Uno-Bericht Mehr als 70 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht

2018 wurde alle zwei Sekunden ein Mensch vertrieben - so steht es im Flüchtlingsbericht der Uno. Unter den zehn wichtigsten Aufnahmeländern kommt Deutschland auf den fünften Platz.
Aus Myanmar geflüchtete Rohingya im Flüchtlingslager Kutupalong in Bangladesch

Aus Myanmar geflüchtete Rohingya im Flüchtlingslager Kutupalong in Bangladesch

Foto: Clodagh Kilcoyne/ REUTERS

Noch nie hat das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) so viele Flüchtlinge gezählt: Im vergangenen Jahr waren weltweit mehr als 70 Millionen Menschen auf der Flucht - 2,3 Millionen Menschen mehr als 2017. Das wird der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge, Filippo Grandi, am Mittwoch in Berlin bekannt geben. Demnach hat sich die Zahl der Flüchtlinge in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt.

"Die Daten unterstreichen, dass die Zahl der vor Krieg, Konflikten und Verfolgung fliehenden Menschen langfristig steigt", so Grandi in dem Bericht. Obwohl die Sprache, wenn es um Flüchtlinge und Migranten gehe, oft vergiftet sei, gebe es auch Beispiele der "Großmut und Solidarität", gerade von Gemeinschaften, die selbst schon einer großen Zahl von Flüchtlingen Schutz gewährten. "Auf diesen positiven Beispielen müssen wir aufbauen und unsere Solidarität für die vielen Tausenden, die jeden Tag vertrieben werden, verdoppeln", so Grandi.

Das Land, aus dem weltweit die meisten Flüchtlinge stammen, ist mit weitem Abstand Syrien. Im vergangenen Jahr verließen dort knapp 400.000 weitere Menschen ihre Heimat. Auch aus Afghanistan sind mittlerweile Millionen Menschen geflohen, ebenso wie aus dem Südsudan und Myanmar. Die weltweit größte Zahl der neuen Asylbewerber kam im Jahr 2018 aus Venezuela (etwa 341.800 Menschen).

Den größten Teil der 70 Millionen machten Binnenvertriebene aus, also Menschen, die innerhalb ihres Heimatlandes auf der Flucht sind:

  • Dem UNHCR-Bericht zufolge umfasst diese Gruppe 41,3 Millionen Menschen.
  • Menschen, die vor Krieg und Verfolgung aus ihrem Land geflohen sind, beziffert der Bericht auf 25,9 Millionen. Dazu zählen auch 5,5 Millionen palästinensische Flüchtlinge.
  • Vier von fünf Flüchtlingen kommen demnach aus Konflikten, die schon mindestens fünf Jahre andauern.
  • Zu den Flüchtlingen kommen laut UNHCR 3,5 Millionen Asylbewerber, bei denen die Entscheidung über ein Asylgesuch noch aussteht.

Unter den zehn wichtigsten Aufnahmeländern für Flüchtlinge kommt Deutschland auf den fünften Platz. Am meisten Schutzsuchende nimmt nach wie vor die Türkei auf, gefolgt von Pakistan und Uganda.

Gleichzeitig ging die Zahl der neuen Asylanträge in Deutschland laut UNHCR-Bericht im vergangenen Jahr wieder deutlich zurück, von 198.300 in 2017 auf 161.900 im vergangenen Jahr. 2016 lag die Zahl noch bei 722.400 neuen Asylanträgen.

Die größte Gruppe der Asylsuchenden in Deutschland bildeten nach wie vor Syrer (44.200). An zweiter Stelle folgten Iraker (16.300) und danach Menschen aus Iran. Im Gegensatz zu fast allen anderen Nationalitäten stieg hier die Zahl der Asylgesuche an, von gut 8600 auf knapp 10.900.

Für Hunderttausende Menschen hat sich laut UNHCR die Situation gebessert. So konnten 593.800 Flüchtlinge nach Hause zurückkehren. "In jeder Notsituation muss das Ziel immer sein, dass der Flüchtling wieder nach Hause zurückkehren kann", so Grandi. Eine Lösung könne es nur geben, wenn alle Länder zusammenarbeiteten.

vks/Grafiken: Guido Grigat