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US-Islamophobe: Die Hintermänner des Mohammed-Films

Foto: HANDOUT / REUTERS

Macher des Mohammed-Films Netzwerk der Islamhasser

Wer steckt hinter dem Mohammed-Video, das die muslimische Welt erzürnt? Produzent Nakoula konnte sich offenbar auf ein ganzes Netzwerk antiislamischer Propagandisten stützen. Aktivisten, Geldgeber, Zündler - das sind die Hintermänner des Schmähfilms.

Selbst die Celebrity-Website TMZ hat sich inzwischen eingeschaltet. "Der Mann hinter dem Film", titelte sie am Montag. "Erstes Foto - Breaking News". Darunter sah man einen Herrn mit schütterem Haar und halboffenem, kurzärmligen Hemd auf einem Sofa, neben ihm eine Frau mit roter Perücke.

Bei dem Herrn handelt es sich TMZ zufolge um Nakoula Basseley Nakoula, einen der mutmaßlichen Hintermänner des Mohammed-Videos "Unschuld der Muslime". Die Frau sei eine der beteiligten Schauspielerinnen. Das Foto erschien auch in den Boulevardzeitungen "New York Daily News" und "New York Post".

Nakoula war bisher nur verhüllt zu sehen. Er ist inzwischen abgetaucht, nachdem ihn Beamte der Sicherheitsbehörden von Los Angeles befragt hatten. "Er ist weg", sagte Steve Whitmore, der Sprecher des Sheriffs. "Wir wissen nicht, wo er ist. Er hat gesagt, dass er nicht nach Hause zurückkehren würde."

Die gewaltsamen Unruhen im Nahen Osten, die zumindest zum Teil von dem Schmähvideo ausgelöst worden waren, laufen weiter. Die Ursprünge des stümperhaften Films allerdings offenbaren sich nur schleppend.

Erst schien es so, als sei Nakoula, auch unter dem Namen Sam Bacile bekannt, der Hauptverantwortliche. Langsam stellt sich aber heraus, dass an der Entstehung und Verbreitung des Videos ein ganzes Netzwerk antiislamischer Propagandisten beteiligt war: Blogger, Aktivisten, ägyptische Kopten in den USA.

Der progressive Autor Max Blumenthal spricht in diesem Zusammenhang von einer "Achse der Islamophobie". Seiner Ansicht nach ist das dieselbe Achse, die auch den norwegischen Mörder Anders Behring Breivik "hervorgebracht" habe.

SPIEGEL ONLINE stellt die Hauptprotagonisten des Schmähfilms vor.

  • Der Produzent

Die US-Ermittlungsbehörden haben Nakoula Basseley Nakoula, den in Kalifornien lebenden ägyptischen Kopten, als "Produzenten" des Films identifiziert. Am Samstag wurde der Vorbestrafte in Los Angeles von Beamten der Sheriffbehörde befragt, weil er womöglich gegen Bewährungsauflagen verstoßen hat, indem er das Video ins Internet stellte. Die markante Eingangstür seines Hauses in Cerritos bei Los Angeles ist identisch mit einer Tür, die in dem Film zu sehen ist.

Nakoula ist seit der Befragung untergetaucht. Mitglieder seiner Familie verließen am Montag unter Polizeischutz ebenfalls das Haus. "Sie waren der Meinung, dass sie dort sicherer wären, wo sie sich frei bewegen und ein normales Leben führen könnten", sagte der Sheriffsprecher.

Nakoula - der sich in einem ersten Interview als "israelischer Jude" ausgegeben hatte, doch weder Israeli noch Jude ist - war 2010 wegen Bankbetrugs zu 21 Monaten Haft verurteilt worden. Zuvor war er wegen Drogenhandels ins Visier der Justiz geraten. Im Juni 2011 kam er frei, kurz darauf begannen die Dreharbeiten.

  • Die Filmfirma

Die Drehgenehmigung beantragte eine Firma namens Media for Christ. Das bestätigten sowohl die Bezirksverwaltung von Los Angeles wie auch die zuständige Filmbehörde Film LA. Die Firmen-Website ist neuerdings nicht mehr zugänglich. Doch auf MySpace präsentiert sich Media for Christ weiter als "gemeinnützige Organisation, die das Wort Gottes verbreitet".

Media for Christ produziert das internationale TV-Satellitenprogramm "The Way TV" für "Christen in der arabischen Welt". Eine der Shows im Angebot wird vom antiislamischen Rechtsaktivisten Steve Klein moderiert, der sich als weiterer Hintermann von "Die Unschuld der Muslime" zu erkennen gegeben hat (siehe unten).

