Diktatur in Fernost Uno verurteilt Gräueltaten in Kim Jong Uns Gulags

Gefangene werden gefoltert, ausgehungert und getötet: Eine Uno-Kommission klagt "systematische Misshandlungen" in den Gulags von Nordkorea an. Dies hätten Befragungen von Überlebenden ergeben. Das Regime in Pjöngjang nannte den Bericht "politisch beeinflusst".

Nordkoreas Diktator Kim (2. v. l.): Schwere Vorwürfe gegen das Regime
AP/ KRT

Nordkoreas Diktator Kim (2. v. l.): Schwere Vorwürfe gegen das Regime


Genf - Selbst für hartgesottene Uno-Experten war es offenbar starker Tobak, was sie in den vergangenen Monaten zu hören bekommen haben. Immer wieder befragten die Ermittler der Vereinten Nationen Überlebende aus Nordkoreas Gulags und Gefängnissen. Das Bild, das sich aus diesen Gesprächen ergab, präsentierte der Ausschuss am Dienstag. Man müsse annehmen, dass in dem Land "Gefangene systematisch und flächendeckend misshandelt, gefoltert und getötet" werden, erklärte der Ausschussvorsitzende Michael Kirby.

Der erste Bericht der Beobachter wurde vor der Menschenrechtskommission in Genf vorgestellt. Nun werde man versuchen, die konkreten Institutionen und persönlich verantwortlichen Personen zu bestimmen, heißt es in dem Papier weiter.

Überlebende der Straflager hätten von "Hungertod und unaussprechlichen Gräueltaten" berichtet, so Kirby weiter. Man könne mit hoher Wahrscheinlichkeit annehmen, dass es sich dabei nicht um Einzelfälle handelt. Einen eigenen Eindruck habe man sich jedoch nicht verschaffen können. Weder sei ein Einreisegesuch vom 16. Juli 2013 beantwortet worden, noch habe Pjöngjang in irgendeiner anderen Form eine Kooperation angedeutet.

Stattdessen wies das Regime von Diktator Kim Jong Un den Bericht als "Fälschung" zurück. Die EU und Japan hätten die Untersuchung politisch beeinflusst und scherten damit in die Linie der "feindlichen US-Politik" ein, so der nordkoreanische Gesandte So Se Pyong.

Es ist das erste Mal, dass ein von der Uno eingesetzter Ausschuss die Menschenrechtslage in Nordkorea untersucht. Im März hatte der Menschenrechtsrat die Kommission mit einem entsprechenden einjährigen Mandat ausgestattet.

Fünf Monate nach ihrer Gründung hatte die Kommission im August in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul erstmals öffentlich Überlebende und Experten angehört. Flüchtlinge beschrieben Folter, Zwangsarbeit und Hinrichtungen in Straflagern und Gefängnissen. In Nordkorea sitzen nach Schätzungen von Amnesty International bis zu 200.000 Menschen in politischen Gefangenenlagern ein.

In teilweise erschütternden Details hatten etwa die Überlebenden Shin Dong-hyuk und Jee Heon-a aus dem Leben in den gefürchteten Straflagern berichtet.

So seien Hinrichtung, Folter und Unterernährung in den Lagern an der Tagesordnung. Selbst kleinste Vergehen oder Missgeschicke würden drastisch bestraft. Shin hackten Aufseher einen Teil seines Mittelfingers ab, weil er eine Nähmaschine kaputt gemacht hatte. "Sie haben uns als Arbeitsvieh gehalten und versucht, alles aus uns herauszuholen, bevor wir sterben", so Shin.

Trotz der vielen Berichte von Überlebenden und Augenzeugen streitet das Regime in Pjöngjang weiter die Missachtung von Menschenrechten ab.

jok/Reuters



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kf_mailer 17.09.2013
1. optional
sehr schön und hat die UNO auch schon die Ermordung von ca. 1 Million Zivilisten durch die "Präzisionswaffen" der USA in Irak verurteilt? Oder gab es Resolutionen gegen die illegalen Kriege in Afghanistan und Irak? Die UNO ist genauso wie der Vorläufer Völkerbund auf dem absteigenden Ast und hat kaum noch irgendeine Legitimität.
Einfacher Bürger 17.09.2013
2. Mr President ...
... Pazifik-Flotte, Abmarsch! Gleiches Spielchen wie mit Syrien. - Leider werden wir jedoch erleben, dass sich die USA in diesem Fall nicht berufen fühlt. Nord-Korea könnte ja Atomwaffen besitzen.
hubertrudnick1 17.09.2013
3. Kommunismus
Zitat von sysopAP/ KRTGefangene werden gefoltert, ausgehungert und getötet: Eine Uno-Kommission klagt "systematische Misshandlungen" in den Gulags von Nordkorea an. Dies hätten Befragungen von Überlebenden ergeben. Das Regime in Pjöngjang nannte den Bericht "politisch beeinflusst". http://www.spiegel.de/politik/ausland/uno-tribunal-verurteilt-unaussprechliche-graeueltaten-in-nordkorea-a-922708.html
Im Kommunismus sollten die Menschen ihr Himmelreich auf Erden haben, aber leider sind daraus zu oft nur Gulags geworden, das ist mit ein Grund warum Menschen dieses System ablehnen, denn man kommt vom Regen in ein noch schlimmeres Unwetter/Naturkatastrophe. Haben Marx und Engel sich so ihre kommunistischen Zukunftsvision ausgedacht?
justice005 17.09.2013
4. Ja, ja, der friedliche Kommunismus
Kommunismus und Sozialismus führen niemals zu Gerechtigkei, Friede, Wohlstand und Freiheit, sondern ausschließlich und ausnahmslos (!) zu Unterdrückung, Gewalt, Elend und Diktatur. Menchenrechte und Kommunismus passen schon ideologisch nicht zusammen, weil der einzelne mit seinen persönlichen Rechten unwichtig ist und nur das angebliche Interesse des Gesamtvolkes betrachtet wird, welches aber nicht mitreden darf, sondern von einer handvoll auserwählten Unterdrückt wird. Das muss jedem klar sein, der mit dem Gedanken spielt, dem Sozialismus auch nur ein winziges etwas Positives abzugewinnen.
tabernakelmenetekel 17.09.2013
5. schlimmer als der alte Führer. ..
Der gleiche geist in neuem gewande. Tipp dazu ist das buch: lasst mich eure stimme sein und auf dem utub kanal einfach mal nichtgedreht-der tag der sonne eingeben
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