Kritik wegen Missbrauchsskandal Uno-Funktionärin tritt zurück

Obwohl die Vereinten Nationen über Missbrauchsvorwürfe gegen französische Soldaten informiert waren, taten sie lange nichts. Jetzt tritt die stellvertretende Hochkommissarin Pansieri zurück.

Flavia Pansieri (Archiv): "Ich übernehme die volle Verantwortung"
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Flavia Pansieri (Archiv): "Ich übernehme die volle Verantwortung"


Die stellvertretende Uno-Hochkommissarin für Menschenrechte, Flavia Pansieri, wird sich von ihrem Amt zurückziehen. Zuvor war heftige Kritik an ihrem Umgang mit dem Pädophilie-Skandal um französische Soldaten in der Zentralafrikanischen Republik laut geworden.

Zwischen Dezember 2013 und Juni 2014 sollen die Soldaten hungernde Kinder in Flüchtlingscamps zum Sex gezwungen haben - im Tausch gegen Nahrungsmittel, Trinkwasser und Geld. Angeblich hatten Entwicklungshelfer die Uno mehrfach darüber informiert, doch die Organisation blieb rund ein Jahr tatenlos.

Ein Mitarbeiter des Uno-Kommissariats für Menschenrechte (UNHCHR), Anders Kompass, reichte die Anschuldigungen schließlich unaufgefordert an die französische Regierung weiter, um Ermittlungen zu erzwingen. Kurz darauf forderte Pansieri ihn zum Rücktritt auf. Nun will die 64-Jährige ihrerseits zurücktreten, angeblich aus "gesundheitlichen Gründen", wie eine Uno-Sprecherin in New York bestätigte.

Pansieri hatte zuvor eingeräumt, dass die Uno sich nicht richtig verhalten habe: "Ich übernehme die volle Verantwortung, der Angelegenheit nicht die volle Aufmerksamkeit geschenkt zu haben", schrieb Pansieri in einem internen Vermerk. Auch in Frankreich waren die Ermittlungen verschleppt worden.

Die Uno setzte in dem Fall inzwischen eine unabhängige Untersuchungskommission ein, erste Ergebnisse sollen im September vorliegen. Gegen die französischen Soldaten wird in ihrem Heimatland ermittelt.

kry/AFP



insgesamt 17 Beiträge
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humpalumpa 23.07.2015
1.
Dieser ganze Skandal ist ohne Worte. Der Mitarbeiter reicht die Beweise ein, wird von Pansieri rausgeworfen. Die Soldaten haben von ihr totale Narrenfreiheit. Ein Jahr lang passiert nix. Und jetzt tritt sie "aus gesundheitlichen" Gründen zurück und wahrt damit noch ihr Gesicht und bekommt sicher direkt einen guten Lobbyjob. Was für Interessen sie vertreten hat, daraus macht sie ja nicht mal einen Hehl! Die Frau gehört hinter Gitter! Genauso wie alle, die da mitgewirkt haben! Hungernde Kinder zum Sex zwingenIst so ziemlich das Abartigste, was ich je gehört hab. Wär ich die Dame, ich könnte damit nicht leben, so ein abscheulicher Mensch zu sein.
sumse123 23.07.2015
2. OmG!
Mir ist schlecht! Ich kann gar nicht glauben, was ich da gerade gelesen habe! Und was passiert mit den Kindern? Was ist mit denen? Welche Hilfe kommt da an? Ein Rücktritt ... und gut? Pfui!
gersois 23.07.2015
3. Ermittlungen in Frankreich
Wie ist denn der Stand der Ermittlungen in Frankreich? Ich habe lange davon nichts mehr gelesen. Wird das von Regierung und Militärführung wieder unter den Teppich gekehrt?
sting111 23.07.2015
4. Zu wissen, was da vor sich geht
und trotz der Ungeheuerlichkeit der Vorwuerfe auch nur einen Tag zu zoegern, zeugt von charakterlicher Morbiditaet. Jeder Privatmann wuerde belangt werden, wenn er die Kenntniss schrecklicher Verbrechen nicht an relevante Behoerden mitteilen wuerde, aber wie gewoehnlich stehen Politiker ausserhalb des Gesetzes.
malüberlegen 23.07.2015
5. Et tu UNO?
Die Scham, die man angesichts dieses Berichtes als Mitglied eines "demokratischen" Staates der EU haben muss, lässt sich nicht mehr in Worte fassen. Das Verhalten der französischen Soldaten unterscheidet sich letztlich kaum von dem Treiben von Boko Haram. Und dann wundern wir uns noch, dass (nicht nur in diesen Ländern) Radikale aller coloeur Zulauf haben.
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