Intervention in Kampfgebiet Uno-Sicherheitsrat billigt Militäreinsatz in Zentralafrika

Die Situation in der Zentralafrikanischen Republik spitzt sich zu. Nach heftigen Gefechten in der Hauptstadt Bangui werden mehr als hundert Tote gemeldet. Jetzt hat der Uno-Sicherheitsrat einen Militäreinsatz beschlossen. Französische Truppen sollen die Kräfte vor Ort unterstützen.

Patrouille in den Straßen von Bangui: Französische Truppen sollen Frieden sichern
AFP

Patrouille in den Straßen von Bangui: Französische Truppen sollen Frieden sichern


New York/Bangui - Der Militäreinsatz in der Zentralafrikanischen Republik ist nun beschlossene Sache: Am Donnerstag billigte der Uno-Sicherheitsrat den ausgeweiteten Militäreinsatz. Die 15 Mitglieder des Gremiums sprachen sich in New York einstimmig für den Einsatz aus. Demnach sollen französische Truppen die Einsatzkräfte der Afrikanischen Union in dem Land unterstützen: Die MISCA-Truppen sollen die Sicherheit und Stabilität im Land wieder herstellen und die Zivilbevölkerung schützen. Später soll die MISCA womöglich in eine Uno-Blauhelm-Mission umgewandelt werden.

Unmittelbar vor der Entscheidung wurde die zentralafrikanische Hauptstadt Bangui von heftigen Gefechten erschüttert. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet von mindestens 105, AFP von fast 80 Toten. Mehr als 50 Leichen seien in einer Moschee aufgereiht worden, weitere 25 Tote lagen in umliegenden Straßen. Die Toten in der Moschee wiesen laut der Meldung Wunden von Stich- und Schusswaffen auf.

In mehreren Stadtvierteln von Bangui waren am Donnerstagmorgen Schüsse automatischer Waffen und schwere Detonationen zu hören. Ein hochrangiger Offizier der Truppen der Afrikanischen Union in Zentralafrika (MISCA) sagte, es handele sich um Auseinandersetzungen zwischen Kämpfern des früheren Ex-Rebellenbündnisses Séléka, die inzwischen teilweise in die offiziellen Sicherheitskräfte eingegliedert wurden, und regierungsfeindlichen Milizen.

Chaos und Gewalt in Bangui

In der Zentralafrikanischen Republik herrschen Chaos und Gewalt, seit das mehrheitlich muslimische Rebellenbündnis Séléka im März den Präsidenten François Bozizé stürzte. Übergangspräsident Djotodia löste Séléka später auf, die Gewalt hält aber an. "Die französischen Kräfte mussten reagieren", sagte ein französischer Armeesprecher in Paris. Rund 250 französische Soldaten hätten "sensible Punkte" und die Sammelpunkte für in Bangui lebende Ausländer gesichert. Frankreich will in Kürze einen großangelegten Militäreinsatz mit 1200 Soldaten starten.

Fotostrecke

6  Bilder
Zentralafrika: Chaos, Gewalt und Leid
Erst vor zwei Tagen wurden bei einem Massaker hundert Kilometer nördlich von Bangui mindestens zwölf muslimische Viehzüchter mit Buschmessern getötet und zehn Kinder verletzt. Die Bluttat soll von vor allem aus Christen zusammengestellten Milizen verübt worden sein. Diese sogenannten Anti-Balaka-Milizen entstanden als Reaktion auf Übergriffe bewaffneter Gruppen, die aus Séléka hervorgegangen sind.

Frankreich hatte bereits in den vergangenen Tagen Truppen und Material nach Zentralafrika verlegt, derzeit befinden sich rund 600 französische Soldaten in dem Land. Der Regierungschef der Zentralafrikanischen Republik, Nicolas Tiangaye, sagte am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP, der Einsatz müsse "unverzüglich" nach Verabschiedung der Resolution beginnen.

Unterstützung kommt auch von der Europäischen Union: Sie will den Einsatz afrikanischer Soldaten zur Stabilisierung der Lage in der Zentralafrikanischen Republik finanziell unterstützen. "Wir werden mit Geld helfen", sagte ein Sprecher des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD) in Brüssel. Über den genauen Betrag müsse noch entschieden werden. Die humanitäre Hilfe für Opfer der Gewalt in Zentralafrika werde ohnehin fortgesetzt.

vek/AFP/dpa

insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
killi 05.12.2013
1. Eine drastische Sicht der Dinge
Würde das Land über strategische oder Rohstoffhaltige Vorzüge verfügen (abgesehen vom Diamantenabbau) hätte die UNO keine so rasche Einigung erzielt. Würde die USA und nicht Frankreich intervenieren, würde es auch gleich Kritik hageln. Schön klappt es doch noch mit richtigen und schnellen Militärhandlungen. Es kann eben doch von Vorteil sein, ein "unwichtiges" Land zu sein...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.