Gefahrenlage Uno-Flüchtlingshilfswerk warnt vor Abschiebungen nach Afghanistan

Abgelehnte Asylsuchende sollen nur im Ausnahmefall nach Afghanistan gebracht werden. So will es das Uno-Flüchtlingshilfswerk. Denn die radikalislamischen Taliban sind auf dem Vormarsch.

Sanitäter tragen einen Verwundeten nach einem Anschlag in Kabul (Archiv vom 04.06.2019)
JAWAD JALALI/EPA-EFE/REX

Sanitäter tragen einen Verwundeten nach einem Anschlag in Kabul (Archiv vom 04.06.2019)


Abschiebungen in das Kriegsland Afghanistan sind umstritten - nun hat sich das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) wegen der Gefahrenlage gegen Abschiebungen in großem Stil dorthin ausgesprochen. "Die Sicherheitslage in dem Land lässt Rückführungen nur im Ausnahmefall zu. Und die Situation hat sich in den letzten Monaten weiter verschlechtert", sagte der UNHCR-Vertreter in Deutschland, Dominik Bartsch.

Zwar wurden die radikalislamischen Taliban im Jahr 2001 durch eine Militärallianz unter Führung der USA von der Macht in Kabul vertriebenen. Mittlerweile beherrschen sie jedoch wieder große Landesteile und setzen der Polizei und den Regierungstruppen zu. Diverse Nato-Staaten wie Deutschland unterstützen die Regierung mit Ausbildern. Die USA senden Kampftruppen und verhandeln mit den Taliban über eine Beilegung des Konfliktes. Doch neben den Taliban verüben auch Islamisten der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) Anschläge.

"Die Taliban haben dramatisch wieder an Boden gewonnen", sagte Bartsch dem UNHCR zufolge. Der Staat sei nicht in der Lage, vor "marodierenden Banden" zu schützen. Auch die früher als Zufluchtsort angesehene Hauptstadt Kabul sei inzwischen hochgefährlich. "Die Stadt ist völlig überlastet und deutlich gefährlicher als früher. Eine Fluchtalternative ist sie nicht mehr", sagte Bartsch.

Das UNHCR rät deswegen, jedes Asylgesuch genau zu prüfen, "weil nicht nur jede Region in Afghanistan anders ist, sondern sich auch Gefahren für jeden Menschen anders darstellen, je nach Alter, Geschlecht und Herkunft". Manche Asylentscheidungen seien schon Jahre alt, und die Lage habe sich inzwischen geändert.

kko/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.