Uno-Vollversammlung Palästina erwartet den Schicksalsmoment

Der Countdown läuft: Palästinenser-Chef Abbas will vor der Uno einen eigenen Staat einfordern, vor seiner entscheidenden Rede wachsen die Spannungen. Israel stellt sich auf schwere Krawalle im Westjordanland ein. An der Grenze fahren Spezialkommandos auf.

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Aus Ramallah berichtet Gil Yaron


Selbst das Wetter ist jetzt wichtig: Just in dem Augenblick, in dem Palästinenserpräsident Mahmud Abbas am Freitag seine historische Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York halten will, soll es in Palästina gewittern, sagen die Meteorologen voraus.

Der Niederschlag könnte die Gemüter abkühlen: Kurz vor der Abbas-Rede ist die Stimmung in den Palästinensergebieten und an den Grenzanlagen zu Israel angespannt. Es werden am Wochenende schwere Ausschreitungen befürchtet.

Abbas will vor der Uno die Anerkennung Palästinas als 194. Staat erreichen. Was er genau sagen wird, ist noch nicht bekannt. Doch schon jetzt steht fest, dass dieser Freitag ein Schicksalsmoment für die Region werden könnte: Abbas und seine Getreuen wollen mit ihrem Vorstoß endlich den Weg zu einer Zwei-Staaten-Lösung frei machen. Israel ist strikt dagegen, die USA wollen eine Mitgliedschaft der Palästinenser mit einem Veto blockieren. Neue Konflikte drohen, der Zorn in der arabischen Welt auf Israel und den Westen könnte wachsen. Die internationalen Friedensvermittler müssen eine Lösung finden.

Am Kalandia-Checkpoint zwischen Jerusalem und Ramallah ist die Spannung bereits spürbar. Der wichtigste Grenzübergang ist seit drei Tagen geschlossen. Im ganzen Westjordanland wurden die israelischen Truppen mit fünf Bataillonen verstärkt, neun weitere stehen auf Abruf bereit.

Neben der Mauer sind die neuen Geheimwaffen der Armee postiert: Das "Stinktier" - ein Lastwagen, der eine grüne, stinkende Flüssigkeit versprüht, und der "Schrei", der einen schrillen Ton erzeugt, der Demonstranten auseinandertreiben soll. Hier liegt noch der Geruch verbrannter Reifen in der Luft, die bei den Protesten am Mittwoch angezündet wurden. Dabei wurden fünf Palästinenser leicht verletzt.

Ramallah sieht inzwischen aus wie ein Großlager für Palästina-Fahnen: Die schwarz-weiß-rot-grüne Flagge flattert an Polizeiautos und Laternen, hängt herab von Dächern und Terrassen. Seit Tagen schon gibt sich die Autonomiebehörde Mühe, die Mengen in eine Art Uno-Begeisterung zu versetzen. Auf dem Manara-Platz mitten in Ramallah wurde ein 6,5 Meter hoher und 3,5 Meter breiter, blauer Stuhl enthüllt. Das Gebilde aus Stahl und Gips strahlt in Uno-himmelblauer Farbe, weiße Buchstaben weisen das Riesenmöbel als Palästinas Sitz bei den Vereinten Nationen aus. Seit Wochen läuft im Land die Kampagne "Palestine 194": In Radio- und Fernsehspots, in Zeitungsanzeigen, auf Postern und Demonstrationen wirbt sie für ihre Bemühungen, als 194. Staat in der Uno als vollwertiges Mitglied aufgenommen zu werden.

Die Mehrheit der Bevölkerung steht im Augenblick hinter Abbas: Laut einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung unterstützen 83 Prozent der Palästinenser seinen Ansatz. "Zum ersten Mal fühle ich, dass sich irgendetwas bewegt", sagt Sari Sidan, 30, der im glitzernden Shopping Center Ramallahs einen Laden mit DVDs und Videospielen betreibt. "Abbas hat alles versucht, die Uno ist unsere letzte Option", meint Sari. Doch wirklich zuversichtlich ist er nicht. Einschränkend fügt er hinzu: "Die Geschichte zeigt doch, dass die USA immer auf Seiten Israels sind. Die Welt, die anderen Araber - sie halten uns gegenüber nie ihre Versprechen ein."

Spannung ja - aber Euphorie will nicht aufkommen

Das mag erklären, warum in der Bevölkerung keine Euphorie aufkommen will. Zwar wollen 54 Prozent der Palästinenser an friedlichen Demonstrationen für einen Palästinenserstaat teilnehmen, dennoch musste die Autonomiebehörde am Mittwoch eigens schulfrei geben und Beamte und Parteifunktionäre zum Arafat-Platz in Ramallah karren, um für eine zentrale Veranstaltung hier Tausende Demonstranten aufzubringen.

Es war alles da, was eine gute Demo braucht: Pfadfinder trommelten Märsche, große Poster mit Abbas' zuversichtlichem Lächeln flatterten im Wind, rhythmische arabische Parolen gingen durch die Masse, während Händler Palästina-Schals und Pitabrote verkauften. Doch Begeisterung kam erst auf, als die PLO-Band al-Aschequeen in Arafat-Militäroutfit Volkslieder spielte.

Die Rede von US-Präsident Barack Obama am Mittwochabend versetzte der Stimmung einen weiteren, schweren Dämpfer: "Es war viel schlimmer als erwartet", sagt der palästinensische Analyst Sam Bahour. Mitglieder von Abbas' Delegation in New York sprachen davon, dass die USA ihnen "in den Rücken gefallen" seien. Obama hatte sich eindeutig gegen Abbas Initiative ausgesprochen und zur Wiederaufnahme von Verhandlungen aufgerufen.

