Ägypter über die Zukunft ihres Landes "Supermann gesucht!"

In Ägypten toben Straßenschlachten zwischen Mursi-Anhängern, Mursi-Gegnern und dem Militär. Was sagen Menschen, die nicht auf die Barrikaden gehen? Vier Bürgerinnen und Bürger aus Kairo berichten über ihre Ängste und Hoffnungen für das gespaltene Land.

Von , Ralf Hoppe und


Mamdouh Habashi, 62 Jahre, Architekt, Bauunternehmer aus Kairo:

Unternehmer Mamdouh Habashi: "Das kriegen wir schon hin"

Unternehmer Mamdouh Habashi: "Das kriegen wir schon hin"

"Ich war immer schon politisch interessiert, engagiert, in Deutschland würde man sagen: ein Linker. In Ägypten war man als Linker vor allem ein Exot. Ich musste wohl 60 Jahre alt werden, um dies noch zu erleben - die Politisierung meines Landes, meines Volkes. Trotz aller Dramatik, trotz der Gewalt, es ist unglaublich: Überall im Land wird über Politik diskutiert, an jeder Ecke, und das nach all diesen Jahrzehnten der Lethargie.

Auf dem Tahrir-Platz, vor zweieinhalb Jahren, war ich natürlich dabei. Ich habe nach der Wahl auch akzeptiert, dass die Muslimbrüder ihre Chance bekommen, wenngleich ich ein vehementer Gegner des politisierten Islam bin. Aber sie waren gewählt, sie hatten also eine Chance verdient. So war die Stimmung, würde ich sagen. Und gleichzeitig dachte ich: In spätestens fünf, sechs Jahren haben sie ihre Chance verspielt, dann zeigen sie ihr wahres Gesicht.

In diesem Punkt habe ich mich allerdings geirrt, es ging viel schneller. Sie haben nur fünf, sechs Monate benötigt, um ihre völlige Inkompetenz und Verachtung aller Andersdenkenden und Andersgläubigen unter Beweis zu stellen. Deshalb zogen wir, die Mehrheit der Ägypter, die Notbremse.

Die Folge müssen wir jetzt aushalten: Radikalisierung des politischen Islam, Eskalation. Aber das kriegen wir schon hin. Hoffe ich jedenfalls."

Nasisa Mahmud Abd Rahim, 71 Jahre, Hausfrau aus Kairo:

Hausfrau Mahmud Abd Rahim: "Die Bilder sind entsetzlich"
Ahmed Farouk

Hausfrau Mahmud Abd Rahim: "Die Bilder sind entsetzlich"

"Es war das erste Mal in meinem Leben, vor zweieinhalb Jahren, dass ich auf einer Demonstration war. Mit meinen zwei Krücken habe ich mich auf den Tahrir-Platz gequält. Ich habe rechts ein künstliches Kniegelenk. Es war wirklich mühsam, aber das war mir egal.

Ein bisher unbekanntes Gefühl hatte damals dieses Land erfasst und mich auch: Wir wollten ein Leben in Würde, wir wollten Gerechtigkeit, wir wollten nicht vom erstbesten Polizisten bei der erstbesten Gelegenheit drangsaliert, erniedrigt werden. Wir wollten Arbeit für unsere Kinder und Brot. Das war doch nicht zu viel verlangt, oder? Nach der Revolution habe ich dann Mursi gewählt. Weil ich dachte, er ist ein Mann der Mittelschicht. Ich dachte, er ist nicht so abgehoben wie ElBaradei, er kennt den Alltag, er versteht uns - aber er hat mich enttäuscht. Mich und praktisch alle, die ich kenne.

Deshalb ist das Militär jetzt die einzige Kraft, die das Land noch retten kann. Sonst dreht sich dieser Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt immer weiter. Hier in Imbaba ist es einigermaßen ruhig, aber ich sitze fast ständig vor dem Fernseher, die Bilder sind entsetzlich. Ich habe gebetet, dass es gewaltlos abläuft, mehr als das kann ich nicht tun."

Samah Ahmed al-Gamal, 30, Wirtschaftsjournalistin bei "al-Ahram":

Journalistin Ahmed al-Gamal: "Jetzt brauchen wir einen Charismatiker"
Ahmed Farouk

Journalistin Ahmed al-Gamal: "Jetzt brauchen wir einen Charismatiker"

"Für mich war der Wahlsieg Mursis ein Schock. Was die Muslimbrüder wollen, halte ich nämlich für unvereinbar: Ich bin ein religiöser Mensch, denn Religion ist Schönheit, Versenkung, sie handelt von absoluten, himmlischen Dingen. Politik hingegen ist absolut irdisch, realistisch, da wird gelogen, taktiert, man sucht nach Kompromissen. Beide Sphären kann man nicht zusammenbringen, unmöglich. Und wenn man es versucht, geht es schief.

