Uran-Kompromiss mit Iran USA äußern "ernste Bedenken"

Mit Zurückhaltung und Skepsis haben die USA auf den Kompromiss im Atomstreit mit Iran reagiert. Die Regierung in Washington will sich weiterhin um neue Sanktionen der internationalen Gemeinschaft bemühen.

US-Präsidentensprecher Gibbs: "Wiederholt Zusagen nicht eingehalten"
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US-Präsidentensprecher Gibbs: "Wiederholt Zusagen nicht eingehalten"


Jerusalem - Die US-Regierung betrachtet den Atomstreit mit Iran auch nach dem von der Türkei und Brasilien ausgehandelten Kompromiss noch nicht als beigelegt. Es bestehe nach wie vor Anlass für "ernste Bedenken", sagte US-Präsidentensprecher Robert Gibbs am Montag in Washington. Er erinnerte daran, dass Iran "in der Vergangenheit wiederholt seine eigenen Zusagen nicht eingehalten" habe.

Sollte der Iran nun wie angekündigt sein schwach angereichertes Uran in der Türkei lagern, wäre das ein "positiver Schritt", sagte Gibbs. Irans Ankündigung, auch weiterhin Uran im eigenen Land anzureichern, verstoße aber gegen die Resolutionen des Uno-Sicherheitsrats, sagte der Sprecher weiter. Aus der Vereinbarung mit der Türkei und Brasilien gehe nur "undeutlich" hervor, ob und in wie weit der Iran mit der internationalen Gemeinschaft verhandeln wolle.

Ähnlich äußerte sich auch der russische Präsident Dmitrij Medwedew. Er sagte in Kiew, es seien nicht alle Fragen geklärt. So sei offen, ob Iran weiter Uran anreichern wolle. In diesem Fall wären die Sorgen der internationalen Gemeinschaft nicht ausgeräumt.

Die USA streben eine neue Sanktionsrunde gegen den Iran im Uno-Sicherheitsrat an. Das Abkommen ändere nichts an den Schritten, die die USA unternehmen würden, um Iran zur Einhaltung seiner Verpflichtungen zu bewegen, sagte Gibbs. Das schließe auch Sanktionen mit ein.

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Abkommen zu Uran-Tausch: Freudentanz in Teheran

Die oberste EU-Außenpolitikerin Catherine Ashton sagte am Rande eines Besuchs in Madrid, dass der Kompromiss nur "teilweise" die Anforderungen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) erfülle. Die Vereinten Nationen erklärten in New York, dass das neue Abkommen "ermutigend" sei. Zugleich müssten aber bestehende Uno-Resolutionen eingehalten werden.

Auf Vermittlung Brasiliens und der Türkei hatte Iran am Montag eingewilligt, im Austausch gegen Brennstäbe für seinen medizinischen Forschungsreaktor 1200 Kilogramm schwach angereichertes Uran in der Türkei zu lagern. Gleichzeitig aber kündigte die Regierung in Teheran an, sie wolle auch weiterhin Uran im eigenen Land anreichern. Durch die Auslagerung der Produktion ins Ausland sollen Bedenken des Westens ausgeräumt werden, der Iran verdächtigt, heimlich am Bau einer Atombombe zu arbeiten. Teheran betont dagegen stets den rein zivilen Charakter seines Atomprogramms.

Bisher hatte Iran eine Anreicherung im Ausland abgelehnt. Im Oktober wies Teheran einen Vorschlag der IAEA zurück, wonach iranisches Uran in Russland angereichert und in Frankreich zu Brennstäben weiterverarbeitet werden sollte. Stattdessen bestand Teheran auf einem zeitgleichen Austausch auf seinem Territorium. Dies wiederum lehnte der Westen ab. Der Uno-Sicherheitsrat hat bereits dreimal Sanktionen verhängt, weil Teheran sich der Aufforderung zum Stopp der Urananreicherung widersetzte.

