Uno-Sondersitzung Kofi Annan ruft um Hilfe

Auf einer Uno-Sondersitzung zur Irakkrise hat Uno-Generalsekretär Kofi Annan um dringende humanitäre Hilfe für den Irak gebeten und die kriegführenden Mächte scharf kritisiert.


Bleibt selbstbewusst: Uno-Generalsekretär Kofi Annan
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Bleibt selbstbewusst: Uno-Generalsekretär Kofi Annan

New York - Kofi Annan kritisierte zunächst den Irak. Viele Menschen hätten sich gewundert, warum Iraks Regierung die Chance der Zusammenarbeit mit der Uno in Abrüstungsfragen nicht voll ergriffen habe.

Doch zugleich würden sich weltweit viele Menschen besorgt fragen, ob es legitim von einigen Mitgliedsstaaten sei, "so schnell zu so verhängnisvollen Mitteln zu greifen". Die Konsequenzen dieses Handelns reichten weit über die momentane militärische Situation hinaus. Daher dürften die Großmächte ihre Gräben jetzt nicht weiter vertiefen, sondern müssten in einer konzertierten Aktion ihre Differenzen überwinden.

Zugleich kündigte Annan einen internationalen Spendenaufruf für die Bevölkerung des Irak an. Der Krieg schaffe neue Leiden, die über die bisherige Notlage weit hinausgingen, sagte Annan bei der ersten öffentlichen Debatte des Uno-Sicherheitsrates über den Irak-Krieg seit dem Beginn der amerikanisch-britischen Militärinvasion.

Nach Angaben aus Uno-Kreisen rechnen die Vereinten Nationen mit einem zusätzlichen Hilfebedarf, der um mehr als zwei Milliarden Dollar über das Programm "oil for food" hinausgeht. Die Uno stellten sich auf die ihre bislang größte humanitäre Hilfsaktion ein, hieß es.

Annan selbst nannte in der Debatte noch keine konkrete Summe. Er hatte am selben Tag mit den Leitern aller humanitären Uno- Organisationen beraten. Der Uno-Generalsekretär rief den Sicherheitsrat auf, rasch zu entscheiden, wie angesichts des anhaltenden Kriegsgeschehens künftig mit dem Programm "Öl für Nahrung" verfahren werden soll. Der Rat müsse dafür ein neues Mandat erteilen.

Das Gremium konnte sich auch bei einer weiteren Konsultationsrunde am selben Tag nicht auf eine humanitäre Irak-Resolution einigen, die ein solches Mandat enthält. Man habe jedoch Fortschritte gemacht, die zum Kompromiss führen könnten, sagte der deutsche Uno-Botschafter Gunter Pleuger.

Er hoffe, dass es an diesem Donnerstag zur Annahme der Resolution kommt. Sie soll für zunächst 45 Tage die Fortsetzung des Uno- Hilfsprogramms "Öl für Nahrung" regeln. Hauptstreitpunkt ist, ob die Besatzungsmächte USA und Großbritannien Vertragspartner für das Programm sein können oder nur eine legitime irakische Regierung.

Die öffentliche Debatte im Sicherheitsrat war von den Gruppen der arabischen und der blockfreien Staaten verlangt worden. Sie repräsentieren zusammen 139 der 1991 Uno-Mitgliedstaaten und treten mehrheitlich für die sofortige Beendigung des Krieges ein. Zunächst blieb unklar, ob arabische Staaten dem Weltsicherheitsrat eine entsprechende Resolution vorlegen würden.

Irak beklagt "nackte Aggression"

Iraks Uno-Botschafter hat die USA und Großbritannien auf der Uno-Sondersitzung beschuldigt, mit ihrem Krieg für tausende Opfer in seinem Land verantwortlich zu sein. Den Uno-Sicherheitsrat forderte Mohammed Alduri auf, gegen diese "nackte Aggression" vorzugehen. "Irak, ein Gründungsmitglied der Vereinten Nationen sieht sich einer verbrecherischen barbarischen amerikanisch-britischen Militäraggression ausgesetzt", sagte Alduri auf der Dringlichkeitssitzung des Rates, der ersten öffentlichen Tagung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen (UNO) seit Kriegsbeginn. Diese Aggression habe zu tausenden Opfern geführt, unter denen Frauen, Kinder und Alte seien. Dies sei eine eklatante Verletzung des internationalen Rechts.

Im Verlauf der öffentlichen Debatte des Uno-Sicherheitsrates verurteilten zahlreiche Staaten die amerikanisch-britischen Angriffe. Die meisten der mehr als 60 Redner wiesen darauf hin, dass der Krieg durch den Sicherheitsrat nicht autorisiert worden sei. Viele forderten eine sofortige Einstellung der Militäraktionen.

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