Uno-Studie Kongo-Rebellen werden zu Kannibalen

Im Nordosten des Kongo ist es zu neuen Gräueltaten gekommen. Die Uno berichtet von Flüchtlingen, die Zeuge wurden, wie Rebellen mehr als 100 Menschen getötet und sie teilweise verspeist haben.


Nairobi - Im Blutrausch vergewaltigten die angreifenden Rebellen der "Bewegung für die Befreiung Kongos" (MLC) Dutzende Frauen und aßen Körperteile einiger der von ihnen getöteten Opfer. Dies geht aus einer von der Uno-Friedensmission im Kongo (Monuc) veröffentlichten Studie hervor. Besonders in der Provinz Ituri, etwa 1500 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Kinshasa, hätten Mitglieder der MLC im Oktober 2002 systematisch Menschenrechte verletzt.

Während der vergangenen zwei Wochen wurden für die Uno-Untersuchung 368 Opfer und Zeugen befragt, die aus der Region fliehen konnten. Nach ihren Aussagen fanden 117 völlig willkürliche Exekutionen statt. Manche Opfer seien sogar verstümmelt, anderen seien Organe herausgeschnitten worden. Monuc-Sprecherin Patricia Tome sagte in Kinshasa: "Die Rebellen haben Menschen gezwungen, Körperteile ihrer Angehörigen zu verzehren."

Unter den Opfern waren der Studie zufolge auch Pygmäen. Die Waldbewohner werden immer öfter zum Verlassen ihrer Wälder gezwungen, was ihnen die Existenzgrundlage raubt. Der noch unvollständige Bericht listet zudem 65 Fälle von Vergewaltigung und 40 Fälle von sexueller Sklaverei auf.

Zu Wochenbeginn hatte die Führung der MLC fünf dieser Verbrechen verdächtige Soldaten festgenommen. Für Kannibalismus gäbe es jedoch keine Hinweise, sagte ihr MLC-Chef Jean-Pierre Bemba.

Nach Angaben von Hilfsorganisationen sind mehr als 130.000 Menschen aus Angst vor Gewalt aus dem Nordosten des Kongo geflohen. Dort war ein Machtvakuum entstanden, nachdem die meisten ausländischen Truppen infolge eines Friedensvertrages vom vergangenen Juli das Land verlassen haben.



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