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26. August 2013, 22:49 Uhr

Nach Späh-Aktionen

Uno verlangt Erklärung von US-Regierung

Der US-Geheimdienst NSA hat auch die Zentrale der Vereinten Nationen ausgespäht. Jetzt reagiert die Uno auf die SPIEGEL-Enthüllungen - und pocht auf die Unverletzlichkeit der diplomatischen Missionen.

Hamburg - Über die interne Videokonfernzanlage soll sich der US-Geheimdienst NSA Zugang zu Daten aus der Uno-Zentrale in New York verschafft haben - damit ist für die Vereinten Nationen offenbar eine Grenze überschritten. Die US-Regierung soll sich jetzt zu den Praktiken des Geheimdienstes erklären, die der SPIEGEL enthüllt hatte. Der Schutz der diplomatischen Missionen, darunter auch der Uno und anderer internationaler Organisationen, sei "im Völkerrecht wohl etabliert", sagte UN-Sprecher Farhan Haq. "Wir erwarten daher von den Mitgliedsstaaten, dass sie entsprechend handeln, um die Unverletzlichkeit der diplomatischen Missionen zu schützen."

Aus Unterlagen des Whistleblowers Edward Snowden, die der SPIEGEL ausgewertet hatte, geht hervor, dass der NSA nicht nur die Europäische Union, sondern auch die Zentrale der Vereinten Nationen abgehört hatte. Die Spionageaktionen sind illegal, in einem bis heute gültigen Abkommen mit der Uno hat sich die USA verpflichtet, keine verdeckten Aktionen zu unternehmen.

Die internen Dokumente zeigen zudem, dass die NSA die EU auch nach deren Umzug in die neuen Botschaftsräume im September 2012 noch ausspioniert hat. Unter den Dokumenten, die Snowden von Rechnern der NSA kopiert hatte, befinden sich Pläne der EU-Botschaft an der 3rd Avenue in New York, die die Lage der Büros, aber auch der IT-Infrastruktur und der Server betreffen. Dem neuen EU-Gebäude gab der US-Geheimdienst den Codenamen "Apalachee". Die EU-Botschaft in Washington wurde intern "Magothy" genannt.

Laut den internen Dokumenten unterhält die NSA zudem in mehr als 80 Botschaften und Konsulaten weltweit ein eigenes Abhörprogramm, das intern "Special Collection Service" genannt wird und oft ohne das Wissen des Gastlands betrieben wird. Einen entsprechenden Lauschposten soll die NSA demnach in Frankfurt, einen weiteren in Wien unterhalten.

vks/dpa

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