Uran-Vorwurf Streit zwischen CIA und britischer Regierung

Der CIA hat offenbar schon früh an den britischen Erkenntnissen gezweifelt, wonach der Irak versucht hat, Uran zu kaufen. Der CIA soll im September 2002 versucht haben, London davon abzubringen, die Vorwürfe in einem Geheimdienstdossier zu erheben.


Washington - Die "Washington Post" zitiert am Freitag einen Geheimdienstexperten der US-Regierung mit den Worten: "Wir berieten über das Papier und empfahlen, das Material nicht zu benutzen." Die britische Regierung habe die US-Anregungen jedoch zurückgewiesen. Sie habe darauf verwiesen, dass sie Erkenntnisse habe, die dem CIA nicht bekannt seien.

US-Präsident Geroge W. Bush hatte in seiner viel beachteten Rede an die Nation am 28. Januar auf die Gefahr durch ein irakisches Atomprogramm verwiesen. Unter Bezug auf die britischen Erkenntnisse erklärte er damals, der Irak habe versucht, im Niger Uran zu kaufen. Bushs Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice erklärte am Freitag, wenn der CIA-Chef damals gesagt hätte, das Weiße Haus solle die Uran-Passage aus der Rede streichen, dann wäre dies auch geschehen.

Auch US-Außenminister Colin Powell sagte, der Präsident habe den damaligen Erkenntnisstand der Geheimdienste wiedergegeben. Es sei einfach lächerlich zu behaupten, Bush habe die Gefahr durch ein irakisches Atomwaffenprogramm übertrieben. Powell selbst hatte die Uran-Vorwürfe in seiner Rede vor der Uno nur acht Tage nach Bushs Rede zur Lage der Nation nicht wiederholt.

Das Weiße Haus hatte am Montag eingeräumt, dass der Präsident die Uran-Behauptung nicht hätte aufstellen sollen.



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