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Aufstand in Syrien Assad lässt sich im zerschossenen Homs feiern

Syriens Despot Assad setzt auf die Macht der Bilder: Bei einem Besuch in der Protesthochburg Homs ließ er sich dabei filmen, wie ihn eine Menge augenscheinlich glücklicher Einwohner begrüßt. Laut Uno sind die wahren Zustände im Land dramatisch, 9000 Menschen kamen bereits ums Leben.

New York/Damaskus - In Syrien sind seit Beginn der blutigen Niederschlagung der Proteste vor über einem Jahr nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 9000 Menschen ums Leben gekommen. Der Uno-Beauftragte für den Nahen Osten, Robert Serry, nannte die Zahl am Dienstag vor Mitgliedern des Sicherheitsrates und hob damit die bisherige Schätzung um tausend Tote an.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London, die den Aufständischen nahesteht, geht mittlerweile sogar von fast zehntausend Todesopfern aus. Seit Beginn des Konflikts starben demnach mehr als 9700 Menschen, darunter rund 7000 Zivilisten und fast 2700 Soldaten und Deserteure, die zur Opposition übergelaufen sind.

Präsident Baschar al-Assad versucht seit mehr als einem Jahr, einen Aufstand gewaltsam niederzuschlagen. Die Führung in Damaskus macht "bewaffnete Kräfte" für die Gewalt verantwortlich und beschuldigt das Ausland, die Rebellen zu unterstützen.

Assad bemühte sich am Dienstag, eine Art Alltag mitten im Bürgerkrieg zu inszenieren: Der Präsident besuchte nach einem Bericht des Staatsfernsehens das Viertel Bab Amr in der Rebellenhochburg Homs. Einwohnern versprach der Staatschef demnach am Dienstag die Rückkehr zur "Normalität". Es werde ein Zeitplan für den Wiederaufbau des Viertels erstellt, das anschließend "viel besser" sein werde als vorher. Seit Beginn des Konflikts in Syrien vor einem Jahr war Assad nur selten in der Öffentlichkeit aufgetreten.

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Syrien: Assad besucht Protesthochburg

Foto: AFP / SANA

Bab Amr war in den vergangenen Wochen Ziel ununterbrochener Raketenangriffe der syrischen Armee zur Niederschlagung der Protestbewegung, bevor es von den Regierungstruppen zurückerobert wurde. Nach Angaben von Nichtregierungsorganisationen wurden dabei Hunderte Menschen getötet. Im Februar waren auch zwei ausländische Journalisten bei einem Angriff getötet worden.

Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Sana, sagte Assad, mit Blick auf die Gewalt der vergangenen Wochen in dem Stadtteil, der Staat habe "schnell reagiert und seine Aufgabe zum Schutz der Bevölkerung erfüllt". Um "Sicherheit und Ruhe wiederherzustellen", habe gehandelt werden müssen.

Aktivisten berichteten von weiteren Angriffen auf Homs am Dienstag. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden in der Region von Homs am Dienstag zwei Zivilisten durch Schüsse der Armee getötet. Bei einem Treffen arabischer Länder in Bagdad wurde das "Massaker von Bab Amr" am Dienstag als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" verurteilt.

Etwas Hoffnung auf eine Waffenruhe scheint es nun zu geben: Am Dienstag nahm das syrische Regime den Sechs-Punkte-Plan von Kofi Annan, dem Syrien-Sondergesandten von Uno und Arabischer Liga, offiziell an. Dies erklärte Annans Sprecher Ahmad Fausi am Dienstag. Annans Plan ruft Regierung und Opposition zum Gewaltverzicht auf. Die syrische Armee soll sich aus den Städten zurückziehen.

Annans Plan ist allerdings nicht die erste Friedensinitiative, der Damaskus formell zugestimmt hat. Bereits im vergangenen Jahr hatte Assad zugesichert, einen Friedensplan der Arabischen Liga umzusetzen. Schon nach wenigen Tagen brach das Regime sein Versprechen.

fab/AFP/Reuters