Uno-Sonderbeauftragter Koenigs gibt Posten in Afghanistan zum Jahresende auf

Er war Zivilverwalter im Kosovo, überwachte den Frieden in Guatemala, seit mehr als anderthalb Jahren versucht er für die Uno die Demokratisierung am Hindukusch voranzutreiben. Nun will der Grünen-Politiker Tom Koenigs sein Amt in Afghanistan aufgeben. Möglicherweise nicht ganz freiwillig.

Aus Kabul berichtet


Kabul - Am kommenden Freitag macht sich Tom Koenigs, Sonderbeauftragter der Vereinten Nationen für Afghanistan, wieder einmal von der afghanischen Hauptstadt Kabul nach New York auf. Routinemäßig wird er seinem Chef Ban Ki Moon und dem Rat der Nationen über die Lage in Afghanistan berichten. Es wird einer der letzten Statusreports des Deutschen über das vom Bürgerkrieg und Taliban-Terror zerschundene Land sein.

Tom Koenigs, Uno-Sonderbeauftragter für Afghanistan: Rückkehr nach Deutschland zum Jahresende
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Tom Koenigs, Uno-Sonderbeauftragter für Afghanistan: Rückkehr nach Deutschland zum Jahresende

Denn Koenigs will nur noch bis Ende des Jahres in Kabul bleiben. Als er am Montagnachmittag in seinem Büro unter Neonröhren saß, hatte er sich noch lange geziert, als SPIEGEL ONLINE ihn nach seinen Plänen fragte. Dabei wusste Koenigs zu diesem Zeitpunkt schon, dass die "FAZ" am Dienstag ein Interview bringen würde, in dem er seinen Abschied aus Kabul ankündigte. Trotzdem blieb der Grünen-Politiker über anderthalb Stunden cool. "Irgendwann", sagte er mehrmals, werde er sicher gehen, zurück nach Frankfurt.

Seit Februar 2006 ist Koenigs Sonderbeauftragter für die United Nations Assistance Mission in Afghanistan (UNAMA), versucht nach Kräften die Demokratisierung voranzutreiben, wenigstens eine einigermaßen funktionstüchtige Verwaltung zu installieren. Vor seiner Zeit am Hindukusch war er von 2005 bis 2006 Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung. Als Uno-Sonderbeauftragter in Guatemala hatte er einst den dortigen Friedensprozess überwacht. Im August 1999 hatte ihn der damalige Uno-Generalsekretär Kofi Annan zum Leiter der Zivilverwaltung im Kosovo ernannt.

Ob Koenigs nun ganz freiwillig seinen Posten in Afghanistan räumt, wird in Kabul derzeit heiß diskutiert. Von mehreren westlichen Diplomaten war in den vergangenen Wochen zu hören, dass die Amerikaner und Briten innerhalb der Uno Druck gemacht hätten und den Deutschen mehr oder minder zur Aufgabe gedrängt hätten.

Demzufolge wollen vor allem die USA einen ihnen ergebenen Gesandten in Kabul installieren, der die Uno in den nächsten Jahren wesentlich mehr in ein Gesamtkonzept aus Militär und Wiederaufbau einbringen soll. Neben den Aufgaben der Koordination innerhalb des Landes käme einem solchen Beauftragten und politischem Schwergewicht, der in Kabul witzelnd schon der "600-Pfund-Gorilla" genannt wird, viele Abstimmungen zwischen den Nato-Ländern zu. Innerhalb der Uno-Mannschaft heißt es dazu nur, dass man einem solchen Kandidaten "viel Spaß bei der mission impossible" wünsche, da die unterschiedlichen Vorstellungen schon innerhalb der Nato kaum zu bündeln seien.

Zudem gibt es unter den mächtigen Uno-Staaten offenbar Überlegungen, dass ein zukünftiger Gesandter nicht nur für Afghanistan, sondern die ganze Region Verantwortung übernehmen soll. Auch mögliche Kandidaten werden in Kabul bereits gehandelt. Immer wieder ist von einer Liste die Rede, die angeblich bei der Uno kursiert.

Neben anderen Namen wird kurioserweise auch Joschka Fischer, zu dessen Vertrauten Tom Koenigs zählt, als Nachfolger oder als starker Uno-Mann mit einer neuen Rolle gehandelt. Der einstige "Gottvater" aus dem Auswärtigen Amt und grüne Altstar soll aber bereits abgewunken haben, war aus mehreren Quellen zu vernehmen.

Neben Polit-Rocker Fischer, der nach seiner Auszeit in den USA gerade in Berlin bei Preisverleihungen und Vorstellungen seines eigenen und fremder Bücher zurück in die Öffentlichkeit drängt, wurde in Kabul auch der einstige Kosovo-Beauftragte Richard Holbrooke genannt. Noch aber, hieß es übereinstimmend, sei nichts entschieden.

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