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29. April 2011, 21:05 Uhr

Unruhen in Uganda

Sicherheitskräfte schießen in wütende Menge

Die Verhaftung des ugandischen Oppositionsführers Besigye hat heftige Unruhen in der Hauptstadt Kampala ausgelöst. Aufgebrachte Demonstranten randalierten auf den Straßen, Soldaten und Polizei schossen mit scharfer Munition. Mehrere Menschen starben, Dutzende wurden verletzt.

Kampala - Nach der brutalen Verhaftung des ugandischen Oppositionsführer Kizza Besigye ist die Gewalt im Land zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten am Freitag eskaliert. Soldaten und Polizisten gingen mit scharfer Munition gegen aufgebrachte Demonstranten vor. Nach Angaben des Roten Kreuzes wurden mindestens zwei Menschen bei der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste gegen die Regierung getötet und 120 weitere verletzt. 360 Menschen wurden der Regierung zufolge festgenommen.

Landesweit kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Regierungsgegnern und Sicherheitskräften. In der Hauptstadt Kampala setzten randalierende Demonstranten Autoreifen in Brand. Die Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas und scharfer Munition gegen die aufgebrachte Menge vor.

Am Vortag war Besigye, der eine Protestbewegung gegen die Erhöhung der Lebenshaltungskosten anführt, festgenommen worden. Die Polizei schlug mit einem Gewehrkolben ein Autofenster des Oppositionsführers ein und besprühte ihn aus nächster Nähe mit Tränengas. Dann stießen sie ihn in einen Geländewagen und rasten mit ihm davon.

"Sie haben ihn festgenommen wie irgendeinen Hühnerdieb", sagte ein Demonstrant. Das könne man nicht tatenlos hinnehmen. Präsident Yoweri Museveni müsse gehen. Museveni, seit 25 Jahren an der Macht, hat wiederholt betont, seine Regierung werde aufgrund der Proteste nicht zurücktreten.

Besigye wurde noch am selben Tag auf Kaution freigelassen, ließ sich jedoch am Freitag nicht in der Öffentlichkeit blicken und gab auch keine Stellungnahme ab. Der Rundfunk berichtete unter Berufung auf einen Berater Besigyes, dieser sei bei schlechter Gesundheit und werde zur ärztlichen Behandlung außer Landes geflogen. Als er ein Flugzeug Richtung Kenia besteigen wollte, hielten ihn Sicherheitskräfte am Flughafen zurück. Erst mit einer Stunde Verspätung konnte die Maschine abheben.

Besigye hatte fünf Demonstrationen unter dem Motto "Walk To Work" organisiert, um gegen steigende Preise von Lebensmitteln und Treibstoff und einer - seiner Auffassung nach - korrupten Regierung zu protestieren. Die Proteste fanden landesweiten Zulauf.

Besigye war in den vergangenen Wochen wiederholt verhaftet worden. Doch bei der Festnahme am Donnerstag handelte es sich um die gewaltsamste. Wochen zuvor hatte Besigye erklärt, von einem Gummigeschoss der Polizei an der rechten Hand getroffen worden zu sein. Seither zeigte er sich in der Öffentlichkeit mit einem dicken Gipsverband.

Am Freitag trugen die Demonstranten Transparente, auf denen der Oppositionsführer gepriesen und der Polizei ihr gewalttätiges Vorgehen vorgeworfen wurde. Mitglieder der Opposition im Parlament verlangten Aufklärung von der Regierung über die brutale Behandlung Besigyes. Diese erklärte, Besigye habe die Anweisung der Polizei, eine bestimmte Straße nicht zu benutzen, nicht befolgt, sondern sei aus dem Wagen gestiegen und habe seine Anhänger zu seiner Unterstützung gerufen.

Uganda sei mit Tunesien und Ägypten nicht zu vergleichen, erklärte der Minister für Innere Angelegenheiten, Kirunda Kivejinja. "Hier haben wir nur Besigye, der nicht kooperieren will." Der Oppositionsführer widersetze sich der Staatsgewalt.

Die US-Botschaft in Uganda verurteilte die Eskalation der Gewalt. Die Demonstranten sollten das Gesetz befolgen und von der Zerstörung von Eigentum absehen. Die Regierung wiederum müsse die Bürgerrechte respektieren und dürfe nicht gewaltsam gegen Zivilisten vorgehen. Nun sei ein konstruktiver Dialog vonnöten.

ffr/dapd/AFP/Reuters

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