Genau das geschah unter dem Regime Mursis. Totale Verkennung der Realität. Die dachten bis zum Schluss, sie haben bald eine Mehrheit der Leute hinter sich. Unglaublich! Noch ein, zwei Jahre länger, und man hätte Ägypten nicht mehr wiedererkannt. Und jetzt? Jetzt brauchen wir einen Charismatiker. Supermann gesucht!

Wir brauchen jemanden, der alle an einen Tisch bringt, der den Alltag wieder einkehren lässt, die Wirtschaft in Schwung bringt. Der Sommerschlussverkauf zum Beispiel läuft so schleppend wie nie zuvor; kaum noch ein Tourist, der sich ins Land traut. Den Supermann habe ich im politischen Personal noch nicht entdecken können, aber das muss nicht heißen, dass es ihn nicht gibt."

Nirmin Mohammed, 35 Jahre, Ärztin, Kairo:

Ärztin Nirmin Mohammed (ganz links im Bild): "Einen Märtyrer gewonnen"
Ed Giles/ DER SPIEGEL

Ärztin Nirmin Mohammed (ganz links im Bild): "Einen Märtyrer gewonnen"

"Natürlich werde ich weiter auf die Straße gehen. Mein Bruder träumte von einem freien Ägypten. Er darf nicht umsonst gestorben sein. Dass ich mich jetzt verkrieche, hätte er bestimmt nicht gewollt. Wenn ich weiter gegen diesen Staatsstreich kämpfe, war sein Tod nicht vergebens. Unser Vater sagt: Wir sollen nicht trauern, denn wir haben keinen Bruder verloren, sondern einen Märtyrer gewonnen.

Der Tod meines Bruders, der nicht zur Mursi-Partei gehörte, war kein Versehen. Er starb, als er Ende des vergangenen Monats das Leben anderer Demonstranten retten wollte: Einige hundert Demonstranten hatten das Rabaa al-Adawija-Lager verlassen, um zu einer nahen Brücke zu ziehen, als die sogenannten Sicherheitskräfte zuschlugen. Mein Bruder war in dem Anti-Coup-Camp geblieben.

Als er aber von den Verletzten hörte, hat er sich in einen Wagen gesetzt und ist rausgefahren. Zehnmal hat er Leute zum Lazarett im Rabaa-Lager gefahren. Bei der elften Tour traf ihn die Kugel eines Heckenschützen in den Nacken. Es war ein gezielter Schuss. Ich bin Ärztin, ich kann das beurteilen."

Hamed Abdel-Samad, 41 Jahre, deutsch-ägyptischer Politologe und Buchautor ("Mein Abschied vom Himmel", "Der Untergang der islamischen Welt"):

Politologe Abdel-Samad: "Die Muslimbrüder müssen sich von der alten, faschistoiden Garde trennen"
DPA

Politologe Abdel-Samad: "Die Muslimbrüder müssen sich von der alten, faschistoiden Garde trennen"

Anfang Juni kritisierte er in einem Vortrag in Kairo den "religiösen Faschismus" der Muslimbrüder, seitdem wird er mit dem Tod bedroht und lebt unter Polizeischutz in Berlin.

"Die ägyptischen Sicherheitskräfte haben mit harter Hand durchgegriffen, und nichts anderes war zu erwarten: Sie sind nicht geübt darin, Proteste gewaltfrei aufzulösen. Doch genauso kampfbereit waren die Muslimbrüder. Sie haben ihre Anhänger schon vor Wochen auf den Tod eingeschworen. Und sie suchten gezielt die Provokation: Ihr 'friedlicher Protest' ist ein Mythos, natürlich gab es schwere Waffen in ihren Camps.

Deswegen können sich die Muslimbrüder nicht einfach in die Opferrolle verabschieden, sie tragen selber Blut an den Händen. Warum haben sie alle Kompromisse in den Wind geschlagen? Weil ihre Anführer sich dann hätten rechtfertigen müssen, dass sie den Machtkampf verloren haben.

