Uno-Mission in Mali Erstmals deutsche Soldaten bei Patrouille beschossen

In Mali sind zum ersten Mal seit dem Einsatz der Bundeswehr für die Uno-Mission deutsche Soldaten bei einer Erkundungsfahrt beschossen worden - sie kamen unverletzt davon. Die Lage im Norden des Landes spitzt sich zu.

Deutsche Soldaten in Mali (Archivbild)
REUTERS

Deutsche Soldaten in Mali (Archivbild)

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Die Bundeswehr ist bei ihrem Einsatz im Norden Malis erstmals direkt angegriffen worden. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wurde am Mittwochnachmittag gegen 15 Uhr (Ortszeit) eine Erkundungsmission der Bundeswehr, die im Auftrag der Uno in Gao eingesetzt sind, von Angreifern auf Motorrädern beschossen. Die Deutschen erwiderten das Feuer und konnten unverletzt entkommen.

Die Bundeswehr vermutet die lokale Terrorgruppe Ansar Dine hinter der Attacke. Sie hatte nach dem Ende des Fastenmonats Ramadan Angriffe angekündigt.

Die genauen Details waren auch Stunden nach dem Angriff noch unklar. Laut den ersten Meldungen aus Mali war ein Team der Bundeswehr mit mehreren gepanzerten Fahrzeugen vom Typ "Eagle" und "Fennek" unterwegs, als es plötzlich beschossen wurde. Nach Angaben der Bundeswehr, die den Vorfall zuerst dem Militär-Blog "Augengeradeaus" bestätigte, wurde keiner der deutschen Soldaten verletzt, weil sich alle in geschützten Fahrzeugen befanden. Sie kehrten den Angaben zufolge nach dem Vorfall umgehend ins Camp Castor in Gao zurück.

Die Bundeswehr beteiligt sich mit derzeit rund 400 Soldaten an der Uno-Mission zur Stabilisierung von Mali, besonders im Norden des Landes gilt die Mission als äußerst gefährlich. Dort agieren diverse bewaffnete Milizen, die wegen der verstärkten Uno-Präsenz um ihren Einfluss und ihre Bewegungsfreiheit fürchten. Hinzu kommen Schmuggler-Banden, die ihr lukratives Geschäft gefährdet sehen.

Bundeswehr rechnet mit weiteren Attacken

In den vergangenen Wochen hatte sich die Lage immer weiter zugespitzt: Nach einem Anschlag auf das Uno-Lager in Gao Ende Mai rechnet die Bundeswehr mit weiteren Attacken. In internen Papieren ordnet die Truppe den Anschlag mit einer Autobombe lokalen Terrorgruppen zu, die sich dem internationalen Qaida-Netzwerk angeschlossen haben. Der Selbstmordanschlag im Mai fand rund vier Kilometer von dem Camp der deutschen Soldaten statt, ein chinesischer Uno-Soldat wurde dabei getötet.

Seit Ende 2015 bündeln die Feinde der Uno-Mission ihre Fähigkeiten offenbar. Die Lage werde derzeit durch die "gestiegene Effektivität" der verschiedenen Terrorgruppen in Nordmali bedrohlicher, so eine interne Analyse der Bundeswehr. Demnach arbeiten einst verfeindete Gruppen mittlerweile zusammen und tauschen ihr Wissen über Bombenbau und Angriffstaktiken aus.

Zwei niederländische Uno-Soldaten gestorben

Unabhängig von dem Angriff auf die Bundeswehr sollen am Mittwoch auch französische Soldaten, die einen Uno-Konvoi etwa hundert Kilometer nördlich von Gao begleiteten, attackiert worden sein. Details über den Vorfall waren zunächst nicht zu erfahren, Militärs vermuten jedoch auch hinter dieser Attacke einen terroristischen Hintergrund.

Zudem kam es am selben Tag im Norden Malis offenbar zu einem tragischen Unfall: Zwei niederländische Uno-Soldaten sind bei einer Übung von einer explodierenden Granate getötet worden, wie es in einer Mitteilung der Uno hieß. Die Regierung in Den Haag bestätigte die beiden Todesfälle.

Die Uno-Mission in Nordmali gilt weltweit als die gefährlichste Mission der Vereinten Nationen. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2016 wurden 24 Uno-Soldaten bei Attacken getötet, rund die Hälfte davon im Mai und Juni. Im gesamten Vorjahr kamen zwölf Uno-Soldaten ums Leben. Trotz intensiver Bemühungen der Europäischen Union kommt der politische Prozess, der dem Norden Malis mehr Unabhängigkeit sichern soll, nicht richtig in Gang.

2012 hatten islamistische Gruppen vom Norden aus versucht, auf die Hauptstadt Bamako im Süden zu marschieren. Erst eine französische Intervention konnte sie stoppen. Auftrag der Uno-Mission in Mali ist es, das Land nun wieder zu stabilisieren. Doch seit über einem Jahr wird über diverse Abkommen für mehr regionale Autonomie verhandelt, immer wieder ziehen sich die verschiedenen Parteien von den Gesprächen zurück.

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