Unruhen in China Explosionen und Gewehrfeuer in Xinjiang

Explosionen erschütterten die Innenstadt von Kuqa in der nordwestchinesischen Region Xinjiang. Nach Informationen der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua gab es mehrere Tote, militärische Kräfte sollen in die Stadt eingerückt sein.


Peking - Vor der ersten Explosion sei ein Düsenflugzeug über die Stadt geflogen, berichtete ein ausländischer Augenzeuge in Kuqa telefonisch der dpa in Peking. Es habe fast 20 starke Explosionen geben: "Die Fensterscheiben klirren." Die Explosionen seien innerhalb von wenigen Minuten gefolgt. Lichtblitze waren zu sehen, aber kein Feuer oder Rauch. "Das Gewehrfeuer begann eine halbe Stunde nach der ersten Explosion", so der Augenzeuge.

Die Staatsagentur Xinhua berichtete, das betroffene Gebiet sei abgeriegelt worden. Bei den Explosionen soll es sich um eine Serie von Sprengstoffanschlägen gehandelt haben. Nach Informationen von Xinhua sollen fünf der mutmaßlichen Täter von der Polizei erschossen worden sein.

In einem englischsprachigen Text von Xinhua war zudem von zwei Toten im Zusammenhang mit den Explosionen die Rede. Allerdings blieb unklar, ob diese zusätzlich zu den fünf Terroristen getötet wurden. "Die Umstände der Tat sind weiterhin unklar", erklärte ein Vertreter des Komitees der kommunistischen Partei Kuqas.

Das von acht Millionen Uiguren bewohnte Xinjiang gilt traditionell als Unruheregion. Es gibt seit Jahrzehnten Widerstand seitens des muslimischen Turkvolks gegen die chinesische Herrschaft über Xinjiang.

Viele Uiguren in Xinjiang beklagen sich über die jahrzehntelange Unterdrückung durch die Kommunistische Führung in Peking. Diese verschärfte - wie auch in Tibet - die Sicherheitsmaßnahmen in der westlichen Unruheprovinz bereits vor den Olympischen Spielen massiv.

Die chinesische Regierung wirft ihrerseits radikalen Uiguren vor, die Spiele als politische Plattform nutzen und sabotieren zu wollen. Sie machte die uigurische Rebellengruppe Islamische Bewegung Ostturkestan für die Tat verantwortlich. Diese Gruppe kämpft in Xinjiang für die Gründung eines eigenständigen Staates. Die rund 400.000 Einwohner zählende Stadt Kuqa liegt mehr als 3000 Kilometer westlich von Peking, wo die Olympischen Spiele ausgetragen werden.

Vergangenen Montag, vier Tage vor Beginn der Spiele, gab es einen Angriff auf eine Polizeiwache in Xinjiang, bei der 16 Polizisten getötet wurden.

cjp/Reuters/AFP/dpa/sid

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