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24. April 2011, 22:32 Uhr

Unruhen in Nigeria

Menschenrechtler berichten von über 500 Toten

Die Gewalt nach der Wiederwahl des nigerianischen Präsidenten nimmt kein Ende: Bei den Unruhen sind einer Menschenrechtsorganisation zufolge bislang mehr als 500 Menschen ums Leben gekommen.

Kano - Bei den Unruhen nach der Wiederwahl des nigerianischen Präsidenten Goodluck Jonathan sind nach neuesten Angaben einer örtlichen Menschenrechtsorganisation mehr als 500 Menschen ums Leben gekommen. So viele Todesopfer habe es allein am Montag und am Dienstag in den drei Städten Zonkwa, Kafanchan und Zangon Kataf gegeben, erklärte Shehu Sani vom nigerianischen Bürgerrechtskongress CRC am Sonntag.

Die drei Städte liegen im südlichen Teil des Bundesstaates Kaduna, der von den Unruhen besonders betroffen war. "Die Opfer wurden eingekreist, angegriffen und zu Tode gehackt, ihre Häuser wurden angezündet", sagte CRC-Präsident Sani unter Berufung auf Aussagen von Mitgliedern aus den Gebieten. Auch Kirchen, Moscheen und Geschäfte seien angezündet worden.

Offizielle Zahlen zu den bei den Unruhen getöteten Menschen gibt es nicht. Das Rote Kreuz sprach von zahlreichen Toten und etwa 74.000 Flüchtlingen.

Die Ausschreitungen im muslimisch geprägten Norden hatten nach der Wiederwahl des christlichen Präsidenten Goodluck Jonathan begonnen. Anhänger des Herausforderers Muhammadu Buhari wollen das Ergebnis nicht anerkennen. Amtsinhaber Jonathan hatte vor allem im christlich geprägten Süden des Landes gut abgeschnitten, Buharis Wähler kamen dagegen vor allem aus dem Norden - zwischen beiden Teilen des Landes gibt es seit Jahrzehnten Spannungen.

Jonathan hatte die Abstimmung mit 57 Prozent der Stimmen gewonnen. Obwohl der Ablauf der Wahl von EU-Beobachtern als deutlich fairer und freier als frühere Abstimmungen in Nigeria eingeschätzt wurde, eskalierte die Situation vor allem im Norden.

can/AFP/Reuters

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