Am Freitagabend soll es anders laufen. Diesmal wird über der Riesenbühne auf dem Arafat-Platz eine große Leinwand stehen. Um 18 Uhr werden die Kirchenglocken läuten und Muezzins von den Minaretten rufen: "Es wird eine Unterstützungsdemo für Abbas werden", sagt Xavier Abu Eid, Mitglied des palästinensischen Verhandlungsteams. Tanzgruppen, Musik und ein paar Reden sind geplant, dann wird Abbas' Rede gefeiert. Offiziell sind die Erwartungen gering: "Das Wichtigste ist, dass Abbas nicht aufgibt. Wir haben Israel schon besiegt", sagt Mustafa Barghouti, der an der Spitze der Kampagne "Palestine 194" steht. "Mehr als zwei Drittel der Uno-Mitglieder haben uns bereits anerkannt. Dies wird nur ein weiterer Schritt auf einem langen Weg", sagt Barghouti.

Explosives Gemisch: Hoffnung, Angst und Frust

Dennoch ist unklar, wie die Massen reagieren werden: "Ich will einen Flughafen, einen richtigen Pass, ein Visum. Ich bin unter israelischer Besatzung geboren. Ich will endlich wissen, wie sich Freiheit anfühlt", sagt Sari im Shopping-Zentrum. Er ist bereit, einen Palästinenserstaat, wie von Abbas gefordert, in den Grenzen von 1967 anzunehmen. "Aber danach machen wir weiter, bis wir Tel Aviv erobern."

Raed Kadadka, ein Bauarbeiter, der nebenan seinen Kaffee schlürft, stimmt Sari zu: "Wenn die Flüchtlinge heimkehren, ist in Palästina nicht genug Platz. Dann müssen die Juden hier verschwinden." Israels Standpunkt will hier niemand hören. Laut Abu Eid soll die Übertragung kurz vor Benjamin Netanjahus Ansprache in der Uno abgebrochen werden. Er soll nach Abbas reden. "Der Mann ist nur Schall und Rauch. Niemand glaubt ihm. Besser, wir schalten ab, wir wollen ja keine Gewalt gegen die Leinwand hier sehen", sagt Abu Eid. Sari ist pessimistisch: "Mit Israel wird nichts friedlich bleiben", sagt der junge Mann.

insgesamt 138 Beiträge
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Seite 1
atherom 23.09.2011
1. Was erwartet eigentlich Abbas von seinem Antrag
Zitat von sysopDer Countdown läuft: Palästinenser-Chef Abbas will vor der Uno einen eigenen Staat einfordern, vor seiner entscheidenden Rede wachsen die Spannungen. Israel stellt sich auf schwere Krawalle im Westjordanland ein. An der Grenze fahren Spezialkommandos auf. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,788025,00.html
(an den ihn sein "Freund" Erdogan erst gebracht haben soll)? Dass es umgehend einen Staat geben wird, Israelis sich zurückziehen werden (vorerst wohl zu der 67-er Grenze, danach weiter, weil man ja einen Staat aus der Zeit vor 1948 will), Türkei liefert unter Schutz von Zerstörern "Hilfe" in Form von Waffen? Und was dann? Nein, ohne direkte Gespräche wird es keinen Staat für die Palästinenser geben, Abbas kann nicht dauernd NEIN sagen und dann so tun, als ob es die Israelis wären und dauernd auf Siedlungsbau zeigen. Nethanjau hat kürzlich den Siedlungsbau für 10 Monate ausgesetzt - als Vobedingungen für Gespräche.. Trotzdem sah die arabische Seite keinen Grund, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Es ist schön, dass Friedensfreunde hierzulande nur einen Friedensfeind -Israel- sehen. An der tatsächlichen Gegebenheiten ändert das nichts, an Friedensaussichten auch nicht.
Siak 23.09.2011
2. Die demokratie hüter
Bin sehr gespannt wie die demokratie hüter zusagen haben und wie die reagieren.
aschu0959 23.09.2011
3. schon im Titel ein böser Fehler.....
Auf die Gefahr hin hier bekanntes zu wiederholen: Es gibt kein Palästina! Das was hier mal wieder als Palästina bezeichnet wird war ein Teil des osmanischen Reiches, davor die römische Provinz Judäa - und seit dem UN Beschluss ist ein großer Teil davon Israel. Und solange die Palästinenser dies nicht anerkennen, weiter Hass predigen und Raketen verschießen, wird es auch keinen Landstrich dort unten geben der sich Palästina nennen kann.
Heinz-und-Kunz 23.09.2011
4. Auch gegen Titelzwang
Zitat von sysopDer Countdown läuft: Palästinenser-Chef Abbas will vor der Uno einen eigenen Staat einfordern, vor seiner entscheidenden Rede wachsen die Spannungen. Israel stellt sich auf schwere Krawalle im Westjordanland ein. An der Grenze fahren Spezialkommandos auf. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,788025,00.html
Schicksalsmoment??? Wie bitte? Wenn die Araber endlich mal ihren Frieden mit den Juden machen würden, das wäre ein Schicksalsmoment. Was Herr Abbas da in der UN sagt sind Worte, entscheidend sind Taten. Und da sehe ich nix, bzw. keine positiven. Wie dieses PR-Spielchen, das Herr Abbas in der UN aufführt.
irobot 23.09.2011
5. Hier könnte Ihre Werbung stehen!
---Zitat--- "Aber danach machen wir weiter, bis wir Tel Aviv erobern." ---Zitatende--- ---Zitat--- "Wenn die Flüchtlinge heimkehren, ist in Palästina nicht genug Platz. Dann müssen die Juden hier verschwinden." ---Zitatende--- Tja, mit der Einstellung wird das nie was.
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