Uno-Versammlung Westliche Staaten boykottieren Gedenkminute für Kim Jong Il

Eine Minute lang sollte in der Generalversammlung der Vereinten Nationen des verstorbenen nordkoreanischen Alleinherrscher Kim Jong Il gedacht werden.  Vertreter der USA, Japans und europäischer Staaten fanden das unangemessen - und verließen demonstrativ den Saal.

Schweigeminute für Kim Jong Il in der Uno-Generalversammlung: Viele leere Stühle
AP/ UNTV

Schweigeminute für Kim Jong Il in der Uno-Generalversammlung: Viele leere Stühle


New York - "Es ist meine traurige Aufgabe, Kim Jong Ils zu gedenken, des Generalsekretärs der Arbeiterpartei von Korea, des Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates der Demokratischen Volksrepublik von Korea und des Oberkommandierenden der koreanischen Volksarmee, der am vergangenen Samstag, den 17. Dezember verschied." Mit diesen Worten hat der Präsident der Uno-Generalversammlung, Nassir Abdulaziz Al-Nasser, am Donnerstag zu einer Gedenkminute für den verstorbenen nordkoreanischen Diktator aufgerufen.

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Heft 52/2011
Was Paare unzertrennlich macht

Doch das ging einigen Mitgliedern der Generalversammlung zu weit: Demonstrativ verließen unter anderem Vertreter der USA, europäischer Staaten sowie Japans den Saal im Uno-Gebäude in New York. "Wir glauben nicht, dass dies angemessen war", sagte ein westlicher Diplomat. Nachdem 25 Sekunden der Gedenkminute abgelaufen waren, ging Al-Nasser wieder zur Tagesordnung über.

Nordkorea hatte zuvor beantragt, dass die Uno den Machthaber in der Generalversammlung würdigt. Westliche Diplomaten wiesen darauf hin, dass die Forderung nach einer Gedenkminute sehr unüblich sei und dass man überrascht sei, dass Al-Nasser dem Wunsch nachgekommen sei. Dieser rechtfertigte den Akt mit Protokoll-Gründen.

Ein Antrag Nordkoreas für eine Gedenkminute im Uno-Sicherheitsrat wurde nach Angaben westlicher Diplomaten jedoch abgelehnt. Das Gremium hat Sanktionen gegen den Staat beschlossen, weil es Atomwaffen entwickelt.

Dass die Bitte um ein Gedenken für einen verstorbenen Staatschef nicht die Regel ist, zeigt das Beispiel Tschechiens. Dort war am Sonntag der frühere Präsident und einer der Anführer der "samtenen Revolution",Václav Havel, gestorben. Ein Vertreter der Regierung in Prag erklärte, um eine Gedenkminute der Uno für den beliebten Politiker werde nicht gebeten.

