Neue Uno-Zahlen Ein Viertel aller Syrer ist auf der Flucht

Die Uno meldet erschreckende Zahlen: Wegen des Bürgerkriegs in Syrien mussten schon vier Millionen Menschen ihr Zuhause verlassen. Hinzu kommen etwa 1,2 Millionen, die ins Ausland geflohen sind.
Zwei Syrer verlassen das Sheikh-Maqsud-Viertel in Aleppo: Vier Millionen auf der Flucht

Zwei Syrer verlassen das Sheikh-Maqsud-Viertel in Aleppo: Vier Millionen auf der Flucht

Foto: DIMITAR DILKOFF/ AFP

Damaskus - Nach zwei Jahren Bürgerkrieg in Syrien ist nach neuen Schätzungen der Vereinten Nationen rund ein Viertel der Bevölkerung auf der Flucht. Allein innerhalb des Landes gebe es derzeit rund vier Millionen Betroffene, erklärte eine Sprecherin des Uno-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR). Hinzu kommen etwa 1,2 Millionen Syrer, die angesichts der anhaltenden Gewalt ins benachbarte Ausland geflohen sind.

Bisher war das UNHCR von rund 2,5 Millionen Flüchtlingen innerhalb Syriens ausgegangen. Derzeit überarbeiten die Vereinten Nationen aber ihre Schätzung. Die alte Angabe "spiegelt die sich schnell entwickelnde Lage nicht mehr wider", schrieb UNHCR-Sprecherin Reem Alsalem der Nachrichtenagentur AFP. In dem Konflikt starben nach Uno-Schätzungen bisher mehr als 70.000 Menschen.

Not der Zivilbevölkerung steigt

In Syrien lebten vor Beginn des Aufstands gegen Präsident Baschar al-Assad 22,5 Millionen Menschen. Zahlreiche Bürger flüchteten nicht nur vor der Gewalt, sondern auch, weil es oftmals für sie keine Lebensgrundlage mehr im Land gegeben habe, sagte die Flüchtlingsbeauftragte im US-Außenministerium, Kelly Clements. Die grundlegende Versorgung funktioniere vielfach nicht mehr, Schulen seien geschlossen, das Gesundheitssystem funktioniere nicht.

Die humanitäre Lage in Syrien hat sich auch nach Einschätzung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) dramatisch verschlechtert. Die Not der Zivilbevölkerung habe in den vergangenen Wochen noch einmal deutlich zugenommen. Die internationalen Organisationen könnten weiterhin nur eingeschränkt helfen, sagte IKRK-Präsident Peter Maurer am Donnerstag. Konvois mit dringend benötigten Hilfsgütern würden immer noch beschossen und müssten daher wieder umkehren.

Suleiman fordert Lager sollten innerhalb Syriens

Problematisch ist auch die immer weiter ansteigende Zahl der Menschen, die in die Nachbarländer Syriens fliehen. Der libanesische Präsident Michel Suleiman appellierte am Donnerstag an die internationale Gemeinschaft, in Syrien selbst Uno-geschützte Hilfscamps zu errichten. Er rief zu einer Krisenkonferenz auf.

Die Lager sollten "innerhalb Syriens, weit von den Konfliktzonen entfernt, von Uno-Truppen geschützt und nahe der libanesischen, jordanischen, türkischen und irakischen Grenzen errichtet werden", forderte der Staatschef. Darüber hinaus empfahl Suleiman, alle neu im Libanon ankommenden Flüchtlinge "auf verbrüderte und befreundete Staaten aufzuteilen". Zur Zeit sind nach einer Uno-Zählung allein im Libanon mehr als 400.000 syrische Flüchtlinge registriert.

"Es werden noch mehr Flüchtlinge kommen. Der Libanon kann das nicht mehr bewältigen", sagte eine nicht näher genannte Quelle aus Suleimans Umfeld. Um den Flüchtlingsansturm zu bewältigen, brachten zwei russische Flugzeuge am Donnerstag je 40 Tonnen Hilfsgüter wie Stromgeneratoren, Decken und Lebensmittelkonserven in den Libanon und nach Jordanien.

heb/AFP/Reuters
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