Natürlich, das, was am 14. August in Kairo passiert ist, war ein Massaker. Doch genauso muss man das, was darauf folgte, beim Namen nennen: Terrorismus. Die Anhänger der Bruderschaft haben Polizisten enthauptet und Kirchen angezündet. Diese blinde Gewalt wird Ägypten auf Monate hin lähmen. Ich sehe nur noch eine Chance für die Bruderschaft, um zu überleben: Ihre jungen Mitglieder müssen sich von der alten, faschistoiden Garde trennen und eine neue Partei gründen, die glaubwürdig demokratisch ist."

Augenzeugen berichten aus Ägypten
Nina Prasch

Nina Prasch
42, Leiterin des Büros der Hanns-Seidel-Stiftung in Kairo

Obwohl genau über dieses Szenario seit Wochen diskutiert wurde, brach die Gewalt überraschend los. Zuletzt schien es ja, als ob die Vernunft doch noch siegen könnte und Vertreter beider Seiten auf eine politische Lösung hinarbeiten würden. Dieser Hoffung wurde mit den Ereignissen nun eine erschreckend klare Absage erteilt. Was unsere tägliche Arbeit betrifft: Ich habe die Mitarbeiter früh nach Hause geschickt. Vor unserem Stiftungsbüro im Stadtteil Zamalek selbst war es zwar ruhig, aber man wusste überhaupt nicht, wann und wo die Gewalt noch eskalieren würde - die Lage war einfach unübersichtlich. Donnerstag haben wir zwar weitergearbeitet, aber es herrscht natürlich kein Alltag. Jedes Gespräch dreht sich um das Blutbad. Die meisten Gesprächspartner hier denken: Das war eine absolut vermeidbare Eskalation, denn es hätte die Chance zu Verhandlungen gegeben. Das macht die Ereignisse umso tragischer.

fab

S. Drabinski

Joachim Schroedel
59, Pfarrer in der Deutschsprachigen Katholischen Gemeinde Kairo

Wir haben keine Angst. Die Nacht war ruhig, der Morgen auch. Unsere Gemeinde liegt 500 Meter vom Tahrir-Platz entfernt. Es hat sicher Aggressionen gegeben, aber bei uns hat man nichts davon gemerkt. Wir haben die Gewaltausbrüche am Fernseher verfolgt.

Ich denke, die Gewalt ebbt so ab, wie sie hochgekocht ist. Dass Kirchen verwüstet wurden, ist schlimm. Aber das ist das letzte Aufbäumen der Mursi-Anhänger. Sie ernten die Früchte ihrer Verweigerungshaltung. Ich war in einem ihrer Lager in Nasr City und habe mich ins Mittelalter zurückversetzt gefühlt.

Über die Ausgangssperre sind wir froh. Wir empfinden das nicht als Bedrohung, sondern als Schutz. Die Leute hier wollen ein starkes Eingreifen des Staates; die Mursi-Anhänger demonstrieren ja nicht, sie üben nackte Gewalt aus.

Man muss in Ägypten vorsichtig sein. Es wird immer wieder zu Angriffen kommen. Aber deswegen schleiche ich nicht mit Tarnkappe durch die Gegend, ich gehe in der Soutane aus dem Haus. Ich bin wagemutig, vielleicht manchmal zu wagemutig.

ulz

Dorothea Reinicke

Dorothea Reinicke
55, arbeitet auf den Tauchsafari-Booten der "Seaqueen"-Flotte in Scharm al-Scheich

Gestern Abend gab es viel Verwirrung und Diskussionen auf Facebook, ob denn nun die Ausgangssperre auch für Scharm al-Scheich gilt. Ich hatte um 20 Uhr noch einen Termin im Krankenhaus und habe die Polizei gefragt, ob ich den wahrnehmen darf - das war in Ordnung. Es war viel weniger Verkehr als sonst, zu Fuß waren nur sehr wenige Leute unterwegs. Auch in der Shopping-Mall Mercato, wo sonst immer sehr viel los ist, waren kaum Menschen. Als ich mein Auto in der Bank Street parken wollte, war die abgesperrt. Dort sind sechs Banken, die Behörden haben Angst vor Überfällen, wie es sie hier nach der Revolution auch gab.

