Spionage-Affäre um Unterhosenbomber MI5 ist not amused

Erst wurde er als Erfolg gefeiert - jetzt entwickelt sich der vereitelte Qaida-Anschlag auf einen US-Jet zu einem handfesten Skandal. Die britischen Geheimdienste sind empört über die Indiskretionen ihrer amerikanischen Kollegen. Vergleichbare Aktionen seien in Zukunft fast unmöglich.

Geheimdienstzentrale in London: Entsetzen über die Indiskretion der Amerikaner
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Geheimdienstzentrale in London: Entsetzen über die Indiskretion der Amerikaner


London/Washington - Die Affäre um den vereitelten Sprengstoffanschlag auf ein US-Flugzeug sorgt für miese Stimmung unter den Geheimdiensten. Auf der einen Seite: Die amerikanischen Behörden und Nachrichtendienste, aus deren Reihen immer wieder Details über den Fall an die Medien gereicht werden. Auf der anderen: Die britischen Agenten von MI5 und MI6, die das Datenleck bei den Amerikanern überhaupt nicht lustig finden.

Die Briten fürchten, dass die Indiskretion der US-Kollegen zukünftige verdeckte Aktionen komplizierter oder sogar unmöglich machen könnte. Zwar gibt es noch immer keine offizielle Stellungnahme aus London, doch laut britischen Medien ist die Stimmung in den Agenten-Zentralen in der Hauptstadt dahin. "Wie soll MI5 denn in Zukunft einen möglichen Doppelagenten anheuern, wenn klar ist, dass Details am nächsten Tag in der Zeitung stehen", sagte Shashank Josh der "Times". Der Forscher arbeitet für den britischen Think-Tank Royal United Services Institute.

Der Hintergrund: In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass es der CIA und dem saudischen Geheimdienst gelungen war, einen Doppelagenten bei al-Qaida einzuschleusen. Dieser konnte einen Anschlag auf einen US-Jet verhindern und den Unterwäsche-Sprengsatz an die CIA übergeben. Später war - neben vielen anderen Details - verlautet, dass auch die königlichen Geheimdienste in die Affäre involviert waren. MI5 und MI6 hatten den britischen Staatsbürger offenbar sogar angeworben.

Laut der "Times" hat in dieser Woche bereits ein Krisentreffen der britischen Geheimdienste stattgefunden. Das Blatt beruft sich dabei auf einen namentlich nicht genannten Verantwortlichen der Behörden. Dabei ging es vor allem um die mangelhafte Geheimhaltung in dem internationalen Spionagecoup. Die Briten seien "sprachlos" angesichts der Fülle von Details, die in den USA an die Öffentlichkeit gelangt sind, hieß es.

Rechtliche Konsequenzen für Agenten möglich

Die Entrüstung in London hat gute Gründe. Schließlich kommt die Enthüllung für die britischen Agenten höchst ungelegen, sowohl politisch als auch rechtlich. Es ist den Diensten MI5 und MI6 nämlich offiziell verboten, an Aktionen teilzunehmen, die auf die gezielte Tötung von Verdächtigen ausgerichtet sind. Genau dies ist jedoch geschehen.

Als direkte Konsequenz auf die Enthüllungen um den sogenannten Unterhosenbomber starteten die USA in der vergangenen Woche einen tödlichen Drohnenangriff im Jemen. Dabei starb Fahd al-Kuso, einer der führenden Köpfe des Terrornetzwerks, der unter anderem im Jahr 2000 am Anschlag auf das US-Kriegsschiff USS "Cole" beteiligt war, bei dem 17 US-Marines und zwei Attentäter getötet wurden.

Scharfe Kritik kommt nicht nur von der Themse, sondern auch aus den USA. Mike Scheur, ehemaliger Leiter der CIA-Einheit, die mit der Fahndung nach Osama Bin Laden befasst war, sieht Diskussionsbedarf auf höchster Ebene: "Die Briten müssen unglaublich sauer sein. Das ist ein Vorfall, den der britische Premier mit dem US-Präsidenten besprechen müsste."

Ebenfalls deutliche Worte fand US-Verteidigungsminister Leon Panetta: "Als ehemaliger Chef der CIA kann ich sagen, dass solche Lecks der Arbeit der Geheimdienste ganz erheblich schaden." Die Affäre hat möglicherweise disziplinarische Folgen. Geheimdienstchef James Clapper hat eine Untersuchung angekündigt, wie und von wem immer wieder Informationen weitergegeben wurden.

Die internen Nachforschungen in 16 Geheimdienstbehörden sollen aufdecken, ob es eine "unbefugte Weitergabe von geheimen Informationen" gegeben habe, sagte ein ranghoher Nachrichtendienstvertreter am vergangenen Mittwoch.

jok

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Seite 1
whocaresbutyou 12.05.2012
1.
Zitat von sysopAPErst wurde er als Erfolg gefeiert - jetzt entwickelt sich der vereitelte Qaida-Anschlag auf einen US-Jet zu einem handfesten Skandal. Die britischen Geheimdienste sind empört über die Indiskretionen ihrer amerikanischen Kollegen. Vergleichbare Aktionen seien in Zukunft fast unmöglich. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,832826,00.html
anfangs dachte ich entfernt daran, es könnte sich bei dieser "wir haben schon wieder einen Terroranschlag verhindert"-Story um eine Geheimdienstente zur Aufrechterhaltung der globalen Terrornoia sein... aber so dämlich, wie die sich da wieder anstellen... war es wohl doch echt ... ;o)
jujo 12.05.2012
2. ....
Zitat von whocaresbutyouanfangs dachte ich entfernt daran, es könnte sich bei dieser "wir haben schon wieder einen Terroranschlag verhindert"-Story um eine Geheimdienstente zur Aufrechterhaltung der globalen Terrornoia sein... aber so dämlich, wie die sich da wieder anstellen... war es wohl doch echt ... ;o)
In USA ist Wahlkampf liebe Schlapphüte aus England, nicht mitbekommen?
kn4llfrosch 12.05.2012
3. Bittere Pille
"Es ist den Diensten MI5 und MI6 nämlich offiziell verboten, an Aktionen teilzunehmen, die auf die gezielte Tötung von Verdächtigen ausgerichtet sind" Ja dann ist es natürlich traurig, dass diese Rechtsverletzung bekannt wurde. Schade für den Mi5, der Gesetze lieber heimlich bricht. Disziplinarmaßnahmen olé!
Simax 12.05.2012
4. Einfach doof, arrogant oder Absicht ?
Zitat von sysopAPErst wurde er als Erfolg gefeiert - jetzt entwickelt sich der vereitelte Qaida-Anschlag auf einen US-Jet zu einem handfesten Skandal. Die britischen Geheimdienste sind empört über die Indiskretionen ihrer amerikanischen Kollegen. Vergleichbare Aktionen seien in Zukunft fast unmöglich. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,832826,00.html
Da wird ein US Soldat der Geheimnisse preisgibt in Einzelhaft verpackt - und die Knallköpfe der CIA geben die Plaudertasche. Mit solchen Freunden braucht man keine Feinde mehr. Und wenn man die Naivität der CIA sieht die es ihren Gegnern erlaubte menschliche Bomben ohne Kontrolle direkt ins Zentrum eines Stützpunkts zu schleusen bleibt man eh sprachlos.
340vt 12.05.2012
5. optional
Ich frage mich,warum diese Komikertruppen GEIHEIMdienst heißen??
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