Letzte Rede vor der Uno Obama fordert diplomatische Lösung für Syrien

Barack Obama glaubt nicht an einen militärischen Sieg im Syrien-Krieg. Nur die Diplomatie könne für Frieden sorgen, sagte der US-Präsident in seiner letzten Rede vor der Uno.

Obama vor der Uno
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Obama vor der Uno


Mit seiner achten Rede hat sich Barack Obama von der Uno-Generaldebatte verabschiedet. Der US-Präsident ging in seiner Ansprache auf mehrere internationale Konflikte ein:

So warb er erneut für eine diplomatische Lösung im Syrien-Krieg. "In Syrien gibt es am Ende keinen militärischen Sieg zu gewinnen", sagte Obama. "Wir müssen den harten Weg der Diplomatie weiterverfolgen." Solange müssten weiter Hilfslieferungen zu der bedürftigen syrischen Bevölkerung gebracht werden und diejenigen in Syrien unterstützt werden, die eine politische Lösung suchten.

Auf den Nahostkonflikt eingehend drängte Obama Israel, seine Besetzungspolitik zu beenden. Die Palästinenser rief der US-Präsident auf, Israel anzuerkennen.

Obama bezeichnete das kommunistische Nordkorea als "Brachland". Er kritisierte die Atomtests des Landes als Gefahr für die internationale Sicherheit. "Wenn Nordkorea eine Atombombe testet, gefährdet das uns alle", sagte er. Die ganze Welt müsse mehr dazu beitragen, einen Nuklearkrieg zu vermeiden. Länder mit Atomwaffen wie die USA hätten dabei eine einzigartige Verantwortung, sagte der im Januar aus dem Amt scheidende Obama. "Wir haben den iranischen Atomkonflikt durch Diplomatie gelöst", sagte er mit Blick auf das im Juli 2015 geschlossene Abkommen mit Iran.

Mit einem Seitenhieb gegen den Republikaner Donald Trump warnte Obama vor dem Bau von Mauern und der Abschottung einzelner Staaten. Eine Mauer an der Grenze zu Mexiko ist eine zentrale Forderung des Präsidentschaftskandidaten.

"Eine von Mauern umringte Nation würde sich heute nur selbst einschließen", warnte Obama. "Wir alle stehen vor einer Entscheidung: Wir können mit einem besseren Modell der Zusammenarbeit und Integration vorwärts drängen oder uns in eine scharf geteilte Welt zurückziehen." Die Grenzen von Staaten, Herkunft, Stämmen und Religion dürften nicht Trennlinien internationaler Politik sein.

Die Zahl der Demokratien rund um die Welt habe sich in den vergangenen 25 Jahren fast verdoppelt. "Ein Vierteljahrhundert nach Ende des Kalten Krieges ist die Welt in vielerlei Hinsicht weniger gewalttätig und wohlhabender als jemals zuvor", sagte Obama. Die Prinzipien offener Märkte, internationalen Rechts und der Demokratie blieben die besten Grundlagen für menschlichen Fortschritt im laufenden Jahrhundert.

Nach seiner Ansprache lud der US-Präsident, dessen Nachfolger im November gewählt wird, gemeinsam mit einigen anderen Ländern noch zu einem Flüchtlingsgipfel ein. Die wohlhabenden Länder auf der Welt könnten mehr für die Flüchtlinge tun, mahnte er.

Überschattet wurde Obamas Aufenthalt in New York von einem Bombenanschlag in der Millionenmetropole und dem Fund mehrerer Sprengsätze kurz vor Auftakt der Vollversammlung. Danach wurde die ohnehin hohe Polizeipräsenz bei der Veranstaltung noch vergrößert.

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rgw_ch 20.09.2016
1. Diplomatische Lösung
Finde ich gu. Nur: Wieso hören die USA dann nicht endlich damit auf, islamistische Rebellen zu unterstützen und Regierungstruppen zu bombardieren? Oder ist es das, was Obama mit "Diplomatie" meint?
Holztransistor 20.09.2016
2. Change we can believe in...
Zitat: "Die ganze Welt müsse mehr dazu beitragen, einen Nuklearkrieg zu vermeiden." Dazu gehört es dann wohl auch die vorhandenen Nuklearwaffen für Milliarden US Dollar zu modernisieren und einige (B61-12) demnächst wieder in Büchel auf deutschem Boden zu stationieren. Ungefähr 80x Hiroshima liegt dann dort für einen Einsatz bereit. Die B61-12 haben eine variable Sprengkraft und könnten durch den kleinsten möglichen Wert (wohl ca. 300 Tonnen TNT) die Hemmschwelle für einen Einsatz senken. Wollen wir das wirklich? Die USA haben bereits im Irak und in Afghanistan keinen militärischen Sieg erringen können. Zumindest nicht langfristig. Es ist eine Sache das Militär eines Landes zu "besiegen". Eine ganz andere ist es ein Land zu befrieden und eine funktionierende Infrastruktur und Demokratie aufzubauen. In vielen Ländern fehlt ganz einfach das Bürgertum, welches eine Demokratie tragen kann. Religion darf kein Hemmschuh sein, der Fortschritt verhindert.
KingTut 20.09.2016
3. Visionen
Obama ist ein Visionär und eine moralische Autorität, was für einige seiner Gegenparts leider nicht zutrifft und darin liegt das Hauptproblem auf dieser Welt. Obama hat sich immer für Frieden und nukleare Abrüstung eingesetzt. Wären die Führer anderer Länder aus dem gleichen Holz geschnitzt wie Obama, dann könnten viele Konflikte dieser Welt gelöst und endlich eine signifikante Abrüstung eingeläutet werden. Eine einseitige Abrüstung der USA wäre fatal, denn wir alle waren und sind ja Zeitzeugen, was mit der Krim geschah und wie massiv China militärisch schwache Staaten bedrängt. Wenn eines Tages Demokratie und Rechtsstaatlichkeit einkehren, dann lösen sich viele Konflikte in nichts auf und die gigantischen Summen für Rüstung können dafür ausgegeben werden, die Zukunft der Spezie Mensch auf Erden und im Weltraum auf unabsehbare Zeit zu sichern.
GoaSkin 20.09.2016
4.
Es gibt für Syrien weder eine militärische Lösung, noch eine diplomatische Lösung. Der Krieg wird weitergehen, bis alles endgültig Schutt und Asche ist und es in Syrien endgültig wie auf dem Planet der Affen aussieht. Es wird keine Gewinner und Verlierer geben, sondern eine generelle Ohnmacht.
Lichtenbruch 20.09.2016
5. Wie früher!
Mir kommt der Syrienkonflikt mehr und mehr wie ein Stellvertreterkrieg vor. Solche Kriege können tatsächlich nicht gewonnen werden, ohne das einer der Stellvertreter sein Gesicht verliert oder aber das Land letztlich komplett in Schutt und Asche liegt. Leider glaube ich das Letzteres eintreten wird.
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