Humanitäre Hilfe Uno warnt vor Hungersnot in Somalia

Die Uno ruft die internationale Gemeinschaft zur Hilfe auf. Somalia droht ein humanitärer Notfall. Mehr als 850.000 Menschen brauchen dringend Nahrung, zwei Millionen sind akut gefährdet.

Somalische Flüchtlinge: Hunderttausende Menschen sind von Hungersnot bedroht
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Somalische Flüchtlinge: Hunderttausende Menschen sind von Hungersnot bedroht


Mogadischu/New York - Der Koordinator der humanitären Einsätze der Vereinten Nationen, John Ging, hat vor einer erneuten Hungerkatastrophe in Somalia gewarnt. In einer Pressekonferenz am Dienstag sprach er davon, dass "mehr als 850.000 Somalier dringend Nahrung brauchen und sich in alarmierendem Zustand befinden".

Bei weiteren zwei Millionen Menschen sah er die Versorgung mit Lebensmitteln akut gefährdet. "Diese Zahlen sind sehr, sehr hoch" sagte Ging, der gerade von einer dreitägigen Reise aus Somalia zurückgekehrt ist. "Sie zeigen uns, wie ernst und gefährlich die humanitäre Lage der Menschen in Somalia ist." Ging forderte, dass mindestens 900 Millionen Dollar, etwa 680 Millionen Euro, an Hilfen bereitgestellt werden. Er erinnerte an die Tragödie von 2011, als 260.000 Menschen der Hungersnot in dem ostafrikanischen Land zum Opfer fielen. Bisher hätten die Vereinten Nationen nur 36 Millionen Dollar erhalten, gerade einmal vier Prozent der nötigen Summe. In 2013 konnten die Hilfsforderungen nur zur Hälfte finanziert werden.

Ein Vierteljahrhundert Leid

"Die Somalier leiden seit fast einem Vierteljahrhundert. Wir dürfen uns nicht von ihnen abwenden, und dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Niemand will, dass sich die Katastrophe von 2011 wiederholt", unterstrich er seinen Aufruf. "Wir müssen den Menschen ein Leben in ihrer Heimat ermöglichen und ihnen helfen, für sich und ihr Leben zu sorgen."

Das Büro für Lebensmittelsicherheit und Ernährung in Somalia gibt an, dass drei Viertel der Hungernden Flüchtlinge seien, die wegen des Bürgerkriegs oder auf der Suche nach Nahrung ihre Heimat verlassen haben. Andere befänden sich in ländlichen Gebieten und seien nur schwer zu erreichen.

Jahrzehntelange Anarchie

Somalia bemüht sich, nach langen Jahren des Bürgerkriegs und der Anarchie die erste funktionierende Regierung seit 1991 aufzubauen. Die Schabab-Rebellen wurden zwar 2011 aus der Hauptstadt Mogadischu vertrieben, dennoch stehen weite Teile Südsomalias unter ihrem Einfluss. Die Regierung des Präsidenten Hassan Scheich Mohamud kontrolliert nur kleine Teile Somalias, das etwa doppelt so groß ist wie Deutschland. Überall im Land regieren Clans, Warlords oder lokale Milizen.

Die Bevölkerung des etwa zehn Millionen Einwohner zählenden Landes am Horn von Afrika wird immer wieder von Dürren und Hungerkatastrophen heimgesucht. Etwa eine Million Menschen befinden sich in Somalia auf der Flucht, eine weitere Million in Nachbarländern, die meisten davon in Kenia.

In Deutschland war zuletzt im Gespräch, dass sich die Bundeswehr an einer EU-Ausbildungsmission für somalische Streitkräfte beteiligen soll.

baf/AP



insgesamt 14 Beiträge
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cologne237 19.02.2014
1. Black Hawk Down
In diesem Film wurde die Geschichte von US Soldaten erzählt, die in Mogadischu getötet wurden und deren Leichen hinter Autos durch die Stadt geschleift wurden. Mord und Terror von überwiegend Islamisten...oder wie lautet die politisch korrekte Bezeichnung? Mir fällt es schwer, hier den Willen privat Geld zu Spenden aufzubringen. Wo landet das und ünterstütze ich damit nicht Strukturen und Moralvorstellungen die ich ablehne?
unsichtbarergeist 19.02.2014
2. Bevölkerungswachstum ist der Grund
Die Bevölkerung Somalias hat sich von 1960 bis heute von 2.7 Millionen auf 10.2 Millionen erhöht, das macht eine Verdopplung etwa alle 25 Jahre.Da ist doch klar, dass Ressourcen und Land verknappen. Die UNO soll dem Land Verhütungsmittel schicken, dafür würde ich sogar spenden. Lebensmittel ohne Stopp des Bevölkerungswachstums bringen gar nix, denn sonst hungern in 25 Jahren eben 20 Millionen Menschen - bei gleichem Nahrungsangebot und Land.
humpalumpa 19.02.2014
3. Aha
Und wieviel von den 900 Mio. Geht dann erstmal an die ganzen Milizen dort unten , als "Wegzoll"? Mal ehrlich, das bringt doch nix. Die Leute in dem Land müssen das mal selber regeln und das funktioniert nicht, wenn immer wieder nur Geld von Extern reingepumpt wird. Sieht man doch!
meinung2013 19.02.2014
4. Wann
warnt die UNO endlich einmal, daß die Exporte von billigem Geflügelfleisch aus Deutschland und er EU die Strukturen in Afrika zerstören, daß die Gelder für Entwicklungshilfedie bei den Firmen in Deutschland, sowie der EU und der USA landen, eher kontraproduktiv sind und die Konflikte mehr schüren,als dass sie Gutes brinegn. Wann warnt die Uno endlich einmal vor der "Sozialindustrie" hinter der sich NGOs wie z.B. die Konrad Adenauer Stiftung verbergen?
Tevje 19.02.2014
5. Die UN
Zitat von sysopGetty ImagesDie Uno ruft die internationale Gemeinschaft zur Hilfe auf. Somalia droht ein humanitärer Notfall. Mehr als 850.000 Menschen brauchen dringend Nahrung, zwei Millionen sind akut gefährdet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/uno-warnt-vor-hungersnot-in-somalia-a-954334.html
sollte sich aus Somalia heraushalten; diese Art von "Hilfe" ist das Gegenteil dessen, was das Land braucht. Indem man die lokalen Herrschaftsstrukturen durch Fütterung der Bedürftigen zementiert, ändert man nichts an den Verhältnissen. Erst, wenn die Clanchefs gezwungen sein werden, selbst für die Nahrung usw. ihrer Untergebenen zu sorgen, Verantwortung zu übernehmen, erst dann werden Veränderungen auftreten, möglich sein. "Hilfs"missionen, bei denen jede Fahrt eines UN-Besuchers oder NGO-Angehörigen vom Flughafen zum Büro in Mogadischu (oder sonstwo) ein paar 1000 Euro kostet für die bewaffneten Begleiter in ihren neuen Pickups mit der Örlikon Flugabwehrkanone hinten drauf, also eine direkte Alimentierung der Milizen, braucht das Land nun wirklich nicht. Desgleichen sollten sich die UN-Organisationen der Investments der Warlords ausserhalb Somalias annehmen, z.B. in Kenia und Tansania, wo sie wahlweise in den Tourismus (= Hotels, Grundeigentum) oder ins organisierte Verbrechen (Elfenbeinwilderei für die Chinesen, Drogenschmuggel) investieren. Erst, wenn der Beruf des Warlords seine Einträglichkeit verliert, kann man diesen hohen Herrchen an die Kehle gehen -und das erledigen dann shon die Somalis selber.
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