Ich weiß nicht, ob ich jemandem empfehlen würde, genau jetzt herzukommen. Wer sich nur im Hotel aufhalten oder zwei Wochen auf dem Tauchboot verbringen will, hat kein Problem. Aber wer beispielsweise gestern in eine Disco gehen wollte, konnte das nicht machen. Heute Abend sieht es allerdings schon wieder etwas anders aus - gerade habe ich erfahren, dass die Ausgangssperre in Scharm al-Scheich und Dahab aufgehoben wurde.

sto

Shoaib Sabri

Zachary Foster
28, US-Amerikaner, recherchiert in Kairo für seine Dissertation in Islamwissenschaften

Wir bekommen hier in unserem Apartment fast nichts mit. Die lokalen Medien berichten nicht neutral, es ist beinahe unmöglich herauszufinden, was genau passiert. In der vergangenen Nacht haben sich fast alle an die Ausgangssperre gehalten. Ich war um fünf Uhr morgens draußen, da war gar nichts los. Aber heute Nacht wird es anders, glaube ich. Jeder, der auch nur im Entferntesten mit der Muslimbruderschaft oder mit den Opfern sympathisiert, wird heute Abend und heute Nacht auf die Straßen gehen.

lgr

Leoni AG

Bernd Buhmann
49, Sprecher des Nürnberger Automobilzulieferers Leoni

Wir produzieren in Ägypten an drei Standorten mit 4500 Mitarbeitern, die meisten in Kairo. Unsere Produktion läuft weiter, aber wir mussten sie umorganisieren: Statt drei gibt es nur noch zwei Schichten, eine davon geht von sieben Uhr abends bis sieben Uhr morgens - damit wir die Ausgangssperre einhalten. Die Sicherheitslage ist okay, uns hilft, dass wir in einer bewachten Industriezone arbeiten. Die Schwierigkeit besteht darin, die Leute ins Werk zu bekommen, es gibt für sie eigene Busse. Frauen kommen wegen der aktuellen Lage jedoch gar nicht zur Arbeit. Wir haben aus Zeiten der Revolution schon Erfahrung mit solchen Situationen - und haben Waren für zwei Wochen vorproduziert. Normalerweise verschiffen wir nach Europa, aber im Moment ist kein Betrieb im Hafen. Notfalls ziehen wir auch Frachtflüge in Erwägung.

dab

dahab-diveparadise.com

Harald Hess
56, Betreiber der Tauchschule Dive Paradise in Dahab am Roten Meer

Hier ist alles völlig ruhig. Ein Mitarbeiter von mir hat gestern den obersten Polizeichef persönlich gefragt, wie das mit der Ausgangssperre ist: Innerhalb des Ortes war es überhaupt kein Problem, abends unterwegs zu sein und in ein Restaurant zu gehen, nur außerhalb galt die Sperre ab 19 Uhr. Wer hier in den letzten zwei Jahren keinen Fernseher und kein Internet gehabt hat, der hat von den Unruhen fast nichts mitbekommen. 2011 gab es mal Versorgungsengpässe bei Zigaretten. Und als Mursi abgesetzt wurde, haben Leute ein paar Feuerwerksraketen abgeschossen. Wie es allerdings in den nächsten Wochen und Monaten wird, kann ich natürlich nicht vorhersehen.

sto

Shoaib Sabri

Sara Bergamaschi
28, Italienerin, arbeitet mit einem Uno-Fellowship für eine Entwicklungshilfeorganisation in Kairo

Ich wohne an einer großen Kreuzung, ungefähr zwei Kilometer vom Tahrir-Platz entfernt. Normalerweise ist hier immer sehr viel Verkehr. Von gestern Nacht bis heute Vormittag waren die Straßen fast menschenleer, mehrere Panzer waren aufgefahren, ansonsten war es ungewöhnlich still. Jetzt sehe ich wieder ein paar Leute auf der Straße, ich selbst war gestern noch im Supermarkt um die Ecke. Angst habe ich nicht. Wenn man nicht gerade dorthin geht, wo gerade Proteste sind, ist es eigentlich nicht gefährlich draußen. Trotzdem dürfen wir seit gestern nicht zur Arbeit gehen. So sind die Vorschriften der internationalen Organisationen. Ich hoffe nur, dass wir nicht evakuiert werden müssen. Mein Chef klang heute etwas besorgt am Telefon. Ich habe viele ägyptische Freunde, die liefern sich gerade auf Facebook eine regelrechte Propagandaschlacht, keine Ahnung, was davon stimmt und was nicht. Viele wollen heute Abend trotz Ausgangssperre rausgehen. Ich würde auch gern sehen, was los ist. Aber ich werde aufgrund der Sicherheitslage zu Hause bleiben.

