Uno-Skandal Erneut Vorwürfe gegen Annan

Uno-Generalsekretär Kofi Annan war möglicherweise doch direkt in den Skandal um das Programm Öl für Lebensmittel verwickelt. Ermittler überprüfen, ob er an einer Korruptionsaffäre beteiligt war.


Uno-Generalsekretät Annan: Angeblich in eine zwielichtige Affäre verwickelt
AP

Uno-Generalsekretät Annan: Angeblich in eine zwielichtige Affäre verwickelt

New York - Es gebe neue Hinweise auf eine mögliche Verbindung zwischen Annan und der Schweizer Firma Cotecna, bei der Annans Sohn Kojo beschäftigt war, teilte die Uno-Untersuchungskommission mit. Ein Sprecher erklärte, auch das Sekretariat der Weltorganisation prüfe den Fall, könne die Angaben aber bislang nicht bestätigen.

Die Hinweise seien am Vortag an die Ermittler übergeben worden, sagte Michael Holtzman, der Sprecher der Kommission, die vom früheren US-Notenbankpräsidenten Paul Volcker geleitet wird. Wie aus Uno-Kreisen verlautete, handelt es sich dabei um eine Notiz des Cotecna-Vizepräsidenten Michael Wilson, die im Dezember 1998 nach einem angeblichen kurzen Treffen mit "dem SG und dessen Begleitung" am Rande einer Konferenz in Paris angefertigt worden sei. SG steht für "Secretary General" (Generalsekretär). Weiter heißt es in der Notiz, Cotecna könne "mit deren Unterstützung rechnen".

Annans Sprecher Fred Eckhard erklärte, Uno-Beamte gingen derzeit sämtliche Unterlagen und Notizen im Zusammenhang mit dem damaligen Aufenthalt Annans in Paris durch. Bislang sei "dabei keinerlei Erwähnung einer Begegnung mit Michael Wilson gefunden worden". Er habe auch mit Annan telefoniert, der sich gerade wieder in Paris aufhielt und dieser habe ihm erklärt, er könne sich nicht an eine solche Begegnung erinnern.

Die Volcker-Kommission prüfe nun, ob damit Kenntnisse Annans über die damaligen Bemühungen Cotecnas um einen lukrativen Uno-Auftrag zur Warenkontrolle im Rahmen des Irak-Programms gemeint war, sagten Diplomaten. Das Schweizer Unternehmen erhielt den Auftrag am 11. Dezember 1998. Die Ermittler hatte Annan im März weitgehend vom Verdacht der Einflussnahme auf Vertragsentscheidungen der Vereinten Nationen zu Gunsten seines Sohnes entlastet.

Allerdings hatte die Volcker-Kommission lediglich erklärt, es gebe "keine Beweise" für ein Fehlverhalten Annans. Zugleich hatte sie kritisiert, Annan habe sich nicht genügend bemüht, die Geschäftsbeziehungens seines Sohnes zu Cotecna aufzuklären. Er habe die Möglichkeit eines Interessenkonflikts nicht ausreichend klar erkannt.



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