Urananreicherung "Iran kann frühestens in vier Jahren Atomwaffen bauen"

"Kein Grund für Alarm", "Massive Übertreibung" - so reagieren Sicherheitsexperten auf Irans Ankündigung, das Land könne jetzt nuklearen Brennstoff herstellen. Nach Einschätzung der Internationalen Atomenergiebehörde kann Iran frühestens in vier bis sechs Jahren Atomwaffen bauen.


Köln - Es gebe noch viel Zeit für die Diplomatie, sagte die Sprecherin der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Melissa Fleming heute im Deutschlandfunk. Unverständnis äußerte sie darüber, dass Teheran sein Programm zur Urananreicherung nicht offen lege. So habe Iran im Ausland mehrfach illegal Materialien erworben oder Experimente verschwiegen. Fleming verwies darauf, dass das Land grundsätzlich ein Recht darauf habe, Atomanlagen zu betreiben. Dies gelte aber nur dann, wenn alles transparent und legal ablaufe.

Zuvor hatten bereits zahlreiche Experten die iranischen Angaben bezweifelt. Der geschäftsführende Vorstand der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung, Harald Müller, sagte, er sehe "keinen Grund zum Alarm". Der Chef des Berliner Informationszentrums für Transatlantische Sicherheit, Otfried Nassauer, sieht "mit allergrößter Wahrscheinlichkeit eine massive politisch motivierte Übertreibung".

Der SPD-Außenexperte Gert Weisskirchen bezweifelt, dass das Land in absehbarer Zeit atomare Langstreckenraketen produzieren könne. Unions-Fraktionsvize Andreas Schockenhoff fordert neue Verhandlungen mit Iran zu einer internationalen Aufsicht über dessen Atomprogramm.

Iran hatte am Montag erklärt, die Urananreicherung im Lande habe industrielles Niveau erreicht. Vor allem die USA werfen Teheran vor, unter dem Deckmantel der friedlichen Nutzung der Atomenergie am Bau einer Nuklearbombe zu arbeiten.

ler/AFP/ddp

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