Unruhen in Kenia Polizei geht in Nairobi in Stellung - 100.000 Menschen auf der Flucht

Es soll ein "Marsch der Millionen" werden: Kenias Opposition will trotz Verbots mit einer Großdemonstration gegen die Regierung protestieren - Polizisten patrouillieren in Nairobi. Schätzungen zufolge sind infolge der Ausschreitungen nach der Präsidentenwahl 100.000 Menschen auf der Flucht.


Nairobi - Kenias Opposition lässt sich von dem Verbot der Behörden nicht beeindrucken: Mit einer Massendemonstration wollen Anhänger von Oppositionsführer Raila Odinga gegen die Regierung protestieren. Odinga sagte, der "Marsch der Millionen" in Nairobi solle friedlich verlaufen.

Polizeiaufgebot in Nairobi: Aufmarsch gegen die Großdemonstration
REUTERS

Polizeiaufgebot in Nairobi: Aufmarsch gegen die Großdemonstration

Schon am frühen Morgen patrouillierten zahlreiche bewaffnete Polizisten in den Straßen der Hauptstadt, Sicherheitskräfte umstellten den Uhuru-Park in der Innenstadt, wo sich die Demonstranten versammeln wollen.

Odinga äußerte sich skeptisch, dass sich die Lage in seinem Land rasch beruhigen könnte. "Das ist erst der Anfang der Massenaktionen, die wir vielleicht für Wochen, für Monate oder ein Jahr durchführen werden", sagte er dem ZDF. "Man kann keinen Frieden haben, wenn es keine Gerechtigkeit gibt." Er warf Präsident Mwai Kibaki vor, durch einen "zivilen Putsch" an der Macht bleiben zu wollen. Odinga sieht sich selbst als Sieger der Präsidentschaftswahl.

Bei den mehrtägigen Unruhen nach der Präsidentenwahl kamen nach Angaben der kenianischen Menschenrechtsorganisation mehr als 300 Menschen ums Leben. Schätzungsweise mehr als 100.000 sind auf der Flucht - die meisten davon Richtung Uganda.

Die Beobachtergruppe des Commonwealth forderte eine rasche Überprüfung des Wahlergebnisses. Der stellvertretende Leiter der Gruppe, Paul East, erklärte in Neuseeland, man verlange eine Überprüfung durch unabhängige Richter. Diese müssten klären, ob ein Wahlsieger ausgemacht werden könne oder eine Neuwahl notwendig sei. East sagte, derzeit sei es unmöglich festzustellen, wer die Präsidentenwahl gewonnen habe.

US-Außenministerin Condoleezza Rice telefonierte gestern mit Oppositionsführer Odinga. Auch ein Gespräch mit Kibaki war nach Angaben des Außenministeriums geplant. Rice wolle beide Politiker aufrufen, ihre Differenzen friedlich beizulegen.

Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier rief bei seinen Telefonaten am Mittwochabend nach Angaben des Auswärtigen Amtes Regierung und Opposition auf, "Provokationen und Gewalt zu vermeiden".

Angesichts der eskalierenden Gewalt in Kenia wächst international die Sorge um eine weitere Destabilisierung des ostafrikanischen Landes. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon kündigte einen Vermittlungsversuch an. Ban stehe derzeit mit der kenianischen Führung, der Afrikanischen Union und anderen betroffenen Parteien in Kontakt, um nach Wegen aus der Gewalt zu suchen, teilte seine Sprecherin Michèle Montas in New York mit. "Eine Lösung im Geiste des Dialogs ist dringend nötig", sagte sie.

hen/dpa/AP



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.