Unruhen im Kosovo Uno-Polizei stürmt Gerichtsgebäude - Serben greifen Konvoi an

Eskalation im Kosovo: Uno-Einsatzkräfte haben ein Gerichtsgebäude in Mitrovica gestürmt, das serbische Demonstranten aus Protest gegen die Unabhängigkeitserklärung des Kosovo besetzt hielten. Als die Polizisten etliche Festgenommene abtransportieren wollten, griffen Aufständische an.


Kosovska Mitrovica - Die Uno-Polizei im Kosovo muss sich wütender Angriffe Tausender aufgebrachter Serben erwehren. Mehr als 500 Einsatzkräfte stürmten heute ein Uno-Gerichtsgebäude im nördlichen Kosovo, das seit Freitag von serbischen Demonstranten besetzt gehalten wurde. Das Gebäude diente bis 1999 der serbischen Justiz.

Dabei kam es in Kosovska Mitrovica zu Zusammenstößen mit den Demonstranten. Bei einer Explosion wurden drei Uno-Polizisten und zwei Kfor-Soldaten verletzt. Die Polizei setzte Tränengas und Blendgranaten ein. 53 Personen wurden festgenommen. Die Besetzung des Gerichtsgebäudes war Teil der serbischen Proteste gegen die Unabhängigkeitserklärung des Kosovo vom 17. Februar.

Als die Polizisten die Festgenommenen in einem Konvoi abtransportieren wollten, griffen einige Serben an. Nach Angaben von Augenzeugen konnten mehrere Verdächtige fliehen. Jugendliche bewarfen den Transport mit Steinen und Feuerwerkskörpern. Mindestens zwei Fahrzeuge - eins von der Uno, eins von der Nato - gerieten in Brand. Vor dem Einsatz hatten Hunderte französische Nato-Soldaten die Gegend um den Gerichtshof abgeriegelt.

Es waren die schwersten Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten seit der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo vor einem Monat. Die etwa 120.000 Serben im Kosovo lehnen die Unabhängigkeit der Region ab. Die Regierung in Belgrad hatte angekündigt, die Eigenständigkeit der ehemaligen südserbischen Provinz nicht zu akzeptieren und seine Kontrolle im serbisch dominierten Norden des Territoriums auszubauen. Die Kosovo-Albaner hatten sich am 17. Februar einseitig für unabhängig erklärt, nachdem monatelange Verhandlungen über eine gütliche Lösung gescheitert waren.

ffr/AP/Reuters/AFP



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