Eric Moers, der sich als Chefelektriker bei den Dreharbeiten ausgibt, sagte der US-Nachrichtenagentur AP, "90 Prozent" des Streifens seien in den Studios von Media for Christ in Duarte entstanden, einem Vorort von Los Angeles. Als Regisseur nannte die Website Gawker den Softporno-Regisseur Alan Roberts, der - wie auch die Schauspieler - aber über den wahren Inhalt getäuscht worden sei: Die hetzerischen Dialoge seien ohne ihr Wissen nachträglich hinzugefügt worden.

Hauptgeldgeber von Media for Christ ist nach Recherchen mehrere US-Medien ein weiterer in den USA lebender ägyptischer Kopte, Joseph Nasrallah Abdelmasih. Nasrallah ist schon wegen anderer islamkritischer Aktionen aufgefallen, unter anderem gemeinsam mit Klein.

Am Jahrestag der 9/11-Anschläge trat er 2010 bei einer Kundgebung gegen eine damals in der Nähe von Ground Zero geplanten islamischen Begegnungsstätte auf und rief in einer bis heute auf YouTube zu sehenden Rede unter anderem: "Erwache, Amerika!"

  • Die Bloggerin

Die Kundgebung gegen die "Ground-Zero-Moschee" war von den rechten US-Aktivisten Pamela Geller und Robert Spencer organisiert worden, die Nasrallah eingeladen hatten. Auf ihrem Blog veröffentlichte Geller im Februar dieses Jahres einen Spendenaufruf für einen "Film über Mohammed" ("eine Filmbiografie, die Details seines Lebens enthüllt"). Unklar bleibt, ob dieser Aufruf mit "Unschuld der Muslime" zusammenhängt - der Film war ja Monate zuvor abgedreht worden.

Spencer ist Autor des kontroversen Buchs "The Truth About Muhammad" von 2006, das vergleichbare Motive behandelt wie jetzt das Mohammed-Video. Gemeinsam mit Geller gründete er Stop Islamization of America - nach Angaben der Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center (SPLC) eine "antimuslimische Hassgruppe" mit dem Ziel, Muslime und "den Islam zu diffamieren".

In einer E-Mail an die Website Mondoweiss, die sich mit der US-Nahostpolitik befasst, verteidigte Geller Nasrallah jetzt als "unschuldigen Menschenrechtsaktivisten".

  • Der Agitator

Ein wiederholt auftauchender Name auch auf Gellers Blog ist besagter Steve Klein, ein Versicherungsvertreter und Vietnam-Veteran aus Kalifornien. Klein, kein Unbekannter in der antiislamischen US-Szene, hat sich offen als "Berater" des Mohammed-Films zu erkennen gegeben. Kleins Show im Media-for-Christ-Satellitenprogramm "The Way TV" ist mit "Erwache, Amerika" betitelt - die gleichen Worte, die auch der mutmaßliche Finanzier Nasrallah bei der Demonstration 2010 rief.

Klein gab als einziger Beteiligter bereitwillig mehrere Interviews zu dem Mohammed-Film. Er gründete einst unter anderem eine Organisation, die vor Moscheen demonstrierte, sowie Concerned Citizens for the First Amendment, eine Gruppe, die gegen Muslime polemisiert und vom SPLC als "Hassgruppe" geführt wird, die "Krieg" gegen Muslime führe. Klein sehe den Islam als "Krebsgeschwür", zitiert ihn das SPLC. Diese Formulierung hatte auch der mutmaßliche Produzent Nakoula in seinem ersten Interview mit AP benutzt.

  • Der Pastor

Der rechte Hassprediger Terry Jones aus Florida, der den Film propagiert und auch nach Deutschland bringen will, ist ebenfalls einschlägig bekannt. Jones, der schon mit einer Koran-Verbrennung blutige Unruhen in Afghanistan provoziert hatte, zeigte seiner Gemeinde die vorhandenen Film-Clips vorige Woche - am Jahrestag der 9/11-Anschläge.

Wie genau Jones ins weitmaschige Netz der Film-Hintermänner passt, ist allerdings noch unklar. "Wir wurden vom Produzenten des Films kontaktiert, um dabei mitzuhelfen, ihn zu vertreiben", erklärte er dazu nur. Der Film solle "Wahrheiten über Mohammed enthüllen".

Das deutsche Einreiseverbot kommentierte Terry Jones auf Twitter mit den Worten: "Das Hitler-Regime lebt in Deutschland fort, die Regierung lehnt freie Meinungsäußerung ab und unterwirft sich der Angst vor dem Islam."