Uno-Klimagipfel Warnung vor einer Rolle rückwärts

Im marokkanischen Marrakesch hat der zweiwöchige Weltklimagipfel begonnen. Es ist die erste internationale Uno-Konferenz nach den Terroranschlägen in den USA.


Marrakesch/Bonn - Der zum Konferenzpräsidenten gewählte marokkanische Umweltminister Mohamed El Yazghi appellierte zum Auftakt an die Regierungsvertreter aus rund 180 Ländern, zu einem Ergebnis zu kommen. In Marrakesch soll nach den Grundsatzbeschlüssen des Bonner Gipfels vom Juli das detaillierte Regelwerk zum Kyoto-Protokoll von 1997 festgelegt werden. Andernfalls kann das Protokoll zur Verminderung von klimaschädlichen Treibhausgasen nicht in Kraft treten. Diskutiert werden unter anderem die Form nationaler Rechenschaftsberichte und die Erfüllungskontrolle.

Umweltverbände warnen

Einzelne Mitgliedstaaten wie vor allem Russland könnten zudem noch versuchen, die bereits in Bonn erreichten Verhandlungserfolge wieder zur Disposition zu stellen, sagte Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid. Ähnlich äußerten sich der World Wide Fund For Nature (WWF) Deutschland und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Auch der umweltpolitische Sprecher der Grünen- Bundestagsfraktion, Reinhard Loske, warnte davor, das Bonner Paket wieder aufzuschnüren. Die EU müsse auch in Marrakesch ihre Führungsrolle im Klimaschutz behaupten.

Die 7. Vertragsstaatenkonferenz der Uno-Klimakonvention ist der erste Klimagipfel auf dem afrikanischen Kontinent und auch die erste große internationale Uno-Konferenz nach den Terror-Anschlägen in den USA. Rund um den Tagungsort in Marrakesch, dem Kongresspalast, galten strenge Sicherheitsvorkehrungen.

Auch die Amerikaner sind mit einer Delegation vertreten. Nach ihrer grundsätzlichen Abkehr vom Kyoto-Prozess werden sie allerdings nur eine Zaungast-Rolle spielen. Die Minister, darunter Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne), werden erst Mitte nächster Woche zur entscheidenden Verhandlungsphase erwartet.

"Eine Ehre für Marokko"

Für Marokko bedeute die Konferenz eine besondere Ehre, sagte El Yazghi. "Es wird anerkannt, dass unser Land und unser Kontinent sich unermüdlich für eine Lösung der Umweltprobleme engagieren." Marokko habe wie viele andere Staaten unter den Folgen des Treibhauseffekts zu leiden. "Die Bewohner unseres Landes haben mit andauernder Dürre, mit der Ausbreitung der Wüsten, mit Überschwemmungen und anderen Klimaphänomenen zu kämpfen, die für uns eine ernsthafte Beeinträchtigung unserer Entwicklungsmöglichkeiten bedeuten."

Im Kyoto-Protokoll verpflichteten sich die Industrieländer 1997 zur Verminderung ihrer klimaschädliche Treibhausgase um im Schnitt 5,2 Prozent bis 2012 (im Vergleich zu 1990). Die Entwicklungsländer wurden noch nicht in die Pflicht genommen. Für sie sollte es einen finanziellen Ausgleich geben, forderte El Yazghi. Sie seien für den Klimawandel nicht verantwortlich, hätten aber ebenfalls unter den Folgen zu leiden.

Vor allem Russland, Japan, Kanada und Australien wollten Vereinbarungen zur Umsetzung des Kyoto-Protokolls wieder aufweichen, erläuterte Smid. Russland habe schon vor Beginn der Konferenz angekündigt, die ihm zugestandenen Quoten bei der Anrechnung von Wäldern als so genannte Schadstoffsenken nicht zu akzeptieren. "Die Klimakonferenz darf jetzt keine Rolle rückwärts machen."

Grundlegende Gefahr für den Vertrag

Der WWF Deutschland forderte vom Gipfel die Verabschiedung eines "wasserdichten Vertragstexts", um eine zügige Ratifizierung des Kyoto-Protokolls bis zur Weltumweltkonferenz im September 2002 in Johannesburg zu ermöglichen. Durch Versuche von Ländern wie Russland, Kanada, Japan und Australien, einzelne Vereinbarungen von Bonn noch einmal neu zu verhandeln, werde der Vertrag "grundlegend gefährdet", betonte WWF-Klimaexpertin Regine Günther.

Moskau wolle noch so viele wirtschaftliche Vorteile wie möglich herausschlagen, hieß es aus EU-Delegationskreisen. Nach dem Ausscheiden der USA aus dem Kyoto-Prozess ist eine Teilnahme Russlands zwingend, wenn das Protokoll in Kraft treten soll. Es muss von mindestens 55 Industriestaaten, auf die 1990 auch mindestens 55 Prozent des Ausstoßes von Kohlendioxid (CO2) entfielen, ratifiziert werden.



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