Uno-Eklat US-Botschafter verlässt Sitzung des Sicherheitsrats

Aus Protest gegen Äußerungen seines irakischen Kollegen hat der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, John Negroponte, am Donnerstag eine Sitzung des Sicherheitsrats verlassen.


US-Botschafter Negroponte: "Genug gehört"
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US-Botschafter Negroponte: "Genug gehört"

New York - Der irakische Uno-Botschafter Mohammed al Duri hatte die USA zuvor beschuldigt, sein Volk ausrotten zu wollen. Die US-Regierung habe sich bereits 1997 Verträge zum Wiederaufbau Iraks nach dem Krieg gesichert und schiebe jetzt humanitäre Argumente vor, um ihre "kriminelle Aggression" zu verhüllen.

Al Duri rief den Weltsicherheitsrat in New York auf, den Krieg zu stoppen. Negroponte verließ noch während der Ansprache den Sitzungssaal und erklärte anschließend: "Ich habe mir vieles von dem angehört, was er zu sagen hatte, aber ich habe genug gehört."

Zuvor hatten die USA und Großbritannien den Krieg gegen den Irak vor dem Weltsicherheitsrat verteidigt. Die Militäraktion sei durch Resolutionen des Rates ausreichend autorisiert, erklärte neben Negroponte auch der Uno-Botschafter Großbritanniens, Jeremy Greenstock. Die Mehrheit der rund 80 beteiligten Staaten hatte scharfe Kritik an der Militäraktion geübt.

Russland, Frankreich und China widersprachen der Darstellung, der Irakkrieg sei durch die Uno legitimiert. Moskaus Uno-Botschafter Sergej Lawrow erklärte, der Krieg sei nicht provoziert worden. Die friedliche Entwaffnung des Iraks sei möglich gewesen, sagten neben Lawrow auch der französische Botschafter Jean-Marc de la Sabliere und Chinas Vertreter Wang Yingfan.

Auch der deutsche Uno-Botschafter Gunter Pleuger forderte die rasche Beendigung der Kämpfe. Der Sicherheitsrat müsse sich jetzt aber auf die Linderung der Not der irakischen Bevölkerung konzentrieren. Die Hauptverantwortung für die Versorgung der Iraker hätten zwar die Krieg führenden Staaten, jedoch müsse auch die internationale Gemeinschaft alles tun, um ein "humanitäres Desaster" abzuwenden.



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