Verletzung der Souveränität Uno verurteilt US-Drohnenangriffe in Pakistan

Mit schwerbewaffneten Drohnen jagen die USA Aufständische in Pakistan - und verletzen damit laut Uno die Eigenständigkeit des Landes. Ein Ermittlerteam der Vereinten Nationen stellte erhebliche Verstöße fest. Viel zu oft gerieten auch Zivilisten unter Beschuss.
US-Drohne: Klare Worte von den Vereinten Nationen

US-Drohne: Klare Worte von den Vereinten Nationen

Foto: AP

Washington - Die Raketen kommen wie aus dem Nichts, von unbemannten Flugobjekten aus großer Höhe abgefeuert. Immer wieder töten die USA durch Drohnenangriffe pakistanische Extremisten. Immer wieder geraten jedoch auch Zivilisten ins Visier der Hightech-Geräte. Nun hat ein Uno-Team in einer neuen Studie die Auswirkungen der Angriffe mit unbemannten Flugobjekten vor allem in Pakistan analysiert. Die Gruppe kommt zu einem klaren Fazit: Mit den Attacken verletzen die USA die Souveränität des Landes.

Ben Emmerson, Uno-Sonderberichterstatter für Menschenrechte und Terrorismusabwehr, berichtet von intensiven Gesprächen mit Vertretern der pakistanischen Führung. Immer wieder sei ihm dabei versichert worden, dass das Land die Luftschläge auf seinem Territorium nicht gutheiße. Die USA bestreiten dies.

Weil Washington von Islamabad aber nicht die Unterstützung bekommt, die es gern hätte, häufen sich die Attacken aus der Luft. Seit dem Amtsantritt von Präsident Barack Obama 2009 wurden die Angriffe noch einmal intensiviert.

Bei seinem geheimen Besuch in Pakistan hatte sich der Uno-Gesandte mit zahlreichen Regierungsvertretern, aber auch mit Stammesoberen aus der Krisenregion Nordwaziristan getroffen. In diesem Gebiet, das als Rückzugsareal der militanten Taliban gilt, gibt es besonders viele Drohnenschläge. Dabei würden regelmäßig auch unbeteiligte Zivilisten getötet. Entsprechend groß sei die Wut in der Bevölkerung.

Die Regierung Obama betont zudem immer wieder, dass die Zahl der Opfer unter der Zivilbevölkerung äußerst überschaubar sei. CIA-Chef John Brennan bezeichnete solche Fälle als "äußert seltene Ausnahmen".

Auch hier zeichnet die Uno ein anderes Bild. Laut Emmersons Bericht beklagten die pakistanischen Behörden bisher mehr als 400 tote Zivilisten durch US-Drohnenangriffe.

Mehr als 3200 Drohnentote in Pakistan

Der regierungsunabhängige Think-Tank New America Foundation gibt die Zahl der Drohnentoten seit 2004 mit bis zu 3200 Menschen an. Bei zwischen 18 und 23 Prozent der Getöteten habe es sich um zivile Opfer gehandelt. "Erwachsene Männer, die ihrem Tagewerk nachgehen, waren regelmäßig Opfer solcher Angriffe", heißt es in der Uno-Anklage.

Emmerson schickte einen deutlichen Appell an die US-Vertreter: "Es ist an der Zeit, dass die Sorgen der pakistanischen Regierung ernst genommen werden. Sie muss die Chance bekommen, ohne den Eingriff anderer Länder für Frieden auf ihrem Staatsgebiet zu sorgen."

Auch von anderer Seite droht dem US-Drohnenprogramm neuer Ärger. Ein Gericht in Washington, D.C., entschied am Freitag, dass die CIA konkretere Angaben über den Einsatz der unbemannten Flieger machen muss. Bisher weigert sich der US-Geheimdienst sogar, die bloße Existenz eines Drohnenprogramms einzuräumen.

jok/AP