Uno-Schätzung Wiederaufbau Iraks kostet 28 Milliarden Euro


New York - Der Wiederaufbau des Irak nach einem Krieg würde nach Schätzung der Vereinten Nationen allein in den ersten drei Jahren knapp 28 Milliarden Euro kosten. Obwohl der Irak durch seinen Ölreichtum eigene Mittel hat, müsste die internationale Gemeinschaft zusätzlich weitaus höhere Investitionen leisten als etwa in Afghanistan, sagte der Leiter des Uno-Entwicklungsprogramms (UNDP), Mark Malloch Brown, der "New York Times".

Sollten die USA gegen den Einspruch Frankreichs, Deutschlands und vieler anderer schon bald zum Militärschlag gegen Bagdad ausholen, wären jene Länder anschließend sicher schwer als Finanziers für den Wiederaufbau zu gewinnen, sagte Brown. Uno-Hilfsagenturen hätten kürzlich in einem Aufruf um 35 Millionen Euro gebeten, um Vorbereitungen für eine humanitäre Krise im Irak treffen zu können, jedoch keinerlei Unterstützung erhalten.

Vor der Invasion Kuweits und den folgenden Wirtschaftssanktionen der Vereinten Nationen sei der Irak ein reiches Land mit einer gut gestellten, städtischen Mittelklasse gewesen, sagt der UNDP-Leiter. Heute liege das Pro-Kopf-Einkommen bei 700 Dollar, und 60 Prozent der Bevölkerung seien auf öffentlich ausgegebene Lebensmittelrationen angewiesen. "Dies ist ein ganz angeschlagenes Land, das enorme Unterstützung braucht", erklärte Brown.

Im Vergleich zu den 28 Milliarden für den Irak haben die Uno die Kosten für den Wiederaufbau Afghanistans auf nur etwas mehr als 6 Milliarden kalkuliert. In Afghanistan sei die Bevölkerung zwar auch bitter arm, habe sich aber - anders als der urbane Irak - mit den Einnahmen aus der Landwirtschaft und Viehzucht einigermaßen selbst über Wasser halten können.

Außerdem habe Bagdad 60 Milliarden Dollar Schulden, vorwiegend bei Russland und anderen Ländern der früheren Sowjetunion. Außerdem schuldet Bagdad seinem Nachbarn Kuweit nach dem Einmarsch 1990 Uno- Berechnungen zufolge 170 Milliarden Dollar an Reparationsgeldern.

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