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13. Mai 2007, 21:38 Uhr

Unruhen in Pakistan

Dutzende Todesopfer bei Protesten in Karachi

In Pakistan haben die wochenlangen Proteste gegen die Suspendierung des Obersten Richters durch Präsident Musharraf einen blutigen Höhepunkt erreicht. Bei Kämpfen zwischen Anhängern und Gegnern der Regierung kamen in der Hafenstadt Karachi am Wochenende mindestens 41 Menschen ums Leben.

Karachi - Regierung und Opposition machten sich gegenseitig
für die schwersten politischen Ausschreitungen seit Jahren
verantwortlich. Anhänger der regierungstreuen Partei
Vereinigte Volksbewegung (MQM) attackierten Demonstranten der oppositionellen Pakistanischen Volkspartei und der Jamaat-e-Islami. Rund 15.000 Soldaten und Polizisten versuchten, die rivalisierenden Gruppen auseinanderzuhalten. Bei den Schießereien wurden gestern und heute insgesamt mindestens 41 Menschen getötet, weitere 150 wurden verletzt, wie Sicherheitsbeamte und Mediziner mitteilten.

Blutige Unruhen in Pakistan: Anhänger der Opposition verbrennen Puppe des Präsidenten
REUTERS

Blutige Unruhen in Pakistan: Anhänger der Opposition verbrennen Puppe des Präsidenten

Die anhaltenden Proteste wurden durch die Absetzung des Obersten Richters Iftikhar Mohammed Chaudhry Anfang März ausgelöst. Zu den neuen Zusammenstößen kam es anlässlich einer Kundgebung, auf der der wegen angeblichen Amtsmissbrauchs entlassene Richter gestern sprechen sollte. Nachdem er von Sicherheitskräften daran gehindert worden sei, zu der Kundgebung zu fahren, habe Chaudhry die Stadt jedoch wieder verlassen, teilten seine Anwälte mit. Die Anhänger des Richters halten seine Absetzung für politisch motiviert.

Präsident Pervez Musharraf rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. Die Verhängung des Ausnahmezustands lehnte er ab. Musharraf warf dem Richter vor, für die Unruhen und die Todesopfer verantwortlich zu sein. "Der Hauptgrund für das, was heute in Karachi passiert ist, liegt darin, dass ein juristisches Problem politisiert wurde", sagte Musharraf bei einer Kundgebung vor rund 35.000 Regierungsanhängern in Islamabad. Außerdem sei Chaudhry entgegen der ausdrücklichen Warnung der Regierung, dass der Protest in Gewalt umschlagen könne, nach Karachi gereist.

Dagegen warfen Oppositionsanhänger der Regierung vor, die Gewalt durch die ihr nahe stehende Partei MQM provoziert zu haben, indem sie ihre Anhänger am selben Tag wie die
Anhänger Chaudhrys in Karachi zu einer Kundgebung aufgerufen habe. Die frühere Regierungschefin Benazir Bhutto hielt den Behörden vor, für einen "Bürgerkriegszustand" in der Stadt gesorgt zu haben.

kai/dpa/AP

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