Uran-Niger-Affäre Condoleezza Rice übernimmt die Verantwortung

Nach CIA-Chef Tenet hat sich jetzt auch George W. Bushs stellvertretender Sicherheitsberater Stephen Hadley für falsche Informationen in der Rede des US-Präsidenten entschuldigt. Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice übernehme persönlich die Verantwortung für die Panne bei der Begründung des Irak-Kriegs.


Sicherheitsberaterin Rice
AP

Sicherheitsberaterin Rice

Washington - In einem der seltenen Pressegespräche sagte Hadley, er habe im Oktober zwei Notizen von der CIA und einen Anruf von CIA-Direktor George Tenet bekommen, in denen Zweifel an dem Bericht laut geworden seien. Deshalb sei ein Hinweis auf die vermeintlichen Urankäufe auch aus einer Bush-Rede am 7. Oktober gestrichen worden. Dabei geht es um eine inzwischen diskreditierte Passage, in der dem Irak vorgeworfen wurde, er habe versucht, in Afrika atomwaffenfähiges Uran zu kaufen.

Bis zur Rede zur Lage der Nation am 28. Januar habe er dies aber wohl wieder vergessen. "Die hohen Standards, die der Präsident gesetzt hat, wurden nicht erfüllt", sagte Hadley. Er habe sich am Montag bei Bush entschuldigt. Seine Chefin, Condoleezza Rice, übernehme persönlich die Verantwortung dafür, dass Präsident George W. Bush den Vorwurf dennoch im Januar in seiner Rede zur Lage der Nation erwähnte.

Hadley sagte, er selbst übernehme für den Mitarbeiterstab des Präsidenten die Verantwortung für diesen Fehler. Für die CIA hatte schon Tenet erklärt, er hätte stärker darauf dringen müssen, dass die strittige Passage aus der Rede hätte gestrichen werden müssen.

Damit vollzieht das Weiße Haus eine Kehrtwende: Vor zwei Wochen hatte das Weiße Haus der CIA noch den Schwarzen Peter für die Passage zugeschoben. Die Rede sei vom Geheimdienst abgenommen gewesen. CIA-Chef George Tenet hatte daraufhin persönlich die Verantwortung übernommen.

Die US-Regierung bemüht sich in der Debatte über die Begründung des Irak-Kriegs inzwischen um Schadensbegrenzung. Angesichts der wachsenden Kritik der Demokraten erhalten republikanische Abgeordnete und Senatoren Einblick in Geheimdienstunterlagen. Gleichzeitig werden sie angehalten, die positiven Aspekte des Kriegs hervorzuheben.

Die Demokraten werfen Bush eine Irreführung der Bevölkerung vor dem Irak-Krieg vor. Ihre Kritik konzentriert sich auf die Rede zur Lage der Nation, als Bush die Gefährlichkeit des Irak betonte und dabei auf angebliche britische Erkenntnisse verwies, wonach Saddam Hussein versucht haben soll, große Mengen Uran in Afrika zu kaufen.



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