Drahtzieher unbekannt. Nun hat Uno-Chef Ban Ki Moon eine Theorie präsentiert: Er vermutet al-Qaida als Täter. Damit spielt er dem syrischen Regime in die Karten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,833745,00.html
Der Einleitungssatz ist die pure Opferverhöhnung. Soll das heißen, dass die Wahrheit nicht genannt werden darf, wenn sie nicht in das westliche Propagandabild passt?
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