Uno-Vorwurf Assad-Behörden verhören 300 Flüchtlinge aus Homs

Mehr als 1100 Menschen konnten die belagerte syrische Stadt Homs seit der Waffenruhe verlassen. Doch nicht alle ungehindert, wie das Uno-Flüchtlingshilfswerk kritisiert. Etwa 300 Männer würden von den Behörden des Assad-Regimes festgehalten.
Syrische Flüchtlinge aus Homs: Seit mehr als einem Jahr belagert

Syrische Flüchtlinge aus Homs: Seit mehr als einem Jahr belagert

Foto: BASSEL TAWIL/ AFP

Damaskus/Genf - Mehr als ein Jahr hatten die Bewohner im syrischen Homs ausgeharrt, bis endlich Hilfe kam: Noch bis Mittwoch gilt für die belagerte Stadt eine Waffenruhe. 1132 Menschen konnten Homs bereits verlassen - allerdings nicht ohne weiteres.

Etwa 300 Männer, die in den vergangenen Tagen die von Rebellen gehaltene Altstadt verlassen hätten, würden festgehalten und verhört, sagte eine Sprecherin des Uno-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) am Dienstag. Es handle sich um Menschen, die zwischen 15 und 55 Jahre alt und damit als kriegsfähig eingestuft worden seien. 41 seien inzwischen wieder freigelassen worden.

Ursprünglich hatte die syrische Führung nur Frauen und Kindern sowie Männern über 55 sicheres Geleit zugesagt. Am Sonntag weitete der Gouverneur der gleichnamigen Provinz die Regelung auch auf jüngere Männer aus. Er kündigte aber an, dass diese zunächst einen "juristischen Prozess" durchlaufen müssten, der eine Amnestie einschließen könne.

Das Zentrum von Homs wird seit mehr als einem Jahr belagert. Die Vereinten Nationen schätzen, dass sich 2500 Zivilisten in der Altstadt von Homs aufhalten.

Regierung und Rebellen verlängern Feuerpause

Das Evakuierungsabkommen wurde bis Mittwoch verlängert, wie die Uno-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos am Montag in New York mitteilte. Die Kampfpause sollte eigentlich am Sonntagabend enden.

Ziel ist es, den notleidenden Menschen Lebensmittel und medizinische Hilfe zukommen zu lassen oder sie in Sicherheit zu bringen. Die Vereinbarung, Zivilisten aus Homs ziehen zu lassen, war das erste konkrete Ergebnis der internationalen Konferenz in der Schweiz zur Beendigung des syrischen Bürgerkriegs. Die Gespräche verlaufen insgesamt nur schleppend.

Uno-Nothilfekoordinatorin Amos nannte es aber "vollkommen inakzeptabel", dass einige Hilfskonvois trotz der geltenden Feuerpause unter Beschuss geraten seien. Regierung und Rebellen beschuldigten sich gegenseitig des Angriffs.

Der Aufstand gegen Machthaber Baschar al-Assad tobt seit fast drei Jahren. Mehr als 100.000 Menschen wurden getötet, Millionen sind auf der Flucht.

Russland blockiert neue Uno-Resolution zu Syrien-Hilfe

Die syrischen Bürgerkriegsparteien setzten am Dienstag ihre Gespräche in Genf fort. Die Delegation des Regimes von Präsident Assad forderte zu Beginn eines Treffens mit der Opposition und Uno-Vermittler Lakhdar Brahimi eine Schweigeminute für Angehörige der alawitischen Minderheit, die Anfang der Woche in einem Dorf der Provinz Hama getötet worden waren. Es war die erste gemeinsame Sitzung der Konfliktparteien seit Ende Januar.

Am Sitz der Vereinten Nationen wurden Gespräche über einen Resolutionsentwurf zur humanitären Lagen in Syrien geführt, der von den Regierungen Luxemburgs, Australiens und Jordaniens stammt. Assads Verbündeter Russland wies diesen aber scharf zurück. Der Entwurf sei "absolut einseitig und fern jeder Realität", zitierte die Nachrichtenagentur Interfax den russischen Außenminister Sergej Lawrow.

Ohne die Zustimmung der Vetomacht Russland kann eine Resolution im Uno-Sicherheitsrat nicht durchkommen. Der von Lawrow kritisierte Entwurf sieht unter anderem vor, Sanktionen gegen Personen und Institutionen zu verhängen, die Hilfsmaßnahmen behindern.

heb/Reuters/dpa
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