aar/Reuters

insgesamt 8 Beiträge
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rainer_daeschler 23.12.2011
1. Formal nicht notwendig
Auch unter formalen Gesichtspunkten, wären die Boykotteure auf der sicheren Seite. Es ist ja kein Staatsoberhaupt (das ist weiterhin der verstorbene Vater Kim Il-sung), oder ein Regierungschef gestorben. Kim Jong-il war: * Generalsekretär der Arbeiterpartei * Vorsitzender der Nationalen Verteidigungskommission * Oberster Befehlshaber der Volksarmee Auch wenn ihn das zweifellos zum einflussreichsten Mann Koreas machte und er von seinem Volk als "Führer" tituliert wurde, formal hatte er keine Position, die ein besonderes Gedenken seitens der Uno-Generalversammlung erfordert hätte.
kagu 23.12.2011
2.
Zitat von sysopEine Minute lang sollte in der Generalversammlung der Vereinten Nationen dem verstorbenen nordkoreanischen Alleinherrscher Kim Jong Il gedacht werden.* Vertreter*der USA, Japans und europäischer Staaten fanden das unangemessen - und verließen demonstrativ den Saal. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,805574,00.html
Eigentlich halte ich nichts davon, sich bei Diskussionen zu Sachverhalten an eventuellen Deutschfehlern hochzuziehen. Allerdings fällt mir das schwer, wenn diese Fehler Leuten passieren, zu deren Handwerkszeug die deutsche Sprache gehört, wie zum Beispiel den Journalisten. Deshalb möchte ich die Ausage im Artikel, dass der Präsident der Uno-Generalversammlung gesagt haben soll: "Es ist meine traurige Aufgabe Kim Jong Il zu gedenken, dem Generalsekretär der Arbeiterpartei von Korea, dem Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates der Demokratischen Volksrepublik von Korea und dem Oberkommandierenden der koreanischen Volksarmee, der am vergangenen Samstag, den 17. Dezember verschied.", so unkommentiert nicht stehen lassen. Es ist zwar zutreffend, dass etliche Deutsche, darunter leider auch immer mehr Moderatoren und Nachrichtensprecher, gedenken mit dem Dativ gebrauchen - aber das ist falsch, "gedenken" verlangt in der deutschen Sprache immer noch den Genitiv. Die Übersetzung hätte also lauten müssen; Es ist meine traurige Aufgabe Kim Jongs Il zu gedenken, des Generalsekretärs der Arbeiterpartei von Korea, des Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates der Demokratischen Volksrepublik von Korea und des Oberkommandierenden der koreanischen Volksarmee, der am vergangenen Samstag, den 17. Dezember verschied." Großzügigerweise hat uns der Spiegel die Wahl gelassen, indem er in der Artikelüberschrift den Genitiv, im Weiteren, wie auch hier, dann aber den Dativ benutzt hat. Richtig ist aber nach wie vor der Genitiv. I
wohlmein 24.12.2011
3. Nur Kleinkarierte, egal wo man hinschaut
Zitat von sysopEine Minute lang sollte in der Generalversammlung der Vereinten Nationen dem verstorbenen nordkoreanischen Alleinherrscher Kim Jong Il gedacht werden.* Vertreter*der USA, Japans und europäischer Staaten fanden das unangemessen - und verließen demonstrativ den Saal. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,805574,00.html
So lang selbst in der UNO keine souveräneren Köpfe sitzen, muß man sich nicht wundern, daß wir dem Weltfrieden nicht näher kommen. Aber wie sollen auch souveräne Köpfe in die UNO-Gremien kommen, wo sie doch, um in eine solche Position zu gelangen, sich zuvor hochdienen mussten? Da gibt es doch ein Bild/eine Zeichnung, auf der befindet sich eine Art Kaffeemühle. In diese werden oben Menschlein hineingefüllt - und unten kommen alle als Würfelmenschen heraus. In unserem Fall: die einen rot, die anderen blau, zum Beispiel. Weiß jemand, wer der Zeichner war ?
wohlmein 24.12.2011
4. Sprache ändert sich
Zitat von kaguEigentlich halte ich nichts davon, sich bei Diskussionen zu Sachverhalten an eventuellen Deutschfehlern hochzuziehen. Allerdings fällt mir das schwer, wenn diese Fehler Leuten passieren, zu deren Handwerkszeug die deutsche Sprache gehört, wie zum Beispiel den Journalisten. Deshalb möchte ich die Ausage im Artikel, dass der Präsident der Uno-Generalversammlung gesagt haben soll: "Es ist meine traurige Aufgabe Kim Jong Il zu gedenken, dem Generalsekretär der Arbeiterpartei von Korea, dem Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates der Demokratischen Volksrepublik von Korea und dem Oberkommandierenden der koreanischen Volksarmee, der am vergangenen Samstag, den 17. Dezember verschied.", so unkommentiert nicht stehen lassen. Es ist zwar zutreffend, dass etliche Deutsche, darunter leider auch immer mehr Moderatoren und Nachrichtensprecher, gedenken mit dem Dativ gebrauchen - aber das ist falsch, "gedenken" verlangt in der deutschen Sprache immer noch den Genitiv. Die Übersetzung hätte also lauten müssen; Es ist meine traurige Aufgabe Kim Jongs Il zu gedenken, des Generalsekretärs der Arbeiterpartei von Korea, des Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates der Demokratischen Volksrepublik von Korea und des Oberkommandierenden der koreanischen Volksarmee, der am vergangenen Samstag, den 17. Dezember verschied." Großzügigerweise hat uns der Spiegel die Wahl gelassen, indem er in der Artikelüberschrift den Genitiv, im Weiteren, wie auch hier, dann aber den Dativ benutzt hat. Richtig ist aber nach wie vor der Genitiv. I
EIGENTLICH müsste ich zunächst bemängeln, daß nach "hätte lauten müssen" ein Strichpunkt fehl am Platz ist, aber vermutlich hat man seine Lesebrille verlegt. GRUNDSÄTZLICH handelt es sich bei jeder Sprache um etwas, was sich ständig verändert. Betrachten wir die Deutsche Sprache, so stellen wir zum Beispiel fest, daß unregelmäßige Verben dazu neigen, zu den regelmäßigen überzulaufen. Und ähnlich geht es dem Genitiv: "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod!" Hiermit befaßt sich das Institut der Deutschen Sprache - so es dieses noch giebt (absichtlich mit "ie"). Hier wurde unter anderem gesprochene Sprache transkribiert, um zu dokumentieren, wie sich Sprache verändert. Daß dem so ist, kann man aber auch leicht feststellen anhand der historische belegten Lautverschiebungen. Und wenn die Gebrüder Grimm nicht gewesen wären: was hätten wir dann erst an Vielfalt. Dann käme der zitierte Forist ja garnicht mehr aus dem Staunen heraus! Ansonsten: Nix für ungut - und Frohes Fest!
nononsense 24.12.2011
5. Boykott war ein absolutes Muss!
Zitat von rainer_daeschlerAuch unter formalen Gesichtspunkten, wären die Boykotteure auf der sicheren Seite. Es ist ja kein Staatsoberhaupt (das ist weiterhin der verstorbene Vater Kim Il-sung), oder ein Regierungschef gestorben. Kim Jong-il war: * Generalsekretär der Arbeiterpartei * Vorsitzender der Nationalen Verteidigungskommission * Oberster Befehlshaber der Volksarmee Auch wenn ihn das zweifellos zum einflussreichsten Mann Koreas machte und er von seinem Volk als "Führer" tituliert wurde, formal hatte er keine Position, die ein besonderes Gedenken seitens der Uno-Generalversammlung erfordert hätte.
Es ist völlig richtig und geboten irren Diktatoren jegliche Ehrerbietung zu verweigern. Und dass es überhaupt Staatsvertreter gibt, die ihm die Ehre erwiesen haben , zeigt was für ein Organ die UNO wirklich ist , eigentlich ein Diktatorenclub mit nur wenigen demokratischen Sprengseln.
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