Uno-Einsatz Annan will Blauhelme in den Nahen Osten schicken

Kofi Annan hat den Glauben daran verloren, Israelis und Palästinenser könnten aus eigener Kraft zu einer Friedenslösung gelangen. Deshalb plädiert der Generalsekretär der Vereinten Nationen für die Entsendung einer bewaffneten Friedenstruppe in den Nahen Osten.


Uno-General- sekretär Annan
AP

Uno-General- sekretär Annan

New York/Jerusalem - Annan sagte in einem Interview mit der israelischen Zeitung "Haaretz" und dem Fernsehsender "Channel Two News", diese "bewaffnete Friedenstruppe" könnte als "Puffer zwischen Israelis und Palästinensern" stationiert werden. Offenkundig seien die beiden Konfliktparteien unfähig, ohne fremde Hilfe zu einer Regelung zu kommen.

Eine Friedenstruppe sollte stationiert werden, um zu helfen, die Situation zu beruhigen und einen Fortgang der Verhandlungen zu erlauben. Die Maßnahmen dazu müssten sich aber am Grundsatz der Verhältnismäßigkeit orientieren. Er gestand Israel das Recht zu, seine Bürger zu beschützen. Dennoch müsse Israel den Palästinensern in den Autonomiegebieten das Leben erleichtern und trotz der Gewalt weiterhin Verhandlungen führen, betonte Annan.

Nach einem neuen israelischen Raketenangriff auf Hamas-Aktivisten im Gaza-Streifen mit sieben Toten wurden am späten Abend zwei Mitglieder der radikalen Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad im Westjordanland von Israelis erschossen. Am Mittwoch waren bei einem palästinensischen Selbstmordanschlag und israelischen Vergeltungsaktionen fast 30 Menschen getötet worden.

Der Hamas-Führer Mahmud Asahar erklärte nach dem Angriff auf Gaza, "alle Israelis und vor allem (Ministerpräsident Ariel) Scharon" seien von nun an Zielscheiben seiner radikal-islamischen Organisation. Er rief alle ausländischen Staatsbürger dazu auf, Israel und die Palästinensergebiete so schnell wie möglich zu verlassen, weil Hamas schwere Anschläge plane.

Scharon hatte vor dem neuen Hubschrauberangriff in Gaza gesagt, wenn er sich "zwischen dem Kampf gegen den Terror und der Unterstützung für (Ministerpräsident) Mahmud Abbas entscheiden" müsse, "werde ich die erste Option wählen".

Er bezeichnete die palästinensische Führung während einer Kabinettssitzung in Jerusalem als "Jammerlappen". Sie unternehme nichts gegen den Terror. "Aber wenn er dann passiert, heulen sie nur rum." Parlamentspräsident Reuwen Riwlin sagte, Scharon werde "keinerlei Ratschläge oder Anordnungen der USA oder Europas hinsichtlich des Kriegs gegen den Terror akzeptieren".



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