wit/AFP/dpa/Reuters

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Seite 1
G. Henning, 17.05.2010
1. .
Zitat von sysopMit Zurückhaltung und Skepsis haben die USA auf den Kompromiss im Atomstreit mit Iran reagiert. Die Regierung in Washington will sich weiterhin um neue Sanktionen der internationalen Gemeinschaft bemühen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,695302,00.html
Es wäre wohl besser, erst einmal die Verträge durch die internat. Atomenergiebehörde prüfen zu lassen.
tystie, 17.05.2010
2. .
Als Trinty gezündet wurde (passender Name!) wurde nicht nur Harry Truman, sondern auch Stalin umgehend informiert. Darum konnte die Überraschungsnachricht darüber, dass die USA-Regierung den größten Knüppel der Weltgeschichte hatte herstellen lassen, Stalin nicht mehr beeindrucken. Dem Vernehmen nach war dann die CIA ziemlich erstaunt, wie schnell Wissenschaftler in der UdSSR das Ding nachbauen konnten - ganu, wie es im Franck-Report schon vor Trinty vorhergesagt worden war. Dann kam man auf den genialen Einfall mit der 'friedlichen Nutzung der Kernenergie' und schuf die IAEA zur PROPAGIERUNG und FÖRDERUNG der Verbreitung von Atomtechnik weltweit. Ach diese Saat ging auf! Und nun stellen sich alle Heuchler hin, der IAEA gelang es sogar, den Friedensnobelpreis zu erbeuten (!), und tun so, als hätte der Iran das Recht zur 'friedlichen Nutzung von Atomenergie', obwohl wohlbekannt ist, dass dies die Vorbedingung für die Schaffung von Atomwaffen ist und es immer war und ursprünglich auch der einzige Nutzen von Atomkraftwerken. Mögen den Heuchlern ihre Lügen im Hals steckenbleiben und sie daran ersticken! Denn, sie haben alles daran gesetzt, diesen Plaeten mit ionisierenden Stoffen, die es vor hundert Jahren noch nicht einmal gab, zu verseuchen, was durch über vierhundert atmosphärische 'Atomtests', hunderte mehr unterirdische, die Verwendung von Uranmunition und und und nicht zuletzt durch den 'Unfall' in Tschernobyl, der von Verbrechern vertuscht und ignoriert wird, obwohl er einen klaren Ausblick auf die zukünftige Welt bietet, geschehen ist!
siegfriedolinius 17.05.2010
3. Fakten
Es gibt viele Fakten zu Kernwaffen - z.B. dass der Atomwaffen-Sperrvertrag jedem Land die Anreicherung von spaltbarem Material erlaubt. Man muss das ganze Thema aber im größeren Zusammenhang sehen. Mit der "Bombe" könnte ein Land, das verrückt genug ist, vielleicht einige Millionen Menschen töten. In der realen Welt geht aber alle paar Tage eine ganz andere "Bombe" hoch: jeden Tag sterben etwa 100.000 Menschen, nicht an den Folgen der Kerntechnik, sondern an den Folgen der fehlenden Entwicklung: weil sie kein sauberes Trinkwasser, keine leistungsfähige Landwirtschaft und Medizin haben. Energie ist eine Grundlage jeder leistungsfähigen Wirtschaft, und die effizienteste Energieform ist die Kernenergie! Und die effektivsten Methoden Entwicklung zu verhindern sind Sanktionen oder schlimmere Methoden, wie man sie gegen den Irak angewendet hat. Das sind auch Fakten, reale Fakten - keine theoretischen.
vk64 17.05.2010
4. Jerusalem
Zitat von sysopMit Zurückhaltung und Skepsis haben die USA auf den Kompromiss im Atomstreit mit Iran reagiert. Die Regierung in Washington will sich weiterhin um neue Sanktionen der internationalen Gemeinschaft bemühen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,695302,00.html
Worauf die Zurückhaltung und Skepsis basiert wird schon beim ersten Wort des Artikels deutlich. Die Meldung beginnt nämlich so: Jerusalem. ..... Im Beitrag findet sich aber kein einziger Hinweis darauf, warum der Bericht nun in Jerusalem geschrieben wurde. Keine der zitierten Personen hielt sich in Jerusalem auf. Man darf eines nicht vergessen- die Türkei ist Nao-Partner und damit Verbündeter des Westens und der USA. Ob die USA tatsächlich in dieser Form - wie der Artikel glauben machen will- ihren engen Verbündeten in dieser Region-nämlich die Türkei- vor den Kopf stoßen wollen, kann man ernsthaft bezweifeln.
MaximilianSchmitz 18.05.2010
5. lächerlich
Der Bericht beginnt mit den Worten: "Jerusalem - Die US-Regierung..." und trifft die Geschehnisse auf den Kopf. H.M. Broder soll erklären, warum Israel den NPT nicht unterzeichnet hat, und könnte nebenbei Schlomo Sand lesen.
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