Chef der Uno-Inspektoren in Syrien Die brisante Mission des Professor Sellström

Åke Sellström hat einen der schwierigsten Jobs der Welt. Der Schwede leitet das Uno-Team, das den Giftgasangriff in Syrien untersucht. Er gilt als erfahren und besonnen, doch er steht unter großem Druck: Seine Arbeit könnte einen Militärschlag gegen das Assad-Regime rechtfertigen.

DPA/ Erik Hillbom

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Hamburg - Die Bilder der toten syrischen Kinder gingen am 21. August um die Welt. Sie lagen aufgebahrt nebeneinander, mit geschlossenen Augen, ohne äußere Verletzungen, getötet wohl bei einem Giftgasanschlag in der Nähe von Damaskus. Nur Kilometer weiter, am selben Tag, hielt sich ein Team von Uno-Inspektoren auf, das den Einsatz von Chemiewaffen an anderen Orten des Bürgerkriegslands untersuchen sollte. Der Fall zeigt, wie brisant die Mission der Uno-Inspekteure in einem Land ist, in dem Kriegsparteien solche Grausamkeiten verüben - vor den Augen der Vereinten Nationen.

Der schwedische Kampfstoffexperte Åke Sellström leitet die Gruppe der Inspektoren, die jetzt den Giftgas-Anschlag vom 21. August untersucht. Der 64-Jährige gilt als besonnen, auch mit Gefahren kennt er sich aus, er war mehrfach als Uno-Fachmann im Irak. In Syrien konnte er am Montag mit seinen Kollegen den neuen Tatort nahe Damaskus untersuchen. Schon auf dem Weg wurde die Fahrzeugkolonne von Heckenschützen beschossen. Ein Auto war nicht mehr einsetzbar.

Dennoch sprachen die Fachleute in Krankenhäusern mit Überlebenden und Ärzten und entnahmen Proben. Ergebnisse liegen noch nicht vor, aber sie könnten von entscheidender Bedeutung sein: Die USA könnten sie als letzte Rechtfertigung für einen Militärschlag nutzen. In jedem Fall werden alle Seiten in dem Konflikt versuchen, die Erkenntnisse in ihrem Sinn zu interpretieren.

Dabei sieht die Mission vor, dass Sellström und sein Team nicht darüber urteilen dürfen, wer letztlich verantwortlich ist. Aber sie können Informationen herausgeben, die die eine oder andere Seite stärker belasten.

"Auf ihm lastet ein enormer Druck"

Charles Duelfer, der mit dem Schweden im Irak arbeitete, sagte dem Magazin "Foreign Policy", Sellström sei in einer "furchtbaren Position". Auf ihm laste ein enormer Druck. Duelfer zufolge lassen die Funde am Tatort Hinweise auf die Täter zu. Sollten sich etwa Raketenteile mit ausgeklügelten chemischen Stoffen finden, die zur Lagerung von Giftgas verwendet wurden, ließe sich das Material den Regierungstruppen zuordnen.

Sellström ist Wissenschaftler, aber er weiß, dass Missionen wie diese hochpolitisch sind. In den neunziger Jahren überwachte er im Irak als Chefprüfer die Vernichtung chemischer Waffen. 2002 kehrte er in das Land zurück, mit einer weiteren Uno-Mission, die der Schwede Hans Blix leitete. Sie fanden keine Beweise für die vermuteten Massenvernichtungswaffen - die US-Regierung begann trotzdem mit der Invasion. Die Inspektoren wurden in den USA zudem angefeindet. Blix erinnerte sich später bitter: "Der Krieg schien beschlossene Sache."

Sellström, der auch an Universitäten in den USA lehrte, arbeitet seit 2006 als Projektleiter am Forschungsinstitut European CBRNE Center im nordschwedischen Umea, das die Wirkung auch von biologischen und chemischen Waffen erforscht. CBRNE ist die Abkürzung für: Chemical, Biological, Radiological, Nuclear and Explosives - auf Deutsch etwa ABC-Stoffe. Sellström erarbeitete dort unter anderem für die Vereinten Nationen neue Richtlinien für Waffeninspektionen und schulte Experten für solche Einsätze.

