Unruhen in Pakistan Mindestens 30 Tote bei Demonstration in Karachi

Ein Protestmarsch für den abgesetzten Präsidenten des Obersten Gerichtshofes in Pakistan hat am Nachmittag hohen Blutzoll gefordert. Mindestens 30 Menschen wurden bei Straßenkämpfen zwischen Gegnern und Anhängern der pakistanischen Regierung getötet, fast 100 wurden verletzt.


Karachi - Die meisten Opfer gehörten der Oppositionspartei PPP an, hieß es. Die Zahl der Toten könne noch steigen. Nach Berichten einiger Fernsehsender und Nachrichtenagenturen waren an den Unruhen in Karachi Anhänger der Partei Muttahida Qaumi Movement (MQM) - die zu Musharrafs wichtigsten Unterstützern gehört - und der religiösen Oppositionspartei Jamaat-i- Islami beteiligt. In der Stadt waren Schüsse zu hören, Autos standen in Flammen. Am Freitag waren in Karachi zwei Anhänger der Opposition von einem vorbeifahrenden Motorrad aus erschossen worden.

Demonstranten in Karachi: Blutige Ausschreitung fordern mindestens 27 Tote
REUTERS

Demonstranten in Karachi: Blutige Ausschreitung fordern mindestens 27 Tote

Es waren die bislang blutigsten Unruhen im Zusammenhang mit Protesten gegen der umstrittenen Absetzung des obersten Richters. Iftikhar Muhammad Chaudhry war am 9. März auf Betreiben von Staatschef Pervez Musharraf seines Postens enthoben worden.

Die Absetzung war damit begründet worden, dass Chaudhry seinem Sohn eine Spitzenposition bei der Polizei zugeschanzt habe, für die jener nicht qualifiziert gewesen sei. Die Opposition hält die Vorwürfe für abwegig und wirft Musharraf vor, mit seinem Schritt die Justiz schwächen zu wollen.

Der Schritt hatte landesweite Proteste ausgelöst, die sich zunehmend auch gegen Musharraf richteten. Musharraf wird von Islamisten wegen seines Washington-freundlichen Kurses heftig kritisiert. Trotz der Gewalt sehe er keinen Grund, den Notstand auszurufen, erklärte der Präsident heute. "Wir müssen aufhören, diese Angelegenheit auf der Straße auszutragen und ein politisches Thema daraus machen", sagte Musharraf. Er wolle, dass die Rechtmäßigkeit der Absetzung höchstrichterlich geklärt werde. Zehntausende seiner Anhänger versammelten sich zu einer Großkundgebung in Islamabad.

Für die Demonstration der Opposition waren im Vorfeld 15.000 Polizisten und paramilitärische Kräfte abgestellt worden. Nach den Zusammenstößen rückten weitere paramilitärische Truppen in gepanzerten Fahrzeugen an.

Chaudhry sagte nach den Zusammenstößen einen geplanten Auftritt in Karachi ab und flog zurück in die Hauptstadt Islamabad. "Ich wollte vor der Anwaltskammer sprechen. Aber sie (die Behörden) wollen, dass meine Anwälte zurückfliegen, und ich möchte meine Anwälte begleiten", sagte er am Flughafen von Karachi.

Der Richter hatte zuvor den ganzen Tag lang am Flughafen festgesessen, weil Regierungsanhänger die Zufahrtswege blockiert hatten. Laut einem seiner Anwälte, Munir Munik, versuchten Paramilitärs, den Richter mit Gewalt in einen Hubschrauber zu drängen, um ihn zum Obersten Gericht der Provinz Sindh zu bringen. "Aber wir haben nicht zugelassen, dass die Sicherheitskräfte ihn mit Gewalt mitnehmen."

Musharraf wollte später am Abend in Islamabad selbst eine Großkundgebung anführen. Vor dem Parlament versammelten sich am Samstag bereits zahlreiche Menschen, die mit Bussen aus anderen Landesteilen in die Hauptstadt gebracht worden waren. Es waren jedoch weniger als die von der Regierung erwarteten 400.000 Teilnehmer.

mik/van/AFP/Reuters/dpa



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