lgr

Privat

Ronald Meinardus
57 Jahre, Leiter des Büros der Friedrich-Naumann-Stiftung in Kairo

In meinem Wohnviertel haben die Muslimbrüder nun ein neues Lager errichtet. Da hörte ich nachts Schüsse, Schlachtrufe. Das hat mich gewundert, denn eigentlich herrscht ja die Ausgangssperre. Und man sieht, diesen Anblick gab es lange nicht, Menschen in Zivil mit schweren Waffen: Die Geheimpolizei tritt in Vierteln wie unserem, wo es viele Botschaften gibt, wieder in Erscheinung. Ich habe eine besondere Beziehung zu Ägypten, ich fühle unheimliches Entsetzen über die Geschehnisse. Denn ich habe die Ägypter, auch wenn das etwas stereotyp klingt, immer als sehr gutmütig wahrgenommen. Szenen wie die gestern hätte ich nie für möglich gehalten. Wenn es weiter zu Ausschreitungen kommt, fürchte ich eine Gewaltspirale, die sich immer schneller dreht. Verhandlungen sind im Moment unmöglich, es gibt keine neutrale Instanz mehr. Das Land befindet sich in Schockstarre. Bis wieder ein Dialog stattfinden kann, werden noch Tage, wenn nicht Wochen vergehen.

fab

Symrise AG

Bernhard Kott
53, Sprecher des Holzmindener Duftherstellers Symrise

Von unseren rund hundert Leuten in Ägypten ist keiner in die Unruhen gekommen - da sind wir sehr froh drüber. Unsere Produktion am Rande von Kairo ist derzeit nicht beeinträchtigt. Aber wir haben sie in den vergangenen Wochen schon häufiger früher oder ganz geschlossen, wenn die Proteste zu stark waren. Seit heute Mittag sind unsere Mitarbeiter im arabischen Wochenende, jetzt beobachten wir die Lage und entscheiden dann, ob wir am Sonntag weitermachen. Sollte die Sicherheit unserer Angestellten auf dem Weg zur Arbeit beeinträchtigt sein, werden wir nicht öffnen.

dab

james-mac.com

Michael Kalb
Basisleiter am James & Mac Diving Center in Hurghada

Gestern gab es hier Demonstrationen von Mursi-Anhängern, einige Autoreifen und Müllcontainer haben gebrannt. Das war allerdings nicht in den Straßen, wo die Hotels sind. Direkt bekommen die Urlauber also nichts davon mit. Doch jeder merkt, dass die Stimmung bei den Ägyptern gedrückt ist. Die meisten sehen die Gewalteskalation sehr kritisch, weil sie vom Tourismus leben und nicht wollen, dass weniger Urlauber kommen. In den letzten zwei Tagen bekamen wir verstärkt E-Mails von verunsicherten Menschen, die gerade eine Ägypten-Reise planen. Auf unserer Webseite haben wir einen Blog, in dem wir Fragen beantworten.

