Sondersitzung Uno-Sicherheitsrat berät über Gewalt in Mali

Mehr als 400 französische Soldaten sind bereits in Mali im Kampf gegen Islamisten im Einsatz, jetzt hat die Regierung in Paris eine Sondersitzung des Uno-Sicherheitsrats beantragt. Das Eingreifen Frankreichs in dem westafrikanischen Land stößt in Deutschland auch auf Kritik.
Französischer Kampfpilot (im Tschad): Einsatz im Mali-Konflikt

Französischer Kampfpilot (im Tschad): Einsatz im Mali-Konflikt

Foto: AFP/ ECPAD

Bamako - In Mali hält die Gewalt zwischen Militär und islamistischen Rebellen an, der Konflikt soll an diesem Montag in einer Sondersitzung des Uno-Sicherheitsrats besprochen werden. Das Treffen sei auf Wunsch Frankreichs anberaumt worden, teilte der Sprecher der französischen Uno-Mission, Brieuc Pont, am Sonntag über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Französische Soldaten kämpfen seit Freitag an der Seite der Regierungstruppen in Mali. Afrikanische und europäische Länder sowie die USA unterstützen den französischen Militäreinsatz aktiv.

Kampfflieger griffen die Aufständischen am Sonntag in der Stadt Gao an. Das französische Verteidigungsministerium teilte mit, die Flugzeuge hätten in der Nähe der Bezirkshauptstadt zahlreiche Ziele identifiziert und zerstört, darunter den Flughafen sowie von den Aufständischen genutzte Ausbildungszentren und Lagerhäuser. Zugleich räumten Militärvertreter ein, die Rebellenkämpfer seien besser ausgerüstet und trainiert als erwartet.

Die Islamisten verfügen vor allem über Waffen aus dem Arsenal des früheren libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi und über erbeutete Ausrüstung der malischen Streitkräfte. Ein Befehlshaber der Rebellen in Gao bestätigte die Angriffe und warnte, sie hätten keinen Effekt, da seine Einheiten ständig in Bewegung seien. Die Kampflust der Islamisten sei durch den Beschuss noch gestärkt worden, sagte er.

"Es ist uns gelungen, die Terroristen abzublocken"

Mehr als 400 französische Soldaten sind laut Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian bereits nach Mali verlegt worden, um Regierungstruppen im Kampf gegen die Rebellen zu unterstützen. Außenminister Laurent Fabius sagte, die Offensive der Islamisten sei gestoppt worden. "Es ist uns gelungen, die Terroristen abzublocken", sagte Fabius.

Großbritannien will den Franzosen logistisch beistehen. Die Regierung in London werde zwei große Transportflugzeuge in die Region schicken, sagte Afrika-Minister Mark Simmonds dem Sender Sky News. Möglicherweise würden sich die Briten auch in europäischer Zusammenarbeit an der Ausbildung der malischen Streitkräfte beteiligen, sagte Simmonds. Eigene Kampftruppen will das Land aber nicht entsenden. Die USA wollen Frankreich ebenfalls beim Transport und bei der Kommunikation unterstützen.

Die Europäische Union will etwa 200 Militärberater entsenden, die malische Soldaten auf den Kampf gegen Rebellen vorbereiten sollen. Auch Bundeswehrsoldaten sollen zu den Ausbildern zählen. Einen Kampfeinsatz unter EU-Flagge soll es aber nicht geben. Auch die Bundesregierung in Berlin schloss einen Kampfeinsatz deutscher Soldaten aus.

Eine Beteiligung deutscher Soldaten an einer EU-Mission ist dem CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz zufolge denkbar. Wenn die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton verantwortbare Pläne vorlege, "wird Deutschland nicht abseits stehen", sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Sollte die EU Soldaten für eine gemeinsame Mission in dem westafrikanischen Land anfordern, werde sich Deutschland dem nicht verschließen. "Wir können das nicht Luxemburg und Malta überlassen. So funktioniert eine gemeinsame europäische Außen- und Sicherheitspolitik nicht", sagte Polenz.

Grüne kritisieren französischen Alleingang

Der Einsatz von französischen Soldaten in Mali stieß bei den deutschen Grünen auf Kritik. Das Eingreifen sei eine "hochriskante Aktion", sagte die außenpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Kerstin Müller, der "Welt". Eine militärische Intervention in Mali sei der falsche Weg, warnte sie. Statt für Alleingänge sprach sie sich für ein abgestimmtes Vorgehen der Europäischen Union aus. "Wir brauchen eine gemeinsame EU-Afrika-Politik", forderte sie. Ziel müsse es sein, Organisationen wie die Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten (Ecowas) und die Afrikanische Union (AU) dabei zu unterstützen, die Probleme in Mali zu lösen.

Die afrikanischen Nachbarn Niger, Burkina Faso, Senegal und Nigeria stimmten der Entsendung von Soldaten zu. Am Sonntag sollten die ersten afrikanischen Truppen, darunter jeweils bis zu 500 Soldaten aus Burkina Faso und Niger, in Mali eintreffen, berichtete das Staatsfernsehen.

Genaue Opferzahlen der Kämpfe waren zunächst nicht bekannt. Laut dem malischen Staatsfernsehen kamen jedoch in Konna mindestens elf Zivilisten ums Leben. Darunter seien auch drei Kinder gewesen, die sich bei einem Luftangriff in einen Fluss stürzten und ertranken, sagte der Bürgermeister der umkämpften Stadt.

Das westafrikanische Mali war nach einem Putsch im März vergangenen Jahres ins politische Chaos gestürzt. Die islamistische Gruppe Ansar al-Din ("Verteidiger des Glaubens") übernahm die Kontrolle über den Norden des Landes und führte dort das islamische Rechtssystem, die Scharia, ein. In den vergangenen Monaten rückten die Kämpfer immer weiter nach Süden vor.

hen/dpa/dapd
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