Die Uno weiß er auch jetzt in Syrien hinter sich. Ein Sprecher der Vereinten Nationen lobte ihn im März als "verdienten Wissenschaftler mit einem soliden Hintergrundwissen in den Themenfeldern Abrüstung und internationale Sicherheit".

Auch Sellströms Kollege Dzenan Sahovic beschreibt ihn als "cool und ruhig". Für Sellström spreche seine langjährige Erfahrung und Expertise - und ihm komme auch zugute, dass er als Schwede aus einem neutralen Land komme.

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Seite 1
juergw. 27.08.2013
1. Brisant ?
Zitat von sysopDPA/ Erik HillbomÅke Sellström hat einen der schwierigsten Jobs der Welt. Der Schwede leitet das Uno-Team, das den Giftgasangriff in Syrien untersucht. Er gilt als erfahren und besonnen, doch er steht unter großem Druck: Seine Arbeit könnte einen Militärschlag gegen das Assad-Regime rechtfertigen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/uno-inspekteure-in-syrien-ake-sellstroem-in-heikler-mission-a-918821.html
Die größte Friedensmacht U.S.A braucht keine Rechtfertigung für einen Militärschlag.Der Stärkere ist immer im Recht,nicht umsonst unterhält die USA 485 Militärstützpunkte außerhalb des Landes in aller Welt versteut.
kannmanauchsosehen 27.08.2013
2. Unfug
Zitat von sysopDPA/ Erik HillbomÅke Sellström hat einen der schwierigsten Jobs der Welt. Der Schwede leitet das Uno-Team, das den Giftgasangriff in Syrien untersucht. Er gilt als erfahren und besonnen, doch er steht unter großem Druck: Seine Arbeit könnte einen Militärschlag gegen das Assad-Regime rechtfertigen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/uno-inspekteure-in-syrien-ake-sellstroem-in-heikler-mission-a-918821.html
"Seine Arbeit könnte einen Militärschlag gegen das Assad-Regime rechtfertigen." Das ist Quatsch, als Hans Blix im Irak nach Waffen gesucht hat, hatte der Krieg de-facto auch schon begonnen. Dummerweise hat er der Koalition sogar den Beweis geliefert, dass man beim Vormarsch auf Bagdad nicht mit Massenvernichtungswaffen rechnen muss. Auch diese Inspektion ist nur Teil des "warm up", damit UK/US ihre Waffen in Stellung bringen können. Der count-down läuft und wird nicht mehr abgebrochen. Er sollte sich dafür nicht hergeben, da er ja nicht zeigen soll, wer eventuell Chemiewaffen eingesetzt hat, sondern ob diese Waffen überhaupt eingesetzt worden sind.
ted211 27.08.2013
3. Wer ist verantwortlich?
Kann Sellström denn feststellen, wer das Gas verschossen hat, damit ggfs. die Rebellen von den USA und Briten angegriffen werden?
Velociped 27.08.2013
4. Friedensmission
Sellström ist in einer echten Friedensmission in Syrien. Findet er nichts konkretes, werden die USA, GB und Frankreich trotzdem den Angriffskrieg starten - er wäre allenfalls ein Feigenblatt. Kann er dagegen klare Belege dafür finden, dass es entweder kein Kampfgas war oder nicht von den Regierungstruppen verwendet wurde, so kann dies einen Krieg verhindern. In diesem Sinne hoffe ich darauf, dass Herr Sellström Mut zu klaren Worten hat.
Werner655 27.08.2013
5. Farce?
Zitat von sysopDPA/ Erik HillbomÅke Sellström hat einen der schwierigsten Jobs der Welt. Der Schwede leitet das Uno-Team, das den Giftgasangriff in Syrien untersucht. Er gilt als erfahren und besonnen, doch er steht unter großem Druck: Seine Arbeit könnte einen Militärschlag gegen das Assad-Regime rechtfertigen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/uno-inspekteure-in-syrien-ake-sellstroem-in-heikler-mission-a-918821.html
Zum einen dürfen die Fachleute des Uno-Teams nicht darüber unterrichten, von wem das Giftgas eingesetzt wurde- was für ein perfider Auftrag! Andererseits scheint es den US-Falken mitsamt europäischen Pudeln völlig gleichgültig zu sein. Man weiß, dass Giftgas eingesetzt wurde...
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