sto

insgesamt 55 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
chickenkiller 17.08.2013
1. 3 : 1 gegen Mursi!
Zitat von sysopAhmed FaroukIn Ägypten toben Straßenschlachten zwischen Mursi-Anhängern, Mursi-Gegnern und dem Militär. Was sagen Menschen, die nicht auf die Barrikaden gehen? Vier Bürgerinnen und Bürger aus Kairo berichten über ihre Ängste und Hoffnungen für das gespaltene Land. http://www.spiegel.de/politik/ausland/unruhen-in-aegypten-aegypter-ueber-die-zukunft-des-landes-a-917009.html
Mir wäre eine ausgewogene 50/50 Auswahl der Meinungen lieber gewesen... aber ein Argument zieht: Religion und Staat zu trennen wäre die einzige Möglichkeit für eine Demokratie. Werden wir in "Arabiata" aber nicht mehr erleben. Und schon gar nicht mit Islamfaschisten wie der MB - egal wie demokratisch die gewählt wurden! Betrifft aber auch das Christentum. Sieht man auch in Deutschland. Je religiöser, desto mehr Durchsetzung der damit verbundenen Ordnung von "gut" und "böse". Der liebe Gott macht's möglich ...joa mei ;-)
scharfekante 17.08.2013
2. Bei allem Respekt ...
aus diesem Beitrag wird die Schieflage der Berichterstattung aus Ägypten besonders deutlich: Die Berichterstatter reden fast ausschließlich mit ihresgleichen oder was sie dafür halten: Architekten, Ärzte, Wirtschaftsjournalisten und eine Hausfrau, die ihre Privilegien halten und daher KEINE Demokratie im Lande wollen.
santaponsa 17.08.2013
3. Wenn aus dem 30-jährigen Krieg, ...
... den die "Katholen und Evangelen" sich im 17. Jahrhundert in Nord-Europa angetan haben, in Ägypten nur 3 Jahre zwischen MB und Normalos werden, so wäre dies ein Fortschritt im 21. Jahrhundert. Ich befürchte aber, es werden mehr mörderische Jahre. Wenn in den arabischen Staaten nicht die Trennung von Religion und Staat in die Verfassungen aufgenommen wird, geht der gesamte Nahe Osten ganz ganz schwierigen Zeiten entgegen, besonders dann, wenn der Tourismus zum Erliegen kommt und die Öleinnahmen zurückgehen und die Bevölkerungen dort ungebremst weiterwachsen.
seine-et-marnais 17.08.2013
4. Seltsame Koalitionen
Zitat von sysopAhmed FaroukIn Ägypten toben Straßenschlachten zwischen Mursi-Anhängern, Mursi-Gegnern und dem Militär. Was sagen Menschen, die nicht auf die Barrikaden gehen? Vier Bürgerinnen und Bürger aus Kairo berichten über ihre Ängste und Hoffnungen für das gespaltene Land. http://www.spiegel.de/politik/ausland/unruhen-in-aegypten-aegypter-ueber-die-zukunft-des-landes-a-917009.html
Ich wundere mich über die seltsame Koalition aus amerikanischen republikanischen Hardlinern, Türkei, Katar und Tunesien die die Mursi-Anhänger unterstützen. Saudi-Arabien, VAE, Kuwait und andere Staaten in Nahost unterstützen, auch finanziell, die ägyptische Regierung. Dazwischen sind die Europäer, reichlich orientierungslos, ebenso wie Obama. Da hat man sich fürchterlich getäuscht, der per 'Frühling' angestrebte system change, die Installation einer gemässigten islamischen Bewegung in Tunesien, Libyen, Ägypten und Syrien (lassen wir den Irak weg) ist gründlich schiefgegangen. Man hat aus diesen Ländern Pulverfässer gemacht, und diese Länder stürzen eines nach dem anderen ins Chaos. Dass sich die arabischen Länder mit Ausnahme Katars und Tunesiens auf die Seite der ägyptischen Militärs stellen ist kein Wunder, sitzen sie doch selbst auf Pulverfässern, siehe die Demonstrationen der Moslembrüder auch in Jordanien oder der Schiiten in Bahrain. Dabei darf man trotzdem nicht vergessen dass Katar und Saudi-Arabien Rivalen sind, Katar finanziert die Moslembrüder, Saudi-Arabien die Salafisten. Es ist höchste Zeit diese Appeasementpolitik gegenüber islamistischen Parteien zu überdenken, denn die wollen keine Demokratie. Und in einer islamistischen Welt ist kein Platz für eine Demokratie. Solange man predigt dass die Scharia weltliche Gesetze ausser Kraft setzt, solange es keine hierarchischen Strukturen im Islam gibt (Sarkozy wollte hier in Frankreich dies erreichen und es hat nur dazu geführt dass die Moslembrüder weitgehend offiziell den Islam vertreten haben), funktioniert keine Demokratie in diesen Ländern. Alleine die Tatsache dass jeder Prediger dem es gelingt Teile der Bevölkerung in seinen Bann zu ziehen, dass dessen Aussagen über dem weltlichen Gesetz stehen bringt es mit sich dass in islamischen Ländern um ein Chaos zu vermeiden de facto das Recht des Stärkeren dominiert. Solange die europäischen Regierungen glauben dass 'gemässigte Islamisten' wie eine Art CDU/CSU im demokratischen Spiel mitmachen, solange man auf die 'demokratische Machtergreifung' Mursis hinweist und vergisst dass der direkt ein islamistisches Regime installieren wollte, solange gibt es keinen Frieden in diesen Ländern. Schlimmer, dieser Konflikt wird in nur kurzer Zeit auch in Europa ausgetragen werden.
Pfaffenwinkel 17.08.2013
5.
sagt einer der Befragten. Wenn die Gewalt abgebbt ist, wird sich zeigen, ob dieser Optimismus berechtigt ist.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.