Uran-Schmuggel Verdächtige freigelassen

Die türkische Polizei hat zwei Männer freigelassen, die in einem Taxi mit einem Koffer Uran nahe der syrischen Grenze unterwegs waren. Die Menge war weit geringer, als ursprünglich angenommen. US-Experten bemühen sich dennoch fieberhaft darum, das Material untersuchen zu können.


Türkische Ermittler präsentieren das sichergestellte Uran
AP

Türkische Ermittler präsentieren das sichergestellte Uran

Sanliurfa – Der Bürgermeister von Sanliurfa sagte laut CNN, dass die sichergestellte Menge weit geringer sei, als ursprünglich angenommen. Die türkischen Behörden hatten am Samstag mitgeteilt, sie hätten zwei Männer festgenommen, die in einem Taxi nahe der syrischen Grenze unterwegs waren. Laut ersten Meldungen sollten sie einen Behälter mit 15 Kilogramm Uran bei sich geführt haben, Schwarzmarktwert: Fünf Millionen Dollar. Nun stellt sich offenbar heraus, dass die beiden festgenommenen Türken nur 140 Gramm Uran bei sich hatten. Möglicherweise enthielt der Container sogar nur zehn Gramm. Deshalb, so der Bürgermeister laut CNN, habe die Polizei die Verdächtigen freigelassen. Sie seien inzwischen verschwunden.

Der Fund hatte zunächst Ermittler und Politiker alarmiert: Derzeit bemühen sich amerikanische Experten, Ermittler und Diplomaten fieberhaft darum, an den Fund im Osten der Türkei heranzukommen. Nach türkischen Angaben soll das Uran, das am Samstag nahe der syrischen Grenze sichergestellt wurde, von Atomforschern in der Hauptstadt Ankara untersucht werden. Zuvor hatten türkische Ermittler Hinweise darauf bekommen, dass in der Gegend Uran zum Kauf angeboten werde.

Am Montag wollen die türkischen Behörden das Ergebnis ihrer Untersuchungen bekannt geben. Bisher ist noch nicht sicher, ob es sich bei dem Fund überhaupt um waffenfähiges Uran handelt – oder ob die festgenommenen Türken lediglich natürliches Uran mit sich schleppten, das erst aufgearbeitet werden müsste. Laut dem US-Sender CNN gehen türkische Sicherheitsbeamte vor Ort nicht davon aus, dass das Material eine gefährliche Strahlung abgegeben habe.

CNN zitiert einen US-Regierungsbeamten mit folgenden Worten: "Wenn das waffentaugliches Uran ist, dann ist es zum Fürchten. Dann wäre es die mit Abstand schlimmste Bestätigung unserer Befürchtungen über herumvagabundierendes Nuklear-Material.“

Das Uran war in einem Bleizylinder eingeschlossen und unter dem Sitz des Taxis versteckt. Auf einem von der türkischen Zeitung "Sabah“ am Sonntag veröffentlichten Foto war auf dem Behälter die Aufschrift "Made in W-Germany“ und "Primarily Youranoum“ zu sehen.



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